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Küchenschaben: Fünf Gründe, warum man sie nicht unterschätzen sollte

  • Küchenschaben sind ungebetene Gäste in unseren Speisekammern.
  • Ein Kölner Forscher hat sie untersucht und erklärt, warum das Krabbeltier zumindest Respekt verdient hat.
  • Die Tiere gelten als sehr robust.
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Köln. Eine Küchenschabe in Größe eines Schäferhundes wäre eine verdammt einschüchternde Vorstellung. So sieht das auch der Wissenschaftler Tom Weihmann von der Uni Köln. Er muss es wissen - der Biologe und Biomechaniker hat die Tiere, die als Schädlinge auch in deutschen Vorratskammern vorkommen, eingehend untersucht. Es folgt: ein etwas anderes Interview und fünf Gründe, warum Schaben unseren Respekt verdienen.

Der Superheld unter den Insekten

"Ich habe viel mit der amerikanischen Küchenschabe gearbeitet, die auch in Deutschland vorkommt. Und man muss anerkennen: Ihre Fähigkeiten erinnern schon an die der Comic-Superhelden. Sie können einfach alles. Sie rennen, sie springen, sie fressen praktisch alles und sie sind clever. Eine Schabe mit der Größe eines Schäferhundes wäre schon eine bedrohliche Vorstellung."

"Küchenschaben können auch glatte, senkrechte Flächen erklimmen. Dafür haben sie neben den üblichen Krallen spezielle Haftorgane an ihren Füßen. Es gibt auch Untersuchungen, die zeigen, wie schmal sie sich machen können. Wenn sie stehen, sind sie ungefähr einen Zentimeter hoch. Wenn sie aber durch einen Spalt wollen, dann können sie sich auf ein Viertel dieser Höhe zusammenpressen. Das einzige, was sie nicht verkleinern können, ist ihre Kopfkapsel. Alles andere kann zusammengedrückt werden."

Schaben sind schnell unterwegs

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"Schaben sind sehr schnelle Läufer, sie gehören zu den schnellsten Gliedertieren der Welt. Wenn man die Geschwindigkeit in Körperlängen pro Sekunde misst, sind sie sogar schneller als jedes Wirbeltier inklusive des Geparden. Sie erholen sich auch sehr schnell, so dass sie in kurzer Folge mehrere Sprints einlegen können."

"Glatte Böden wie in unseren Küchen und Kellern sind für Küchenschaben natürlich nicht vergleichbar mit den Untergründen auf denen sie sich in ihren natürlichen Lebensräumen bewegen. Dort gibt es viel mehr Unebenheiten und Hindernisse. Sie können sich aber auch dort ausgesprochen schnell bewegen, weil es ihr motorischer Apparat schafft, Unebenheiten auszugleichen und mit Störungen wie Stolpern oder Ausrutschen umzugehen. Diese Fähigkeiten sind hochinteressant für die Entwicklung von Robotern, die das ja auch können sollen. Schaben sind ein klassisches Vorbild für Robotik."

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Robuste Tiere

"Wenn man Küchenschaben auf Kühlschranktemperatur kühlt, können sie sich als wechselwarmes Tier nicht mehr bewegen. Nach zehn Minuten Aufwärmzeit bewegen sie sich aber wieder wie vorher. Die Tiere wiegen ungefähr ein Gramm, man kann ihre Körper aber mit einem Gewicht von mehreren Hundert Gramm belasten ohne sie damit zu verletzen. Sie sind wirklich in allen denkbaren Bereichen sehr robust. Das Einzige, gegen das sie nicht robust sind, ist Trockenheit. Sie verdursten recht schnell. Wenn man ein modernes Gebäude ohne feuchte Stellen hat, dann überleben sie höchstens ein paar Tage."

Zur Person: Tom Weihmann ist Biologe und Biomechaniker an der Uni Köln. Er arbeitet experimentell vorrangig mit Spinnen, Ameisen und Schaben.

RND/dpa

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