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Kreiselndes Schwarzes Loch schießt wirbelnden Plasmastrahl ins All

Schwarze Löcher verschlingen sämtliche Materie, die ihnen zu nahe kommt – zumindest fast. Einen kleinen Teil speien sie in Form eines gebündelten Jets wieder aus. Wissenschaftler haben nun ein Schwarzes Loch entdeckt, dessen Plasmastrahl seine Richtung ändert.

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London/Paris. Im Sternbild Schwan schießt ein Schwarzes Loch einen schnell wirbelnden Plasmastrahl ins All. Dieser sogenannte Jet ändert seine Richtung in weniger als einer Stunde, wie Astronomen um James Miller-Jones von der australischen Curtin-Universität im britischen Fachblatt "Nature" berichten. Jets sind bei vielen Schwarzen Löchern beobachtet worden, sie zeigen normalerweise jedoch stets in dieselbe Richtung.

Die Wissenschaftler hatten das Schwarze Loch mit Katalognummer V404 Cygni in verschiedenen Wellenlängenbereichen mit Teleskopen ins Visier genommen. Es ist ungefähr 8000 Lichtjahre entfernt und Teil eines Doppelsystems: Das Schwarze Loch saugt dabei von einem Begleitstern Materie ab, die sich auf einer zehn Millionen Kilometer breiten Akkretionsscheibe sammelt, bevor sie in die Schwerkraftfalle strudelt.

Schwarzes Loch schießt Materie ins All

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Vor vier Jahren registrierten Instrumente einen großen Ausbruch aus der Umgebung des Schwarzen Lochs, als es sich gerade besonders viel Materie einverleibt hatte. Die Materie wird extrem heiß und leuchtet hell auf, bevor sie ins Schwarze Loch stürzt. Einen kleinen Teil der Materie schießt das Schwarze Loch jedoch in einem scharf gebündelten Jet nach oben und unten wieder ins All, bevor sie die Grenze zur Region ohne Rückkehr überschreiten kann. Die Beobachtungen zeigten, dass dieser Plasma-Jet überraschenderweise in weniger als einer Stunde seine Richtung änderte.

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Mit dem Röntgensatelliten „Integral“ der europäischen Raumfahrtagentur Esa und anderen Weltraumteleskopen konnten die Forscher bis zum inneren Rand der Akkretionsscheibe vordringen und die Dynamik des Schwarzen Lochs und der rotierenden Scheibe erkunden. „Wir glauben, dass die Materiescheibe und das Schwarze Loch unterschiedlich ausgerichtet sind“, erläuterte Miller-Jones in einer Esa-Mitteilung die Beobachtungen. „Das scheint den inneren Bereich der Scheibe taumeln zu lassen wie einen langsamer werdenden Kreisel.“

Schwarzes Loch taumelt – wegen Supernova-Explosion?

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Ähnlich der Achse eines taumelnden Kreisels schwankt auch die Achse des Schwarzen Lochs durch den Raum, so dass dabei auch der Jet seine Richtung ändert. Als mögliche Ursache für die verkippte Ausrichtung des Schwarzen Lochs sehen die Forscher die Supernova-Explosion, in der das Schwarze Loch einst entstanden ist. Sie könnte dem Schwarzen Loch einen Stoß versetzt haben, der es nun taumeln lässt.

Die Astronomen erwarten, dieses Phänomen auch bei anderen Schwarzen Löchern im All zu finden. Tatsächlich war nach Esa-Angaben bei einem weiteren Schwarzen Loch bereits ein rotierender Jet beobachtet worden, der jedoch für einen Umlauf sechs Monate benötige.

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Von RND/dpa