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Studentinnen fragen 100 Menschen weltweit, wie der Klimawandel ihren Alltag ändert

  • „100 Voices – One Planet“, so heißt ein Projekt, das den Klimawandel im Alltag sichtbarer machen möchte.
  • Münchner Studierende fragen Menschen weltweit, wie sich ihr Leben durch die Klimakrise verändert.
  • Ihre Protagonisten wählen sie anhand des Global Climate Risk Index aus, bei dem Deutschland auf Platz drei landet.
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„Es wird immer schwieriger, den perfekten Zeitpunkt zu finden, um Felder zu bestellen und zu ernten“, sagt Miriam. Grund dafür: der Klimawandel. Denn durch den variiere das Wetter immer mehr – ein Problem für landwirtschaftlich geprägte Staaten wie Guatemala, in denen viele Menschen zudem arm seien.

Die 24-jährige Miriam erlebt jeden Tag hautnah, wovon sie spricht. Denn sie wohnt selbst in dem mittelamerikanischen Staat. Ihre Geschichte ist Teil des Projekts „100 Voices – One Planet“. Menschen überall auf der Welt geben darin in kurzen Videobotschaften Antworten auf die Frage: Wie beeinflusst der Klimawandel dich? Sie berichten von Pflanzen- und Tierarten, die aussterben. Von Fluten, die Häuser zerstören. Oder von Dürren und Wintern ohne Schnee, wo früher ein weißer Winterwald funkelte.

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Auswahl mit „Global Climate Risk Index“

„Das Problem mit dem Klima wird immer schlimmer. Da ist ein gewisser Zeitdruck hinter“, sagt Ophelia Wach. Zusammen mit einigen Kommilitoninnen und Kommilitonen hat sich die 23-jährige Studentin „100 Voices – One Planet“ im vergangenen Sommersemester ausgedacht. Das Projekt ist eine Studienleistung an der Technischen Universität München – eigentlich. Denn auch, nachdem die Politikstudierenden dafür eine 1,0 kassiert haben, sammeln Ophelia Wach, Vanessa Zwisele und Arianne Blais weiter Stimmen. Bis Januar wollen sie Video­statements von 100 Menschen zusammenhaben.

Arianne Blais, Ophelia Wach und Vanessa Zwisele (von links) sind die Studentinnen hinter dem Projekt „100 Voices – One Planet“. © Quelle: privat

Ihre Protagonisten suchen die Münchner Studentinnen anhand des „Global Climate Risk Index“ von Germanwatch aus. Der Index zeigt, wie sehr Stürme oder Hitzewellen in verschiedenen Ländern wüten. Wie viele Todesopfer es durch solche Wetterextreme gab und welche ökonomischen Verluste sie nach sich ziehen, fließt in den „Global Climate Risk Index“ mit ein. Für so manch einen vielleicht überraschend: Deutschland landet beim aktuellen „Global Climate Risk Index“ nach Japan und den Philippinen auf Platz drei. Die lange Hitzeperiode vor zwei Jahren mit anschließender Dürre und Ernteausfällen ist der Grund dafür.

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Mit Menschen identifizieren

Wer durch die Social-Media-Kanäle von „100 Voices – One Planet“ scrollt, dem blicken bereits die 86-jährige Rani aus Indien, der 27-jährige Wilson aus Ecuador oder der 32-jährige Wally aus Gambia entgegen. Die Videos haben sie selbst mit ihren Smartphones gefilmt. Die jüngste Protagonistin ist 16 Jahre alt, die älteste 86. Politiker, Klimaaktivist oder Influencer ist niemand von ihnen. Wach, Zwisele und Blais suchen nämlich nach ganz normalen Menschen, die aus ihrem Alltag erzählen. Die fanden sie zunächst über Freunde und Bekannte. Mittlerweile bitten sie Organisationen vor Ort, ihnen authentische Kontakte zu organisieren.

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„Unsere Einstellung als Politik­wissen­schaftlerinnen ist, dass Politik oft von und für die Eliten gemacht wird. Das möchten wir gern durchbrechen“, erklärt sie. Wer die Videos auf Instagram oder Youtube anschaut, soll sich mit den Menschen darin identifizieren können. „Wenn wir sehr besondere und außergewöhnliche Personen oder Schicksale präsentieren würden, wäre die Nähe zum Zuschauer nicht so sehr gegeben“, meint Wach.

Kein Schriftzeichen für Klimawandel

Ganz nebenbei haben die Studentinnen entdeckt, wie unterschiedlich das kulturelle Verständnis vom Klimawandel auf den Kontinenten sei. „In manchen Regionen ist die Verbindung zwischen Klimawandel, Naturkatastrophen und dem eigenen Leben relativ klar, zum Beispiel in einigen afrikanischen Ländern“, sagt Wach. In asiatischen Ländern dagegen eher nicht, weiß ihre Kommilitonin Vanessa Zwisele. „Es gibt im Japanischen kein Schriftzeichen, das Klimawandel bedeutet“, erzählt die 22-Jährige.

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Manchmal sei es schwierig, das Projekt und sein Ziel schlüssig in andere Sprachen zu übersetzen. Und noch ein Problem gibt es. „Alle, die den Klimawandel als nicht so wichtig ansehen, wollen gar kein Video machen“, sagt Wach. Doch so eine Einstellung kann sich ändern. Das zeigt das Beispiel ihrer Kommilitonin Arianne Blais. Vor zwei Jahren habe sie selbst noch viele Probleme rund um das Klima weitestgehend ignoriert – jetzt nicht mehr. „Durch unser Projekt können mehr Menschen genauso wie ich realisieren, welche Probleme der Klimawandel verursacht“, sagt die 25-Jährige.

An politische Grenzen stoßen

Die nächsten Stimmen sollen aus Myanmar und Ghana kommen. Ophelia Wach ist gerade mit zwei Menschen aus diesen Ländern in Kontakt. „Wir interessieren uns trotz der Distanz für die gleichen Themen. Das finde ich faszinierend“, sagt die Aktivistin und lächelt. Auch die deutsche Demokratie lernen die drei durch das Projekt wohl mehr zu schätzen. Aus China sei es nämlich beispielsweise schwierig, ein Statement zu bekommen, weil die Chinesen wegen ihres repressiven Regimes sehr vorsichtig seien. Und die Stimme aus Bulgarien wolle komplett anonymisiert werden, weil sie sich im Statement kritisch über die Regierung äußere.

Doch von solchen Hindernissen lassen sich Wach, Zwisele und Blais nicht abschrecken. Sie wollen mit „100 Voices – One Planet“ weitermachen – auch wenn die Creditpoints schon längst eingetragen sind.

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