Masern: Zahl der Neuerkrankungen in Europa verdoppelt

  • In Europa hat die Zahl der Masernerkrankungen massiv zugenommen.
  • Laut Weltgesundheitsorganisation sind dieses Jahr bereits 90.000 Fälle gezählt.
  • Angesichts der Ausbreitung betont die WHO die Dringlichkeit einer hohen Impfrate.
Anzeige
Anzeige

Genf. Die Zahl der Masernerkrankungen in Europa hat in diesem Jahr deutlich zugenommen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählte in den ersten sechs Monaten bereits rund 90.000 Fälle. Damit habe sich die Zahl der Erkrankungen gegenüber dem Vergleichszeitraum 2018 verdoppelt, teilte die WHO am Donnerstag in Genf mit. Außerdem hätten vier Länder - Albanien, Tschechien, Griechenland und Großbritannien - ihren Status als masernfrei verloren.

Insgesamt zählen 53 Länder zu dem von der WHO auf die Verbreitung von Masern und Röteln untersuchten Gebiet. Davon sei es in 48 Ländern zu Masernfällen gekommen. Besonders betroffen seien die Ukraine, Kasachstan, Georgien und Russland gewesen. Dort seien 78 Prozent aller Masernfälle des ersten Halbjahrs aufgetreten. In Deutschland kämen Masern noch regional begrenzt vor.

Lesen Sie hier: Impfpflicht beschlossen: Was sind Masern, wie werden sie übertragen und warum ist die Impfung so wichtig?

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

WHO: Rückkehr der Masern besorgniserregend

Eine solche Entwicklung habe es seit Beginn der genauen Überwachung 2012 nicht gegeben. „Die Rückkehr der Masern ist besorgniserregend“, sagte der WHO-Experte Günter Pfaff. Ohne eine verbreitet hohe Impfrate würden Kinder wie Erwachsene unnötig leiden und auch tragischerweise sterben. Seit Januar 2018 seien rund 100 Menschen in Europa der hochansteckenden Infektionskrankheit erlegen. Die Entwicklung zeige die Notwendigkeit einer Impfrate von 95 Prozent in der Bevölkerung, hieß es. Bei Röteln sei die Lage besser. Hier gelten laut WHO 39 Länder als frei von der Infektionskrankheit, damit zwei mehr als 2017.

Lesen Sie auch: EU und WHO werben gemeinsam für Masern-Impfung

Jede Gelegenheit zum Impfen nutzen

Anzeige

Jahrelange Anstrengungen hätten die Masern fast ausgerottet. „Aber die Ausbrüche zeigen, dass noch mehr Mühe nötig ist“, sagte die WHO-Regionaldirektorin für Europa, Zsuzsanna Jakab. Jetzt sei es Zeit, alles anzusprechen, was dazu geführt habe, dass sich das mitunter tödliche Virus weiter hartnäckig halten könne. Es sollte jede Gelegenheit genutzt werden, Kindern die Routine-Impfung zu geben, Erwachsene über ihren Impfstatus aufzuklären und gegebenenfalls zu impfen.

In Deutschland gab es nach Angaben des Robert Koch-Instituts bis Ende Juli dieses Jahres mehr als 450 Masernfälle. 2018 waren es etwa 540 Fälle, 2017 knapp 930. Bei Masernausbrüchen gibt es jährlich und regional teils große Schwankungen der Fallzahlen.

Anzeige

Lesen Sie hier: Tuberkulose, Krätze, Masern: Kehren die gefährlichen Krankheiten zurück?

RND/dpa