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Sorge um Corona-Mutation nach Ausbruch in Peking: die Hintergründe

  • Der neuerliche Corona-Ausbruch in Peking sorgt nicht nur in China für Unruhe.
  • Denn Berichte, nach denen es sich um eine Mutation des Sars-CoV-2-Virus handeln könnte, schüren die Ängste vor einer zweiten, unkontrollierten Welle.
  • Aber was sind eigentlich Virusmutationen – und sind die aktuellen Sorgen wirklich berechtigt?
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Die Geschichte vom zweiten Corona-Ausbruch in China gleicht jener über den Beginn der Corona-Pandemie. Seinerzeit war es der Wildtiermarkt in Wuhan, jetzt wurde der neuerliche Ausbruch im Pekinger Lebensmittelgroßmarkt Xinfadi beobachtet, dem zentralen Nahrungsmittelversorger für rund 20 Millionen Menschen in der Metropolregion Peking. 40 Spuren des Virus fand man dort am Wochenende, darunter auch auf einem Schneidebrett, das zum Filetieren importierten Lachses verwendet wurde. Wenige Stunden später hatten die großen Supermarktketten sämtliche Lachsprodukte aus ihrem Sortiment genommen.

Zudem machte die Nachricht die Runde, es handle sich bei dem neu aufgetretenen Virus um eine Mutation. Zeng Guang, Epidemiologe des Gesundheitsamtes, berichtete nach Angaben der “Global Times” vom Sonntag: Das neu entdeckte Virus sei nach einer vorläufigen Sequenzierung des Genstamms anders als der Typ, der das Land vorher heimgesucht hat.

Aber was ist eigentlich eine Virusmutation? Eine kompakte, verständliche Erklärung liefert die Hermann-von-Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e. V. in ihrem Corona-Glossar: “Mutationen sind Veränderungen im Erbgut, die ständig bei jedem Lebewesen und bei jeder Zellteilung ablaufen. Auch Viren können mutieren. In einer neuen Umgebung kann sich das Virus oft nicht sehr gut vermehren und ausbreiten. Vorteilhafte Mutationen können jedoch die Ausbreitung beschleunigen.”

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Coronavirus-Ausbruch auf Markt in Peking
1:00 min
45 von bislang über 500 untersuchten Personen, die einen der Märkte besucht hätten, seien positiv getestet worden, teilten die Behörden am Samstag mit.  © Daniel Killy/Reuters

Virusmutationen sind normal

Virusmutationen sind also normal, sie treten bei praktisch jedem Virus auf. Ein bekanntes Beispiel sind die sogenannten Grippeviren. Teile ihres Genoms verändern sich fortwährend – sogar saisonal, weshalb auch Grippeimpfstoffe häufig angepasst werden müssen. Auch neue Viren mutieren – im Falle von Sars-CoV-2 traten diese genetischen Veränderungen bereits seit den ersten Infektionen auf. Die bisher entdeckten Mutationen deuten laut einem Bericht in Infection, Genetics and Evolution (2020; DOI: 10.1016/j.meegid.2020.104351) auf eine rasche Anpassung an den neuen Wirt hin.

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Das allerdings kann unter Umständen auch eine gute Botschaft sein, wie der Berliner Virologe Christian Drosten in seinem NDR-Podcast anhand einer Studie aus England erläutert. Mutationen sind demnach nichts anderes als Weiterentwicklungen – Anpassungen an den neuen Wirt, eben den Menschen, so “dass das Virus eine bessere Aussicht auf eine Optimierung auf den Menschen hat auf lange Sicht”, wie es Drosten formuliert.

Mutation als positive Entwicklung?

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Bessere Anpassung an den Menschen als Chance? Eine Mutation als positive Entwicklung? Für Drosten unter Umständen ja. Denn durch eine solche Anpassung könne sich das Coronavirus “noch besser in der Nase replizieren und auch besser übertragen werden. Aber in der Nase werden wir nicht allzu krank davon. Das heißt, das Ganze wird auf lange Sicht zu einem Schnupfen, der sich für die Lunge gar nicht mehr interessiert. So etwas könnte passieren.” Dann würden die Virusepidemien mit der Zeit harmloser.

Es gibt aber auch ein anderes Szenario: “Im anderen Fall, wenn das Virus in seiner Evolution das allgemeine Replikationsniveau steigert, dann haut das überall so richtig rein – in der Nase, aber auch in der Lunge. Und wir fühlen uns dann schneller krank oder viel mehr von uns fühlen sich krank. Und unter dem Wissen, dass hier eine gefährliche Infektionskrankheit umgeht, werden wir dann ja auch eher zu Hause bleiben und weniger Patienten in der nächsten Generation infizieren. Und das wäre für das Virus ein Nachteil.”

Drosten führt weiter aus, zwar könne sich das Virus auch weiterhin in den Schleimhäuten der Lunge festsetzen, doch dadurch fühle sich der individuell betroffene Patient dann wesentlich kränker als mit einem gewöhnlichen Schnupfen – bleibe folglich zu Hause und vermeide dadurch eine weitere Übertragung. So könne sich das Virus nicht mehr so gut verbreiten.

“Also, wie wir es drehen und wenden: Das wird in jedem Fall harmloser werden, schon alleine durch die Bevölkerungsimmunität. Aber vielleicht spielt eben auch die Evolution noch eine Rolle dabei”, sagte Drosten.

Keine Garantien

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Allerdings sagt Drosten auch, dass die Gefahr einer Virusmutation nie gebannt sei – besonders nicht bei nahendem Winter, wenn es durch Hitze und starke Sonneneinstrahlung nicht mehr behindert werde. “Es kann sicherlich optimiert werden durch die Evolution – das macht mir schon ein bisschen Angst. Und wie das dann aussieht, ob es tödlicher wird – wir wissen es nicht. Ich will auch nicht den Teufel an die Wand malen, aber man vermutet ja, dass so etwas auch bei der Spanischen Grippe 1918 passiert ist: dass das Virus gen Winter mutierte.”

Die sogenannte Spanische Grippe forderte zwischen 1918 und 1920 in drei Wellen rund 50 Millionen und damit weit mehr Opfer als der Erste Weltkrieg (17 Millionen). Das Influenza-A-Virus H1N1, das die Spanische Grippe auslöste, tauchte unter anderem in einer Mutation in Nordamerika 2009/2010 wieder auf und verursachte die als “Schweinegrippe” bekannte Pandemie.

Virusmutationen – und hier ganz speziell diejenigen des Sars-CoV-2 – sind, wie alle dynamischen wissenschaftlichen Entwicklungen, also eine Frage des Sowohl-als-auch. Eine 100-prozentige Antwort auf deren Gefährlichkeit gibt es nicht, nur Erfahrungswerte, die hochgerechnet werden. In einer früheren Ausgabe seines Podcast machte Drosten allerdings in einem Punkt Mut: Die Mutationen von Sars-CoV-2 wären wohl nicht so stark, als dass sie die Entwicklung eines Impfstoffes gefährdeten. “Ich bin mir ziemlich sicher, dass in diesem Fall hier ein Impfstoff, den wir heute machen, auch in anderthalb Jahren noch der richtige Impfstoff ist. Ich glaube nicht, dass das Virus sich in dieser Zeit hinsichtlich von Eigenschaften, die seine Impfempfindlichkeit angehen, wirklich ändern wird. Das müssen wir hier nicht erwarten.”

Markt geschlossen, Amtsträger entlassen

In China jedenfalls nimmt man die jüngsten Ereignisse sehr ernst. Wie die nationale Gesundheitsbehörde am Montag mitteilte, registrierte sie 49 neue Infektionen, darunter 10 “importierte” Fälle mit Sars-CoV-2 bei Reisenden und 39 lokale Ansteckungen. Am Samstag waren 36 neue Corona-Fälle gemeldet worden. Nach Angaben von Chinas nationaler Gesundheitskommission seien am Freitag sechs und am Donnerstag eine Neuinfektion registriert worden – nachdem Peking offiziellen Verlautbarungen zufolge in 50 Tagen zuvor frei von Neuansteckungen geblieben war. Der Manager des Xinfadi-Markts, der nach Angaben des staatlichen TV-Senders CGTN der größte Lebensmittelmarkt Asiens ist, wurde, genau wie andere lokale Amtsträger, entlassen.

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Nach Angaben der BBC wurde der gesamte Markt einem Lockdown unterzogen. Am Montag wurden zehn weitere Gebiete in Peking mit strengen Einschränkungen belegt. Insgesamt sind 21 Stadtteile in der Nähe des Marktes von den neuen Restriktionen betroffen. Schulen und Kitas mussten wieder schließen, und die Wiedereröffnung der Grundschulen, die für den heutigen Montag vorgesehen war, wurde verschoben.

RND

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