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  • Komet "Neowise" im Juli 2020 - So ist er zu sehen und zu fotografieren

Mit bloßem Auge erkennbar: Komet Neowise nähert sich im Juli der Erde

  • Wer derzeit in den frühen Morgenstunden in den Himmel blickt, kann mit etwas Glück den Kometen Neowise sehen.
  • Der Himmelskörper ist im Juli rund 103 Millionen Kilometer von der Erde entfernt.
  • Der Komet ist so hell, dass er selbst mit bloßem Auge erkennbar ist.
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Hobbyastronomen sollten in diesen Tagen früh aufstehen: Nur dann können sie den Kometen Neowise (C/2020 F3) sehen, der sich zurzeit der Erde nähert. “Der Komet ist derzeit kurz vor Sonnenaufgang am Himmel zu sehen, also etwa gegen 4 Uhr 30″, sagte Carolin Liefke, Astrophysikerin vom Haus der Astronomie in Heidelberg, gegenüber dem “Spiegel”.

Komet kommt Mitte Juli der Erde am nächsten

Den sonnennächsten Punkt seiner elliptischen Umlaufbahn hat der Komet bereits am 3. Juli erreicht, erklärte Liefke. Aktuell sei Neowise rund 160 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Das ändert sich Mitte Juli: Dann liegt seine Distanz zur Erde nur noch bei rund 103 Millionen Kilometern.

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Der Kosmonaut Ivan Vagner, der aktuell auf der Internationalen Raumstation (ISS) lebt, hat den Kometen schon entdeckt – und auch fotografiert. “Man kann den Schweif des Kometen vom Weltraum aus ziemlich gut sehen”, schrieb er unter das Bild, das er auf Twitter veröffentlichte.

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Neowise verliert mit der Zeit an Helligkeit

Die Sonnenenergie ist der Grund, warum der Schweif des Kometen auch mit dem bloßen Auge zu erkennen sein dürfte. Diese sorgt dafür, dass der aus Eis, Staub und Gesteinsteilchen bestehende Himmelskörper an Masse verliert. Abhängig von seinen inneren Prozessen könnte der Komet in den kommenden Tagen auch noch heller werden. Ein gewaltiger Effekt werde aber nicht zu erkennen sein, sagte Liefke dem “Spiegel”.

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Ab Mitte des Monats könnte es zudem deutlich einfacher werden, Neowise zu erkennen. Statt in den Morgenstunden wird der Komet dann am Abendhimmel zu sehen sein – genauer gesagt im Bereich des Sternbildes Großer Wagen. Dann verliert Neowise aber auch an Helligkeit, sodass Kometenjäger ihn womöglich nicht mehr mit bloßem Auge erkennen.

Venus dient als Orientierungshilfe

Wer Neowise sehen will, sollte sich beeilen: Sobald der Komet in den Tiefen des Sonnensystems verschwindet, vergehen Tausende von Jahren, bis er sich wieder der Erde nähert.

Diese Tipps können laut Liefke bei der Kometenjagd helfen: Der Himmel sollte klar und wolkenlos sein. In Richtung Nordosten sollte zudem freie Sicht herrschen. Liefke empfiehlt, einen möglichst hohen Punkt als Beobachtungsposten zu wählen. Als Orientierungshilfe könnte die Venus dienen, die derzeit der hellste Planet am Morgenhimmel ist.

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Neowise lässt sich mit Smartphone fotografieren

Wer den Kometen fotografieren möchte, braucht keine aufwändige Ausrüstung. Schon mit besseren Smartphonekameras dürfte Neowise als kleiner heller Fleck zu sehen sein. Wer deutlich mehr möchte, sollte eine Kamera (Spiegelreflex oder spiegellos) mit Stativ einpacken und sich einen einigermaßen dunklen Standort außerhalb großer Städte suchen.

Dann kann man den Kometen bereits mit Brennweiten ab 50 Millimeter gut in Szene setzen – etwa über einer ansprechenden Landschaft, die derzeit wegen des hellen Mondes gut beleuchtet sein dürfte. Aber auch nicht zu helle Ortschaften können als Vordergrund sehr dekorativ wirken. Wer den Himmelskörper lieber größer aufs Bild bannen will, greift zu einem Teleobjektiv mit 100 oder besser mehr Millimetern.

Kleine Blendenzahl bei Kameras wählen

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Am einfachsten stellt man die Kamera auf den Mond oder einen hellen Stern oder Planeten scharf. Beim Mond sollte das der Autofokus hinkriegen, ansonsten muss man dies manuell tun – sehr hilfreich ist hier der Liveviewmodus, den Kameras mit Display oft haben. Anschließend den Autofokus ausschalten und den Kometen ins Visier nehmen, der nun bereits scharf eingestellt ist.

Die Programmautomatik der Kamera ist nachts meist überfordert. Man stellt also manuell eine möglichst kleine Blendenzahl ein und macht dann viele Aufnahmen mit verschiedenen Belichtungszeiten. Durch die Erdrotation kommt es erstaunlich schnell zu Bewegungsunschärfe: Bei 50 Millimeter Brennweite kann sie bei manchen Kameras schon ab sechs Sekunden zu sehen sein, bei 300 Millimeter ab einer Sekunde.

Um Verwacklungen zu vermeiden, ist zudem ein Fernauslöser oder der Selbstauslöser der Kamera sehr hilfreich. Falls der Iso-Wert für die Lichtempfindlichkeit an der Kamera eingestellt werden kann, darf man ruhig auch höhere Werte ausprobieren, etwa 800.

Komet vor Milliarden Jahren entstanden

Der Komet Neowise wurde am 27. März 2020 mit dem US-Weltraumteleskop “Neowise” der Nasa entdeckt. Das Observatorium wurde 2009 ins All geflogen. Eigentlich sollte es 2011 abgeschaltet werden, doch die Weltraumbehörde entschied sich 2013, das Teleskop zu reaktivieren.

Die weitere Suche nach unbekannten Himmelskörpern förderte letztendlich den Kometen Neowise zutage. Astronomen vermuten, dass der Komet vor rund 4,6 Milliarden Jahren entstanden ist.

RND/lb/rms

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