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„Müllproduktionsmaschine“? Kritik an McDonald’s-Fahrplan zur Nachhaltigkeit

McDonald’s, Burger King und Co. müssen bei ihren Verpackungen nachhaltiger werden. Grund ist die neue Plastikrichtlinie, die ab 2021 in der EU gilt. Doch wie kann Systemgastronomie mit weniger Müll und ohne Plastik überhaupt funktionieren?

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Hannover. Insgesamt 1000 Tonnen Plastik will der Fast-Food-Konzern McDonald’s künftig mit nachhaltigeren Verpackungen pro Jahr in Deutschland einsparen. Noch in diesem Jahr werden dafür die Plastikhalter der Gratisluftballons abgeschafft.

2020 folgt die Umstellung der Verpackungen bei den Desserts: McFlurry kommt dann ohne Plastiklöffel und -deckel aus, und auch die Shakes werden in nachhaltigeren Alternativen serviert. „Bis 2025 sollen all unsere Verpackungsmaterialien nur noch aus erneuerbaren, recycelten oder zertifizierten Quellen stammen“, sagt Holger Beeck, Vorstandsvorsitzender von McDonald’s Deutschland.

Dieser Entscheidung vorausgegangen war ein Experiment im Better M Store in Berlin. Dort hatte der Fast-Food-Gigant versucht, zehn Tage lang weitestgehend ohne Plastik auszukommen. Burger wurden statt in Schachteln in Graspapier eingewickelt, Ketchup wurde in Waffeln serviert, und Plastikstrohhalme ersetzte man durch Alternativen aus Papier.

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McDonald’s sucht in Tests mit Verbrauchern nach Alternativen zu Kunststoff, etwa Glas, Waffeln und Pappe.

Die Kunden konnten die Verpackungen testen und bewerten. Das Ergebnis: Während die vorgestellte Becherlösung für Mixgetränke bei der Kundschaft gut angekommen ist, müssen Papierstrohhalm und Holzlöffel vor ihrem geplanten Einsatz im kommenden Jahr erst noch verbessert werden.

McDonald’s ist nicht das einzige Fast-Food-Unternehmen, das grüner werden möchte – oder muss. Das EU-Parlament hat im Frühjahr einem Maßnahmenpaket zugestimmt, das das Verbot von Produkten aus Einwegplastik vorsieht. Untersagt werden Plastikteller und -besteck sowie Strohhalme, Wattestäbchen und Luftballonstäbe.

Durch diese neue Richtlinie ist die Systemgastronomie nun dazu gezwungen, an dem zu rütteln, was jahrelang fester Bestandteil ihres Konzepts gewesen ist: schnelles Essen in Wegwerfverpackungen. Während McDonald’s bereits einen Fahrplan für die kommenden Jahre vorgestellt hat, ist bei anderen Unternehmen in der Branche noch unklar, wie die Umstellung aussehen wird.

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Recyclingpapier und Mehrwegtransportboxen

Von der Sandwich-Kette Subway heißt es auf Anfrage lediglich: „Als wirtschaftlich handelndes, globales Unternehmen sind wir uns unserer sozialen Verantwortung bewusst. Wir arbeiten eng mit unseren Franchisenehmern zusammen, um unsere Restaurants so umwelt- und sozialverträglich wie möglich zu gestalten.“

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Ständig werde versucht, die Produktion von Müll und explizit von Einwegplastik zu reduzieren. Wie genau das passiert, erklärt das Unternehmen nicht.

Burger King arbeitet „aktiv an nachhaltigen Verpackungsstrategien und anderen Lösungen“, heißt es ziemlich allgemein. In den Restaurants der Kette werden unter anderem Servietten und Tüten eingesetzt, die zu 100 Prozent aus Recyclingpapier bestehen. Außerdem würden Salat, Tomaten und Brötchen ausschließlich in Mehrwegtransportboxen angeliefert.

Verpackungen aus Algen

Nordsee arbeitet gemeinsam mit der Hochschule Bremerhaven an Verpackungen aus Algen. Für das Frühjahr 2020 sind Tests in einigen Filialen geplant, wie die Hochschule ankündigte. Der indonesische Hersteller Evowarf bietet solche Verpackungen bereits an – sie halten zwei Jahre, sind hitzebeständig und bedruckbar. Kentucky Fried Chicken antwortet auf die Frage, wie es künftig nachhaltiger werden wolle, nicht.

Der Naturschutzbund (Nabu) steht den Versuchen der Ketten, nachhaltiger zu werden, kritisch gegenüber. „Die Ankündigung von McDonald’s ist ein schönes Beispiel dafür, wie die neue EU-Richtlinie zu kurz greift“, sagt Katharina Istel, Referentin für Ressourcenpolitik beim Nabu.

Der Grund: Die Fast-Food-Kette stelle einfach nur von Einwegkunststoff auf Einwegpapier um. „Das macht es nicht besser, auch Papierverschwendung ist Ressourcenverschwendung.“ Die Herstellung von Papier sei alles andere als umweltfreundlich – neben Holz würden viel Energie und Wasser benötigt. „Solange das Geschäftsmodell von McDonald’s weiterhin eindeutig nur auf Einweg setzt, bleibt das Unternehmen weiterhin eine Ressourcenverschwendende Müllproduktionsmaschine.“

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Der indonesische Hersteller Evowarf bietet Verpackungen aus Algen an – sie halten zwei Jahre, sollen hitzebeständig und bedruckbar sein.

Die gesamte Branche müsste sich grundlegend wandeln, meint Istel: „Es müsste Geld in die Hand genommen werden, um ein innovatives und unternehmensübergreifendes Mehrwegpfandsystem zu entwickeln.“ Auch sollte es zur Pflicht werden, Getränke und Speisen in Mehrweg auszugeben, wenn Kunden vor Ort konsumieren. „Es ist ein Skandal, dass sogar in Einweg verkauft wird, wenn es gar nicht to go ist.“

Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe sieht das ähnlich. „Warum sollen Kunden mit Pappbechern an den Tischen sitzen?“, fragt er. Gerade beim In-House-Konsum könnten Mehrwegbecher gut eingesetzt werden. Die Möbelhauskette Ikea mache es in ihren Schnellrestaurants vor. „Dort gibt es auch Stationen, wo die Verbraucher ihre Getränke mit einem Mehrwegglas zapfen können.“

Pilotprojekte wie der Better M Store von McDonald’s würden zwar öffentlichkeitswirksam in Szene gesetzt, „aus reiner Liebe zur Umwelt verändert der amerikanische Branchenriese seine Geschäftsprozesse aber nicht“. Auslöser sei einzig und allein die neue EU-Plastikrichtlinie.

Müllberge wachsen weiter

Laut der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM) tragen Einweggeschirr und To-go-Verpackungen erheblich zum Abfallaufkommen in Deutschland bei. Knapp 350 000 Tonnen seien dadurch 2017 angefallen – seit 1994 eine Steigerung um 44 Prozent. Die Gründe seien laut GVM sozialer, kultureller und technischer Natur: Es hätten sich nicht nur die Konsumgewohnheiten stark geändert.

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Auch werde heute aus Kostengründen dort Einweg genutzt, wo früher Mehrweg Standard gewesen ist. Der größte Anteil an Wegwerfverpackungen stammt aus der Systemgastronomie und Imbissen. Beide Bereiche sind für jeweils ein Drittel der Gesamtmenge verantwortlich. Aus Privathaushalten stammen gerade einmal 19 Prozent.

Von Pauline Rabe/RND

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