Studie zu „Climate Overshoots“

Warum es auch riskant ist, wenn die 1,5‑Grad-Grenze nur kurzfristig überschritten wird

Autos, LKW und Lieferfahrzeuge fahren auf dem Kaiserdamm in der Hauptstadt stadteinwärts. Es wird ein EuGH-Urteil zur Überschreitung der Grenzwerte für Stickstoffdioxid erwartet. Die EU-Kommission hat Deutschland verklagt, weil seit 2010 der Jahres- und Stundengrenzwerte für Stickstoffdioxid in zahlreichen Gebieten überschritten wurden. Deutschland verstoße damit systematisch gegen die EU-Luftqualitätsrichtlinie und habe zu wenig getan, um diesen Verstoß zu kurz wie möglich zu halten.

Autos, LKW und Lieferfahrzeuge fahren auf dem Kaiserdamm in der Hauptstadt stadteinwärts. Es wird ein EuGH-Urteil zur Überschreitung der Grenzwerte für Stickstoffdioxid erwartet. Die EU-Kommission hat Deutschland verklagt, weil seit 2010 der Jahres- und Stundengrenzwerte für Stickstoffdioxid in zahlreichen Gebieten überschritten wurden. Deutschland verstoße damit systematisch gegen die EU-Luftqualitätsrichtlinie und habe zu wenig getan, um diesen Verstoß zu kurz wie möglich zu halten.

Eine Erderwärmung auf mehr als 1,5 Grad Celsius zuzulassen und dann zu versuchen, wieder unter diese Marke zu kommen, ist eine riskante Strategie. Zu diesem Schluss kommt die Analyse eines internationalen Wissenschaftsteams. Denn in der Zeit, in der die durchschnittliche Temperatur der Erde über 1,5 Grad liegt, könnten Entwicklungen geschehen, die sich nicht zurückdrehen lassen, mahnen die Forschenden.

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Stattdessen dürfte die Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs die wirksamste Strategie zur Eindämmung des Klimawandels sein, meint die Gruppe um Carl-Friedrich Schleussner und Joeri Rogelj vom Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA) im österreichischen Laxenburg. Veröffentlicht wurden die Forschungsergebnisse in der Fachzeitschrift „Nature“.

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Paris-Ziel kaum noch zu halten

Eine Trendwende beim Ausstoß von Treibhausgasen hat es bisher nicht gegeben – im Gegenteil, die Emissionen haben 2023 einen neuen Rekordwert erreicht. Unter Berücksichtigung der weltweiten Klimapolitik gehen viele Klimaforschende mittlerweile davon aus, dass das Ziel aus dem Übereinkommen der UN‑Klimakonferenz in Paris 2015 nicht mehr erreicht werden kann: Dieses besagt, dass der Anstieg der durchschnittlichen Temperatur auf der Erde möglichst auf 1,5 Grad, zumindest aber auf deutlich unter zwei Grad begrenzt werden soll.

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Doch weil zunehmend wahrscheinlicher wird, dass dieser Grenzwert nicht eingehalten werden kann, entwickeln Forschende immer häufiger Szenarien, in denen der Grenzwert für eine gewisse Zeit überschritten wird (Overshoot). Eine Umkehr der Erwärmung könnte demnach möglich sein, indem negative Netto-Kohlenstoffemissionen erreicht werden – auch, indem CO₂ aus der Luft entnommen wird.

Solche Vorstellungen hält Schleussner für gefährlich: „Nur wenn wir in diesem entscheidenden Jahrzehnt viel mehr tun, um die Emissionen zu senken und die Höchsttemperaturen so niedrig wie möglich zu halten, können wir Schäden wirksam begrenzen“, wird er in einer Mitteilung zur Studie zitiert.

Zusätzliche Erwärmung durch weitere Effekte

Konkrete Modellberechnungen nahmen die Forschenden für die Länge der Überschreitung der 1,5‑Grad-Grenze vor; dabei blieb die höchste Temperatur unter zwei Grad. Sie meinen, dass der Temperaturrückgang nach der Überschreitung schwieriger sein könnte als erwartet. So ermittelten sie auch eine zusätzliche Erwärmung um 0,02 Grad pro Jahrhundert, indem der Grenzwert überschritten wird, und zwar durch CO₂‑ und Methan-Emissionen aus tauenden Permafrostböden und erwärmten Torfmooren.

Zudem würde der Meeresspiegel den Berechnungen zufolge um 40 Zentimeter pro Jahrhundert Grenzwertüberschreitung steigen – zusätzlich zu den 80 Zentimetern, die auch ohne das Überschreiten hinzukommen. Weil das Erdsystem oft zeitverzögert auf Veränderungen reagiert, dürfte der Meeresspiegel noch Jahrhunderte ansteigen, selbst wenn die langfristigen Temperaturen sinken, mahnt das Wissenschaftsteam.

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Unterschiedliche Ansichten zu CO₂‑Entnahme

Die Studienautoren befassen sich auch mit Negative-Emissionen-Technologien: Dabei wird CO₂ aus der Luft herausgefiltert und sicher verwahrt, etwa durch künstliche Steinbildung oder durch Lagerung in früheren Erdgasstätten. Etwa zwei Millionen Tonnen CO₂ werden mit diesen energieintensiven Technologien derzeit jährlich aus der Luft geholt – erheblich weniger als durch Aufforstung. Mehrere Hundert Gigatonnen Kohlenstoff seien aber nötig, um die schlimmsten Szenarien zu verhindern, heißt es in der Studie.

Dennoch fordert das Team, die Technologie voranzubringen. „Wir empfehlen, dass wir uns auf eine ökologisch nachhaltige Kapazität von Negative-Emissionen-Technologien vorbereiten müssen, um uns gegen langfristige, risikoreiche Folgen abzusichern, die aus stärkeren als erwarteten Klimarückkopplungen resultieren“, heißt es in der Studie.

Diese Empfehlung kritisiert Nadine Mengis vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel in einem Kommentar, ebenfalls in „Nature“: „Obwohl dieses Konzept interessant ist, geht es davon aus, dass es eine Kapazitätsreserve bei Negative-Emissionen-Technologien geben wird, die weltweit schnell eingesetzt werden kann – eine Annahme, die ich für zu optimistisch halte.“

Generell aber stimmt sie der Einschätzung der Studienautoren zu, dass eine schnelle Reduktion der Treibhausgase besser wäre als ein Überschreiten des Grenzwerts und eine anschließende Rückkehr darunter.

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RND/dpa

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