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Wissenschaftliche Sensation

Ohne Samen- oder Eizelle: Forscher entwickeln synthetische Mausembryos

Forscher haben künstliche Maus-Embryos entwickelt (Symbolbild).

Forscher haben künstliche Maus-Embryos entwickelt (Symbolbild).

New York. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben mit Hilfe von Stammzellen künstlich das Embryo einer Maus hergestellt. Das im Labor geschaffene Embryo entspreche einem natürlichen Embryo achteinhalb Tage nach der Befruchtung, schrieben die Stammzellbiologin Magdalena Zernicka-Goetz und ihre Kollegen in einer am Donnerstag im Magazin „Nature“ veröffentlichten Studie. Es habe die gleichen körperlichen Strukturen, unter anderem ein schlagendes Herz.

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Für ein aus Stammzellen hergestelltes Embryo, ein sogenanntes Embryoid, werden keine Samen- oder Eizellen verwendet. Das Team um Zernicka-Goetz kombinierte den Angaben zufolge embryonale Stammzellen von Mäusen mit anderen Stammzellen, ebenfalls von Mäusen. Die synthetischen Embryos seien zwar nicht perfekt, aber die besten unter ihnen seien von natürlichen Mausembryonen nicht zu unterscheiden, sagte Zernicka-Goetz.

Sie hätten auch so etwas wie einen Kopf entwickelt. „Das ist das erste Modell, das es einem erlaubt, die Gehirnentwicklung im Zusammenhang mit der Entwicklung des gesamten Mausembryos zu untersuchen“, sagte sie. Einer ihrer Mitautoren, Jacob Hanna vom Weizmann-Institut in Israel, hatte selbst gleichartige Studien angestellt und vor kurzem im Journal „Cell“ veröffentlicht.

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Erforschung der Embryonalentwicklung

Zernicka-Goetz sagte, mit Hilfe synthetischer Embryonen könnten frühe Phasen der Embryonalentwicklung untersucht werden. So hoffe sie auf Erkenntnisse darüber, wieso beim Menschen die meisten Embryonen in einem frühen Schwangerschaftstadium abgestoßen werden und weshalb Schwangerschaften nach einer In-Vitro-Befruchung in bis zu 70 Prozent der Fälle ebenfalls mit einer Fehlgeburt enden. Die Untersuchung natürlicher Embryonen sei sehr schwierig, unter anderem weil der Wissenschaft nur wenige durch Befruchtung entstandene Embryonen zur Verfügung gestellt würden. Embryoiden aus Stammzellen könnten eine Alternative sein.

Der Biotechnologe Lluís Montoliu, der nicht an der Studie beteiligt war, sprach von einer technologischen Revolution. Sie sei noch sehr ineffizient, habe aber großes Potenzial. „Das erinnert an solch spektakuläre wissenschaftliche Fortschritte wie die Geburt des (Klon-)Schafs Dolly“, sagte Montoliu.

Das nächste Ziel der Forscher ist es, die synthetischen Mausembryonen dazu zu bringen, sich noch länger als achteinhalb Tage zu entwickeln - letztlich bis zur Geburt nach 20 Tagen. Allerdings gingen er und seine Kollegen davon aus, dass ein Mausembryoid ohne Plazenta nach elf Tagen abstirbt, sagte Ko-Autor Gianluca Amadei. Man hoffe, eines Tages eine künstliche Plazenta schaffen zu können.

RND/AP

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