Krankschreibung: Was ist (nicht) erlaubt?

  • Aus Angst den Job zu riskieren, bleiben viele Arbeitnehmer bei einer Krankschreibung brav zuhause.
  • Dabei bedeutet nicht jede Erkrankung, dass man ans Bett gefesselt ist.
  • Wir verraten, wann und welche Aktivitäten trotz Attest erlaubt sind.
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Köln. Wer krank ist, muss das Bett hüten – das wird uns schon von klein auf gesagt. Vielleicht sind deshalb so viele Arbeitnehmer verunsichert, wenn es um Krankschreibungen geht: Darf man Sport treiben und einkaufen gehen? Und ist es wirklich tabu, krankgeschrieben zu verreisen? Rechtsanwältin für Arbeitsrecht Dr. Nathalie Oberthür der Kanzlei RPO in Köln klärt auf.

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Wann muss man sich krankmelden?

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"Arbeitnehmer haben eine Meldepflicht und müssen direkt am ersten Tag der Erkrankung ihren Chef informieren", sagt Oberthür. Wichtig: Das muss vor Arbeitsbeginn passieren, sonst droht eine Abmahnung – und bei wiederholter Pflichtverletzung sogar eine Kündigung. Gleichzeitig müssen Beschäftigte mitteilen, wie lange sie voraussichtlich ausfallen. Eine Krankschreibung ist dann notwendig, wenn die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Tage dauert.

Der Arbeitgeber darf aber auch schon – unabhängig von der Dauer der Erkrankung – ab dem ersten Tag ein Attest verlangen.

Was darf man grundsätzlich während einer Krankschreibung machen?

Darauf gibt es keine klare Antwort. "Es hängt von der Art der Krankheit ab: Krankgeschriebene dürfen alles tun, was ihre Genesung nicht beeinträchtigt", so die Expertin. Somit müssen Arbeitnehmer während einer Krankschreibung nicht zwangsmäßig zuhause und im Bett bleiben – es sei denn, es verhindert die Heilung der Krankheit. "Wer sich nicht sicher ist, welche Aktivitäten bei seiner Erkrankung erlaubt sind, sollte Rücksprache mit einem Arzt halten", betont Oberthür.

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Ist Sport trotz Krankschreibung erlaubt?

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Auch bei Sport kommt es auf die Art der Erkrankung an. Somit wäre bei einer Grippe grundsätzlich kein Training erlaubt. Jedoch gibt es auch Krankheiten, bei denen körperliche Aktivitäten zur Heilung beitragen: Beispielsweise bei vielen psychischen Erkrankungen.

Darf man während einer Krankschreibung verreisen?

Ob Urlaub am Meer oder Freunde besuchen: Krankgeschriebene Arbeitnehmer dürfen verreisen, wenn es die Art und Schwere der Erkrankung zulässt. In einem Gerichtsfall hat das hessische Landesarbeitsgericht 2012 die Kündigung eines Arbeitnehmers aufgehoben, der während seiner Krankschreibung zu seinen Eltern gefahren war. Die Gründe: Die Krankheit erforderte keine Bettruhe und er wollte sich schließlich bei seinen Eltern auskurieren. Anderes Beispiel: „Wenn man aufgrund einer psychischen Erkrankung arbeitsunfähig ist, darf man in den Urlaub fliegen, wenn das der Genesung dient“, so die Arbeitsrechtlerin.

Darf man bei einer Krankschreibung einkaufen gehen oder sein Kind in die Kita bringen?

Solche Aktivitäten sind erlaubt, wenn sie die Genesung nicht verhindern. Aber auch hier ist Vorsicht geraten: Wer bei hohem Fieber sein Kind in die Kita bringt, gefährdet womöglich die Heilung der Krankheit – und seinen Job. Wenn der Arbeitgeber davon Wind bekommt, kann er seinen Mitarbeiter abmahnen oder ihn im schlimmsten Fall rausschmeißen.

Dürfen Arbeitgeber bei Zweifeln an der Krankschreibung nachforschen?

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"Arbeitgeber dürfen erst dann weiter nachforschen, wenn sie ganz konkrete Anhaltspunkte für ihre Zweifel an der Arbeitsunfähigkeit haben", sagt Oberthür. Bloße Vermutungen reichen als Grund für eine Kontrolle nicht aus. Zudem muss der Arbeitgeber für rechtliche Maßnahmen erst einmal nachweisen können, dass Arbeitnehmer eine Pflichtverletzung begangen haben. Haben Arbeitgeber allerdings deutliche Hinweise auf das Blaumachen, dürfen sie sogar einen Detektiv auf den Betroffenen ansetzen.

Von RND/bk