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Eine neue Ära des Weltraumtourismus hat begonnen: Fliegen wir bald alle ins All?

  • Vier private Raumfahrtunternehmen wollen zukünftig Pauschalreisen in den Weltraum anbieten: Space X, Axiom Space, Virgin Galactic und Blue Origin.
  • Ein neuer Wettlauf ins All hat begonnen.
  • Schon im Juli will Blue Origin Weltraumtouristinnen und -touristen, darunter Amazon-Gründer Jeff Bezos, ins Weltall fliegen.
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Es ist ein lang gehegter Kindheitstraum, den sich Amazon-Gründer Jeff Bezos am 20. Juli erfüllen möchte: Zusammen mit seinem Bruder Mark will er ins Weltall fliegen. Dort hinbringen soll sie die Rakete „New Shepard“, benannt nach dem ersten amerikanischen Astronauten im All, Alan Shepard. Das Raumschiff gehört der Firma Blue Origin, die Bezos im Jahr 2000 selbst gegründet hat und die zukünftig suborbitalen Weltraumtourismus ermöglichen will. „Wir sind entschlossen, eine Straße ins All zu bauen, damit unsere Kinder die Zukunft aufbauen können“, heißt es auf der Firmenwebsite.

Die Idee ist eine grenzüberschreitende Reisefreiheit, die nicht nur Abenteuer bieten, sondern auch inspirieren soll. „Wenn man die Erde aus dem Weltraum sieht, verändert einen das“, sagt Bezos in einem Video auf Instagram, in dem er seinen Weltraumflug publik macht. „Es verändert deine Beziehung zu diesem Planeten, zur Menschheit.“ Er selbst wird bei seinem Flug die Erde kurzzeitig aus einer Höhe von 100 Kilometern sehen, um anschließend wieder in die Erdatmosphäre einzutreten und in der texanischen Wüste zu landen. Die zehnminütige Weltraumreise hat allerdings ihren Preis: Ein anonymer Bieter erkaufte sich einen Sitzplatz neben Bezos für 28 Millionen US-Dollar, also für umgerechnet rund 23 Millionen Euro.

Dennis Tito ist der erste Weltraumtourist in der Raumfahrtgeschichte

Die Erde von oben zu betrachten ist grundsätzlich ein kostspieliges Unterfangen. Schon Dennis Tito, der weltweit erste Weltraumtourist, zahlte für seinen Flug im Jahr 2001 rund 20 Millionen US-Dollar. Sechs Tage verbrachte er auf der Internationalen Raumstation ISS. „Es war wie im Paradies“, sagte er später nach der Landung. Mit seinem Kurztrip legte Tito den Grundstein des Weltraumtourismus. Inzwischen gibt es einen regelrechten Wettlauf um private Touristenflüge ins All. Vorne mit dabei sind – neben Blue Origin – Elon Musks Firma Space X sowie die US-amerikanischen Raumfahrtunternehmen Axiom Space und Virgin Galactic.

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Zusätzlich zu Jeff Bezos’ Weltraumflug soll in diesem Jahr die Space-X-Mission „Inspiration 4″ starten. In einer Crew-Dragon-Raumkapsel, in der auch Astronautinnen und Astronauten zur ISS fliegen, werden Assistenzärztin Hayley Arceneaux vom St. Jude Children’s Research Hospital, Geowissenschaftlerin Sian Proctor und Luftfahrtingenieur Chris Sembroski drei Tage lang die Erde umkreisen. Geleitet wird die Mission von Jared Isaacman, einem erfahrenen Jetpiloten und CEO des Zahlungsabwicklers Shift4 Payments. Frühestens im September 2021 soll die vierköpfige Crew vom Kennedy Space Center ins All aufbrechen.

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In der „Today Show“ berichtete Hayley Arceneaux Ende Februar freudestrahlend über den Moment, als sie für die „Inspiration 4″-Mission ausgewählt wurde: „Ich wurde gefragt, ob ich ins All fliegen möchte. Und ich habe sofort ‚Ja‘ gesagt.“ Als sie zehn Jahre alt war, wurde bei ihr ein Osteosarkom diagnostiziert, also eine Form von Knochenkrebs. Sie wurde im St. Jude Children’s Research Hospital erfolgreich therapiert, schloss ihr Medizinstudium ab und behandelt in dem Krankenhaus nun selbst Kinder und Jugendliche mit Leukämie. „Ich habe nie für möglich gehalten, dass ich irgendwann mal ins All fliege“, sagte Arceneaux. Mit ihrem Flug wolle sie ihren jungen Patientinnen und Patienten zeigen: „The sky is not the limit“, was übersetzt so viel wie „Nach oben sind keine Grenzen gesetzt“ bedeutet.

Ax-1-Mission will Touristinnen und Touristen zur ISS bringen

„Inspiration 4″ ist nicht die einzige Mission für Weltraumtouristinnen und -touristen, an der Space X beteiligt ist. Auch die Ax-1-Mission des Raumfahrtunternehmens Axiom Space soll mithilfe einer Crew-Dragon-Raumkapsel stattfinden. Die drei Weltraumtouristen Larry Connor aus den USA, Mark Pathy aus Kanada und Eytan Stibbe aus Israel sollen unter der Leitung des ehemaligen Nasa-Astronauten und Axiom-Vizepräsidenten, Michael López-Alegría, im Januar 2022 zur ISS fliegen. Die Voraussetzung: ein 15-wöchiges Astronautentraining. Auf der Raumstation werden sie acht Tage lang leben und an Forschungs- und philanthropischen Projekten teilnehmen.

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Bei der Ax-1-Mission soll es jedoch nicht bleiben. Schon jetzt schreibt Axiom Space auf seiner Internetseite neue Flüge für private Astronautinnen und Astronauten zur ISS aus. „Sind Sie bereit, einer der Pioniere zu werden, die den Weltraum für alle öffnen?“, ist dort zu lesen, gefolgt von der Frage: „Wann möchten Sie gerne zur Internationalen Raumstation fliegen?“ Zur Auswahl stehen die Zeiträume 2022 bis 2024 oder ab 2025.

Entdeckerdrang treibt Menschen in den Weltraum

Eine Reise ins Weltall, nur einen Klick entfernt – das klingt nach Science-Fiction. Und gleichzeitig stellt sich die Frage: Welchen Sinn hat es überhaupt, private Astronautinnen und Astronauten ins All zu befördern? Geht es dabei nur darum, schnell viel Geld zu verdienen? Oder darum, sich mit den großen Raumfahrtbehörden wie der Nasa zu messen? Ist das reine PR? Oder schlagen die Unternehmen tatsächlich einen zukunftsweisenden Weg ein, der die Menschheit weiterbringt?

Tragischer Unfall überschattet Virgin Galactics Raumfahrtpläne

„Es gibt Millionen Menschen, die ins All wollen, und es braucht privates Unternehmertum, um das möglich zu machen“, lautet die Devise von Milliardär Richard Branson. Er ist der Gründer der Firma Virgin Galactic, die wie Axiom Space über eine Onlineregistrierung private Weltraumflüge und ein „beispielloses Kundenerlebnis“ anpreist. Ab 2022 will er mit dem Raumflugzeug „VSS Unity“ Touristenflüge ermöglichen. Bisher wurde sein Vorhaben aber von mehreren Rückschlägen ausgebremst. Die größte und tragischste Niederlage erlitt Branson 2014: Bei einem Testflug über Kalifornien stürzte das Vorgängermodell der „VSS Unity“, das „Spaceship Two“, ab. Ein Pilot kam dabei ums Leben.

Das Raumschiff „VSS Unity“ hat inzwischen seinen dritten erfolgreichen Testflug hinter sich. Ende Mai startete es erstmals vom eigens gebauten, ersten privat finanzierten Weltraumhafen Spaceport America in New Mexico. An Bord waren zwei Piloten, die mit dem Raumflugzeug eine Höhe von 89,2 Kilometern erreichten, wie Virgin Galactic mitteilte. Das Mutterschiff hatte die „VSS Unity“ in 14 Kilometern Höhe abgesetzt, danach beschleunigte das Raumschiff 60 Sekunden lang mit eigenem Raketenantrieb, um dann seinen Flug mit dreifacher Schallgeschwindigkeit fortzusetzen.

Drei weitere Testflüge sollen noch in diesem Jahr stattfinden. An einem will der Gründer von Virgin Galactic selbst teilnehmen. Via Twitter gratulierte Branson seinem Konkurrenten Jeff Bezos, als er von dessen fortgeschrittenen Raumfahrtplänen erfuhr. Sowohl Blue Origin als auch Virgin Galactic würden bald den Zugang zum Weltraum eröffnen. „Wie außergewöhnlich!“, schrieb Branson. „Watch this space ...“ (auf Deutsch: Aufgepasst, Weltraum).

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