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Nach 40 Tagen freiwilliger Isolation für die Wissenschaft: Teilnehmer verlassen Höhle in Pyrenäen

  • Ohne Kontakt zur Außenwelt haben sich 15 Freiwillige für 40 Tage in einer dunklen Höhle verkrochen.
  • Ziel war es, die Anpassungsmöglichkeit des Menschen ohne Raum-Zeit-Bezug zu untersuchen.
  • Am Samstag kamen die Forschungsteilnehmer wieder wohlauf ans Tageslicht - viele wären gerne noch in der Höhle geblieben.
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Lombrives. 15 Menschen sind nach 40 Tagen der freiwilligen Isolation wieder aus einer Höhle in Frankreich gekommen. Mit breitem Lächeln in ihren blassen Gesichtern verließen die sieben Frauen und acht Männer am Samstag die Höhle von Lombrives in den Pyrenäen. Die Frauen und Männer im Alter von 25 bis 50 Jahren hatten sich Mitte März in die Höhle begeben. Bei der Aktion handelte es sich um ein wissenschaftliches Experiment. Dabei wurde die Anpassungsmöglichkeit des Menschen untersucht, wenn er jeglichen Raum-Zeit-Bezug verliert.

Nach 40 Tagen in einer Höhle in den französischen Pyrenäen sind 15 Freiwillige wieder ans Tageslicht zurückgekehrt. Bei der Aktion handelte es sich um ein wissenschaftliches Experiment. Dabei wurde die Anpassungsmöglichkeit des Menschen untersucht, wenn er jeglichen Raum-Zeit-Bezug verliert. © Quelle: Renata Brito/AP/dpa

Auslöser für dieses Forschungsprojekt sei die Erfahrung des Corona-Lockdowns gewesen, hatte Christian Clot, der Leiter der Mission und Gründer des Human Adaptation Institute, im März gesagt.

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Eine „Pause“ ohne Druck

Erste Eindrücke: die Zeit erschien ihnen in dieser Isolation viel langsamer zu vergehen und sie kamen mehr zur Ruhe. „Es war, wie wenn man auf Pause drückt“, sagte die 33-jährige Marina Lançon, nachdem sie die Höhle verlassen hatte. Sie habe sich nicht mehr unter Druck gesetzt gefühlt, irgendetwas zu erledigen. Sie wäre zwar gerne noch ein paar Tage länger in der Höhle geblieben, sagte Lançon, aber es fühle sich auch gut an, den Wind im Gesicht zu spüren und die Vögel singen zu hören. Sie und ihre Kollegen genossen das Sonnenlicht mit Spezialbrillen, die ihre Augen nach der wochenlangen Dunkelheit schützen sollten.

Kein Gefühl mehr für Zeit

Wissenschaftler am Human Adaption Institute führen das Projekt unter dem Namen „Deep Time“, das klären helfen soll, wie Menschen sich drastischen Veränderungen ihrer Lebensbedingungen und ihrer Umwelt anpassen. Die Temperatur in der Höhle betrug zehn Grad Celsius und die relative Luftfeuchtigkeit 100 Prozent. Die Teilnehmenden hatten keinen Kontakt zur Außenwelt, erfuhren nichts über die Lage in der Pandemie oder sonst irgendwelchen Nachrichten.

Wie erwartet verloren die Teilnehmer dabei ihr Zeitgefühl. Die meisten seien der Meinung gewesen, sie seien 30 Tage lang in der Höhle gewesen, sagte Projektleiter Christian Clot. Einer der Teilnehmer dachte sogar, es seien nur 23 Tage gewesen.

Schlafrhythmus, Verhalten und Co. gemessen

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In Zusammenarbeit mit Laboren in Frankreich und der Schweiz untersuchten die Wissenschaftler über Sensoren den Schlafrhythmus der Teilnehmer, ihr Verhalten und die Interaktionen zwischen ihnen. Unter anderem schluckten die Teilnehmer einen dieser Sensoren, der ihre Körpertemperatur und andere Daten an Computer sendete, bis er wieder auf natürlichem Wege ausgeschieden wurde.

Sie folgten ihrer eigenen biologischen Uhr, um zu wissen, wann es Zeit war, aufzuwachen, zu schlafen und zu essen. Die Tage zählten sie in Schlafzyklen.

Zwei Drittel wären gerne länger geblieben

Am Freitag hatten Wissenschaftler die Höhle bereits betreten, um der Gruppe mitzuteilen, dass sie bald herauskommen werde. Einige hätten müde ausgesehen, doch zwei Drittel von ihnen hätten den Wunsch geäußert, noch etwas länger zu bleiben, um Gruppenprojekte für die Erforschung der Höhle fertig zu stellen, sagte Benoit Mauvieux, einer der beteiligten Forscher.

RND/AP/dpa

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