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Kipppunkte werden früher erreicht: Forscher warnen vor „planetarem Notfallzustand“

  • Die Erde steht auf der Kippe – und die von Wissenschaftlern festgelegten sogenannten Kipppunkte zeigen deutlich, wie sehr.
  • Ein internationales Forscherteam hat diese Kipppunkte nun untersucht und kommt zu dem Ergebnis, dass sie früher erreicht werden als bisher angenommen.
  • Die Experten sprechen von einem planetarischen Notfall.
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Hannover. Laut internationalem Expertenteam, bestehend aus Politikern, Wirtschafts- und Naturwissenschaftlern, erhalten entscheidende Wendepunkte im Erdsystem – wie der Verlust des Amazonas-Regenwaldes oder der Eisdecke der Antarktis – bislang zu wenig Beachtung. Doch mittlerweile gibt es immer mehr Beweise dafür, dass diese Ereignisse drastische Auswirkungen haben können und die Welt davon möglicherweise langfristige irreversible Schäden nehmen kann.

In einem Kommentar im Fachblatt „Nature“ fassen die Autoren ihre Erkenntnisse über die Gefahr der Überschreitung von Kipppunkten, also von Wissenschaftlern festgelegten Schwellenwerten für eine Region, zusammen: „Unserer Ansicht nach deuten allein die Hinweise aus den Kipppunkten darauf hin, dass wir uns in einem planetarischen Notfall befinden: Sowohl das Risiko als auch die Dringlichkeit der Situation sind akut“, heißt es im Artikel.

Dominoeffekt: Das macht Kipppunkte tückisch

Kipppunkte – im Zusammenhang mit dem Klimawandel – werden in der Wissenschaft seit geraumer Zeit thematisiert, denn sie stellen ein Risiko da. Wenn Kipppunkte bestimmte Schwellenwerte überschreiten, wird die Erderwärmung beschleunigt. Denn das Überschreiten der Werte passiert meist unbemerkt, weshalb es sich immer weiter fortsetzen kann.

Tückisch sei bei Kipppunkten außerdem, dass sie sich gegenseitig aus der Balance bringen können, wie „umfallende Dominosteine“, beschreiben es die Experten. Durch das Überschreiten der Kipppunkte würden unterschätzte Kettenreaktionen entstehen, die das gesamte Ökosystem destabilisieren.

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Eisverlust in Arktis führt zu Dürre in Afrika

Ein Beispiel für Kipppunkte ist laut Experten das Schmelzen der grönländischen Eisdecke: „Der Verlust von Meereis in der Antarktis verstärkt die regionale Erwärmung, und die Erwärmung der Arktis und das Abschmelzen Grönlands treiben einen Zufluss von Süßwasser in den Nordatlantik, was zu noch mehr Eisverlust führt.“ Neueste Untersuchungen zeigten zudem, dass ein Teil der ostantarktischen Eisdecke – das Wilkes-Becken – ähnlich instabil sein könnte.

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Die Folgen reichen bis in die Wüstengebiete Afrikas: Denn das schnellere Abschmelzen der Gletscher auf Grönland stört wichtige Atlantik-Meeresströmungen, was Folgen für den Monsun in Westafrika hat und zu einer Dürre in der afrikanischen Sahelzone führen kann. Gestörte Atlantik-Meeresströmungen haben außerdem Auswirkungen auf die Feuchtigkeit des Amazonas-Beckens mit seinen Regenwäldern – sie könnten laut Autoren austrocknen.

Korallensterben hat Auswirkungen auf Lebensqualität

Hitzewellen in den Ozeanen hätten zudem zu einer Massenbleiche – dem Sterben – von Korallen und zum Verlust der Hälfte der Flachwasserkorallen am australischen Great Barrier Reef geführt. „Unglaubliche 99 Prozent der tropischen Korallen gehen vermutlich verloren, wenn die globale Durchschnittstemperatur um zwei Grad Celsius ansteigt“, warnen die Autoren. Der Verlust der Korallen würde einen tiefgreifenden Wegfall der gesamten Artenvielfalt im Meer bedeuten, was wiederum die Lebensqualität der Menschen einschränken würde.

Auch menschengemachter Klimawandel, wie die Abholzung des Amazonas, sorgt für eine Destabilisierung des Ökosystems. Die Experten haben für den „Kipppunkt Amazonas“ einen Schwellenwert von 40 Prozent festgelegt. Das bedeutet: Bei 40 Prozent Entwaldung könnte es zu – noch größeren – klimaschädlichen Folgen kommen, wie etwa lange Trockenperioden. Laut „Nature“-Artikel sind bereits knapp 17 Prozent des größten Regenwalds der Welt seit 1970 verloren gegangen.

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Experten mahnen: Der Planet ist in Gefahr

Das internationale Forscherteam fordert energische Gegenmaßnahmen. Allen voran steht das Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Das Eis schrumpfe in der Arktis bereits so stark, dass die Region bei zwei Grad Erwärmung im Sommer weitgehend eisfrei wird, befürchten die Experten. Schnelles Handeln sei notwendig.

„Die Stabilität und Belastbarkeit unseres Planeten ist in Gefahr, das verstärkt die Forderung nach dringenden Klimaschutzmaßnahmen – von Schulkindern bis hin zu Wissenschaftlern, Städten und Ländern“, warnen die Forscher. Wenn ein globaler Kipppunkt nicht ausgeschlossen werden könne, sei das eine existenzielle Bedrohung für die Zivilisation.

RND/Alice Mecke




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