Kontroverse Schönheit: Robinie ist Baum des Jahres 2020

  • Auch Bäume polarisieren - die Robinie ist ein gutes Beispiel dafür.
  • Denn Robinien können dem Klimawandel Paroli bieten, doch wo sie wachsen, bekommt manch andere Pflanze Probleme.
  • Gerade wegen dieser Kontroversen ist die Art nun zum Baum des Jahres gewählt worden.
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Berlin. Zarte Fliederblätter und duftend weiße Blüten: Die Robinie ist der Baum des Jahres 2020. Die Baumart sei ein schöner Farbtupfer in Deutschlands Parks, Gärten und Wäldern, teilte die Stiftung Baum des Jahres mit. Die nahezu unverwüstliche Robinie sei hier ursprünglich aber nicht heimisch und könne andere Pflanzen verdrängen. Deshalb erhitzt sie nach Angaben der Stiftung die Gemüter von Naturschützern, Städteplanern und Forstleuten. Dennoch könne der umstrittene Baum ein Hoffnungsträger im Klimawandel sein. Denn die Robinien gelten als sehr widerstandsfähig.

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Die Flatter-Ulme (Ulmus laevis) wurde 2019 zum Baum des Jahres gekürt. Spannend sei laut Stiftung Baum des Jahres ihr vielseitiges Potential, besonders in der Stadt. Denn im Gegensatz zu Berg- und Feld-Ulme ist die Flatter-Ulme sehr viel widerstandsfähiger und gegen Ulmenkrankheiten gewappnet. So macht ihr ein dauerhaft feuchter Boden und längere Überflutungsperioden nicht aus. Die Stiftung Baum des Jahres hebt hervor, dass die Flatter-Ulme bereits seit der letzten Eiszeit Teil des Ökosystems ist - und damit deutlich macht, dass sie die verschiedensten Klimabedingungen überleben kann.  @ Quelle: picture alliance / Bildagentur-o

Robinienholz für Möbel- und Schiffsbau

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Eine Robinie (Robinia pseudoacacia) kann bis zu 25 Meter hoch und mehr als 100 Jahre alt werden. Sie liebt viel Licht. Besonders auffällig sind die Bäume in ihrer Blütezeit zwischen Mai und Juni. Dann hängen duftende Schmetterlingsblüten traubenförmig an ihren Zweigen. Charakteristisch sind aber auch ihre rotbraunen Dornen. Das Holz der Robinie ist biegsam und wird im Möbel- und Schiffsbau verwendet. Für Gartenmöbel gilt das witterungsbeständige Robinienholz als gute Alternative zu Tropenhölzern.

Robinie in deutschen Wäldern eher selten

Zu Hause ist die Baumart ursprünglich in Nordamerika westlich des Mississippi. Ab dem 17. Jahrhundert machte der Baum Karriere und avancierte zu einem beliebten Hingucker in Europas Park- und Gartenanlagen. Die ersten Robinien in Deutschland wurden wohl 1670 im barocken Lustgarten des Berliners Stadtschlosses gepflanzt. In deutschen Wäldern kommt die Baumart bis heute eher selten vor. Ausnahmen sind Brandenburg und Sachsen-Anhalt mit ganzen Robinienforsten. Da die Baumart eine gute Abwehr gegen Salz und Luftschadstoffe hat, ist sie heute auch als Allee- und Straßenbaum im Kommen.

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Ohne Genehmigung darf Robinie nicht gepflanzt werden

Die Robinie gilt als Meisterin im Besiedeln karger Böden. "Das Geheimnis ihres Erfolges steckt unter der Erde", erläuterte die neue Deutsche Baumkönigin Charlotte Baumann am Donnerstag. Bakterien, die an der Wurzel lebten, fixierten Stickstoff aus der Luft. Dieser reichere sich dann im Boden an. Pflanzen, die es stickstoffarm mögen, gehen daher in der Nähe von Robinien ein.

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Robinien stehen deshalb auf der Liste der invasiven Baumarten. Sie dürfen nach Angaben der Stiftung nicht mehr ohne Genehmigung in freier Natur gepflanzt werden, damit sie nicht in die Nähe von Schutzgebieten mit stickstoffarmen Böden kommen.

Blätter und Rinde: Teils tödlich, teils eine Delikatesse

Die Blüten der Robinie sind nicht nur bei Bienen beliebt, sie lassen sich ähnlich wie Holunderblüten auch in Limonade oder Gelee verwandeln. Die Rinde, aber auch die reifen Samen und Blätter sind für Menschen allerdings giftig. Für Pferde kann Robinienrinde sogar tödlich sein. Die eiweißreichen Blätter sind für Rehe, Ziegen, Rinder und andere Wiederkäuer dagegen eine Delikatesse.

RND/dpa