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Multiresistente Keime: Gefährliches Gen breitet sich schnell aus

Antibiotikaresistenzen sind ein große Gefahr. Auch weil, sie sich schnell und weit verbreiten. Eine neue Studie zeigt: Ein Antibiotikaresistenzgen aus Indien hat es in kurzer Zeit bis in die Arktis geschafft.

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Newcastle. NDM-1 ist ein Problem. Das Protein ist mitverantwortlich für eine der größten Gesundheitskrisen der Welt. Denn NDM-1 macht Bakterien resistent gegen Antibiotika, die eigentlich als Reserve eingesetzt werden. Schon heute sterben in der EU mehr als 33.000 Menschen pro Jahr wegen Antibiotikaresistenzen. Bald, so die Befürchtung, könnte gegen multiresistente Bakterien kein Mittel mehr helfen.

Damit Bakterien NDM-1 bilden können, brauchen sie das passende Gen. Es heißt blaNDM-1 und ist ein sogenanntes Resistenzgen. Bakterien, die es tragen, wurden erstmals in Indien entdeckt – 2008 im medizinischen Umfeld, zwei Jahre später dann sogar in Oberflächengewässern in Neu-Delhi. Inzwischen ist das Gen auf der ganzen Welt zu finden – sogar an Orten, an denen es viele nicht vermuten würden.

Das Resistenzgen hat es in wenigen Jahren von Indien in die Arktis geschafft

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Die Arktis gilt als unberührt, als ursprünglich. Doch wie Wissenschaftler im Fachmagazin „Environment International“ jetzt berichten: Auch im Arktis-Boden gibt es sich viele Gene für Antibiotikaresistenz. Insgesamt fanden die Forscher 131 Resistenzgene – darunter auch blaNDM-1.

„Wir wissen seit vielen Jahren, dass es antibiotikaresistente Bakterien in der Arktis gibt“, erklärt David Graham von der University of Newcastle dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Das sei nicht neu. Überraschend dagegen ist, wie schnell das Resistenzgen blaNDM-1 seinen Weg in den arktischen Boden gefunden hat. Denn die Bodenproben, die der Studie zugrunde liegen, wurden im August 2013 auf dem Kongsfjord in Spitzbergen genommen. Das Gen blaNDM-1 hat es also weniger als drei Jahre, nachdem es im Wasser von Neu-Delhi entdeckt wurde, in die Tausende von Kilometer entfernte Arktis geschafft. Nur wie?

Antibiotikaresistenz: ein globales Problem

Innerhalb von Bakterien, die von Tieren oder Menschen getragen worden seien, sagt Graham. „Die Darmbakterien lagerten sich im Boden ab und die Bakterien und ihre Gene wurden Teil des Metagenoms des Bodens, das wir gemessen haben.“ Die Wissenschaftler untersuchten demnach, welche mit Bakterien assoziierte DNA sie in den Bodenproben finden konnten. Von welchen Bakterien die Gene jeweils kamen, kann die Studie dagegen nicht sagen. Auch nicht, ob das Bakterium, das es trug, tatsächlich stark Antibiotika resistent wurde oder ob das Gen einfach nur still und ungenutzt dalag.

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Was man dagegen sagen kann: Ein aus Südasien stammendes antibiotikaresistentes Gen ist sicherlich nicht „heimisch“ in der Arktis. Der Eingriff zeigt vielmehr, wie schnell und weitreichend diese Resistenzgene sich verbreiten. Deshalb, sagt Graham, „muss die Lösung für Antibiotikaresistenz global und nicht nur lokal betrachtet werden.“

Von RND/asu