Kompost anlegen: Wie kompostiert man richtig?

Unter Gärtnern zählt das „schwarze Gold“ zu den Topdüngern: Kompost. Er schont Umwelt und Portemonnaie, ist nährstoffreich und verwertet Garten- und viele Küchenreste sinnvoll. Und mit ein paar Tipps ist kompostieren auch noch denkbar einfach.

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Hannover. In der Natur folgt alles einem Kreislauf: Blumen, die eben noch üppig den Garten geziert haben, welken und werden als pflanzlicher „Abfall“ schon kurze Zeit später wieder zum wertvollen Nährstofflieferanten für neues Leben. Warum also teuren Dünger unklarer Herkunft kaufen, wenn man ganz einfach selbst für Naturdünger sorgen kann?

Kompost anlegen: Standort und Wahl des Holzes entscheidend

Und damit können Gartenneulinge, die erstmals einen Kompost anlegen wollen, direkt im Frühling starten, sagt Marja Rottleb, Referentin Kampagnen Garten beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu).

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Dabei gelte es zunächst, einen geeigneten Standort für den Komposthaufen zu finden. Rottleb: „Windgeschützt und schattig sollte er sein, am besten in der Nähe des Hauses und unter einem größeren Baum.“ Der Grund dafür ist simpel: Im kühlen, feuchten Gehölzschatten trocknet die Biomasse nicht so leicht aus wie in der prallen Sonne. Die Gartenexpertin sagt: „Wichtig ist zudem ein offener Boden, damit Regenwürmer und andere Kompostierungshelfer eindringen können und sich keine Staunässe bildet. Zum Schutz vor Wühlmäusen kann ein engmaschiger Draht ausgelegt werden.“

Der Behälter selbst sollte aus „unbehandeltem Holz oder Metall bestehen, kann leicht selbst gebaut werden.“ Gartenprofis setzten auf das Drei-Kammern-Prinzip: Dabei werden im ersten Behälter Abfälle gesammelt, in der zweiten Kammer findet die erste Verrottungsphase statt, in der dritten schließlich zersetzen sich die Gartenreste vollständig. Übrigens: Je besser der Komposthaufen durchlüftet wird, desto besser ist auch der Verrottungsgrad.

Meiden Sie bei der Standortwahl gepflasterte Flächen und planen Sie eine ein bis zwei Quadratmeter große Stellfläche ein. Der Komposter sollte mindestens eine Höhe von 75 Zentimeter haben. Eichen- und Lärchenholz gilt als besonders widerstandsfähig. Wenn Sie den Komposter aus anderem Holz bauen wollen, imprägnieren sie es mit einem speziellen Lack. Abstände zwischen den einzelnen Brettern gewährleisten die Sauerstoffzufuhr, damit kein Schimmel entsteht. Die Vorderseite des Komposters sollte sich öffnen lassen, sodass man ihn besser mit der Mistgabel durcharbeiten kann. Damit er nicht austrocknet, sollte die Regenzufuhr gewährleistet sein.

Regenwürmer und Co. recyceln Bioabfälle

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Wie in einer „Mini-Recyclingfabrik“ kümmert sich eine Vielzahl von Komposttierchen – darunter Regenwürmer, Asseln, Springschwänze und Fadenwürmer – um Erntereste, Herbstlaub, Schnittgut und ungekochte pflanzliche Küchenabfälle. Nabu-Expertin Rottleb: „Aber auch Milliarden von Bakterien, Pilzen und Algen, die im Kompost leben, sind maßgeblich am Prozess beteiligt. Sie greifen das Material an, das dadurch zu modern beginnt und sich am Ende in eine dunkelbraune, lockere und duftende Erde verwandelt.“

Damit die Verrottung optimal verlaufe, sollte der Restemix, der auf dem Komposthaufen landet, hinsichtlich seiner Struktur und Inhaltsstoffe vielseitig sein, betont die Fachfrau. Damit alles gleichmäßig verrottet, gelte es, Abfälle abwechselnd in dünnen Lagen zu schichten oder gleich gut zu vermischen. Ungeduldige Gärtner, können die Aktivität der Mikroorganismen mit einem sogenannten „Kompostbeschleuniger“ fördern.

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Hausmüll oder Haufen – was darf auf den Kompost?

Rottleb: „Problemlos kompostieren lassen sich Eierschalen, Kaffeesatz und Teebeutel, Herbstlaub, klein geschnittener Stauden- und Strauchschnitt, Gemüsereste, verwelkte Topfpflanzen und Schnittblumen. Verdorbenes Obst und Rasenschnitt sollten wegen der Fäulnisgefahr jedoch nur dünn eingeschichtet werden. Weil gekochte Essensreste Ratten und anderes Ungeziefer anlocken, gehören sie in den Abfall.“ Auch Pflanzenreste, die von einem Pilz befallen sind, und farbiges Papier oder Pappe sollten nicht auf dem Komposthaufen landen. Verzichten sollten Hobbygärtner zudem Schalen von Zitrusfrüchten und Bananen, die nicht aus biologischem Anbau stammen. Die Nabu-Expertin: „Sie wurden häufig mit Pestiziden behandelt, die dann im eigenen Garten landen. Auch Kohleasche wandert besser in den Hausmüll – je nach Herkunft des Holzes können darin Schwermetalle enthalten sein.“

Kompost regelmäßig umsetzen

Je nach Jahreszeit dauert es sechs bis zwölf Monate, bis sich grobe Pflanzenreste in wertvolle, dunkle, nach Waldboden duftende Humuserde verwandelt haben. Bis auf Eierschalen und einige Holzstückchen sind dann keine groben Bestandteile mehr zu sehen. Wer den Haufen mehrmals umsetzt und gut durchmischt, beschleunigt diesen Vorgang. Wie beim Umgraben im Beet kommt das Unterste nach oben, das Oberste nach unten. Dabei schaufeln sich Gärtner schichtweise durch den Kompost und werfen das halb verrottete Material auf ein bereitgestelltes großes Durchwurfsieb. Nabu-Referentin Rottleb: „Der beste Zeitpunkt zum Ausbringen des fertigen Komposts ist jetzt im Frühjahr.“ Schon ein paar Schaufeln Mischkompost sorgten dafür, dass Gemüse, Obst und Zierpflanzen mit ausreichenden Mengen an Kalzium, Magnesium, Phosphor und Kalium in die neue Gartensaison starten können. Nährstoffhungriges Gemüse wie Kohl, Tomaten, Zucchini und Kartoffeln erhalten dabei jährlich vier bis sechs Liter pro Quadratmeter Beetfläche. Kohlrabi, Zwiebeln und Spinat, die zu den Mittelzehrern gehören, freuen sich über zwei bis drei Liter. Diese Menge reicht auch für Obstgehölze und das Blumen- oder Staudenbeet. Schwachzehrer wie Erbsen, Bohnen und Kräuter benötigen dagegen nur ein bis zwei Liter.

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Von RND / Julia-Marie Meisenburg