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  • Klimaschutz in der Corona-Krise: Darum wird er jetzt noch wichtiger

Warnsignal Pandemie: Wieso Klimaschutz noch wichtiger wird

  • Durch die Ausbreitung des Coronavirus ist derzeit weltweit die Gesundheit der Menschen bedroht.
  • Mit Blick auf den Klimawandel sollten wir uns daran gewöhnen, dass sich die Gesundheitsrisiken durch Zoonosen, Hitze und schlechte Luft weiter verschärfen werden.
  • Kosten für das Gesundheitssystem und Todesfälle werden laut Weltgesundheitsorganisation klimabedingt zunehmen.
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Während der Corona-Pandemie merken Menschen auf der ganzen Welt ganz unmittelbar, wie wichtig die eigene Gesundheit ist. Wie verletzlich, angreifbar und bedroht sie durch einen für das Auge unsichtbaren Erreger plötzlich sein kann. Die Welt fiebert einem Impfstoff entgegen, denn nur durch ihn bekommt der Mensch den Virus-Ausbruch wirklich unter Kontrolle. Was aber, wenn die Corona-Krise erst der Anfang ist?

Gerade der Klimawandel bedroht Menschen und ihre Gesundheit in umfangreichem Maße. Nur ist der Prozess schleichender, verdeckter: Eine Dürre hier, ein geschmolzener Eisberg dort, ein überschrittener Emissionsgrenzwert im Irgendwo. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) prognostizierte bereits 2018: “Zwischen 2030 und 2050 wird der Klimawandel voraussichtlich etwa 250.000 zusätzliche Todesfälle pro Jahr durch Unterernährung, Malaria, Durchfall und Hitzestress verursachen.”

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Klimawandel: Ozeane erwärmen sich rasant
1:49 min
Forscher schlagen mit neuen Daten Alarm. Die Meereserwärmung durch den Klimawandel löst Wirbelstürme und extremes Wetter aus.  © Saskia Bücker/dpa
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Die direkten Gesundheitskosten würden bis 2030 auf mindestens zwei bis vier Milliarden US-Dollar im Jahr geschätzt. Auch abseits des Geldes im Gesundheitssektor: Die Veränderungen des globalen Klimas bergen eine ganze Reihe erhöhter Gesundheitsrisiken für den Menschen.

Tropen-Erreger fühlen sich in Europa wohler

Was bestimmte Virenstämme auslösen können, zeigt sich eindrücklich durch die Corona-Pandemie. Da durch den Klimawandel die Temperaturen nach oben klettern, fühlen sich bestimmte Erreger hierzulande plötzlich besonders wohl. Deutschland und Europa haben schon heute Viren aus ursprünglich tropischen Regionen erreicht. Dabei spielt die sogenannte Zoonose eine bedeutende Rolle, also die Übertragung von Infektionen von Tieren auf Menschen und umgekehrt.

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Zwei jüngste Beispiele: 2019 meldete das Robert-Koch-Institut hierzulande die ersten Fälle von West-Nil-Fieber, übertragen durch heimische Mücken. Und in Südfrankreich wurden erstmals Zika-Infektionen gemeldet, übertragen durch Tigermücken. “Wenn es im Sommer eine größere Anzahl importierter Zikavirus-Fälle in Deutschland geben würde, wären einzelne Übertragungen in Gebieten, in denen die asiatische Tigermücke vorkommt in Deutschland in besonders warmen Sommermonaten nicht auszuschließen", schreibt auch das RKI auf seiner Homepage.

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Umweltministerin Schulze in RND-Videoschalte: "Gut, dass Fridays for Future weiterkämpft"
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Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) spricht im Interview mit RND-Hauptstadtkorrespondentin Marina Kormbaki über Klimaschutz in der Corona-Krise.  © Saskia Bücker/RND
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Alte Erreger aus dem Permafrost kommen zurück

In der Arktis schreitet die globale Erwärmung besonders schnell voran. Das Eis taut – und im gefrorenen Boden der Arktis schlummern Krankheitserreger vergangener Tage. Aufgrund der globalen Erwärmung könnten einige von ihnen nun wieder gefährlich werden, warnen Forscher.

Von einem jüngeren Beispiel berichtete beispielsweise das Helmholtz-Institut: In Sibirien ist es 2016 zu einem Milzbrand-Ausbruch gekommen. Ein altes Grab von Rentieren taute auf, das nach einem Milzbrand-Ausbruch vor vielen Jahren angelegt worden war. Der Erreger übertrug sich auf den Menschen, infizierte über siebzig von ihnen, ein Junge starb an der Erkrankung.

Todesfälle durch Hitzewellen

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Ein Beispiel für die Auswirkungen von Hitze: In Australien haben zuletzt gigantische Waldbrände gewütet. © Quelle: Glen Morey/Glen Morey/dpa

Hitzewellen und extremes Wetter führen zu mehr Todesfällen. Zwischen 2000 und 2018 wurden in Deutschland acht der elf wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881 beobachtet. Die körperliche Belastung durch Hitze ist nicht zu unterschätzen. Bei größerem Flüssigkeitsverlust des Körpers kommt es schneller zur Dehydrierung, das Risiko für Thrombosen und weitere Herz- Kreislauferkrankungen steigt. “Insbesondere ältere und gebrechliche Menschen sind durch Hitzestress stark gefährdet, ebenso Patienten mit chronischen Erkrankungen wie Herz-Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen”, schreibt das Umweltbundesamt auf seiner Homepage.

Klimawissenschaftler prognostizieren zudem mehr Stürme, Orkane, Dauerregen, aber auch Waldbrände. “Die hierdurch ausgelösten gesundheitlichen Auswirkungen können nicht nur physischer Art sein, wie zum Beispiel Infektionen, Verletzungen oder im Extremfall auch Todesfälle, sondern auch psychische Belastungen wie Stress, Angstzustände, Traumata und Depressionen verursachen”, betont das Umweltbundesamt.

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Deutsche Wälder leiden unter der Trockenheit
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Dem Wald in Deutschland geht es schlecht. Genau wie im letzten Jahr macht ihm die anhaltende Trockenheit schwer zu schaffen.  © Saskia Bücker/Reuters

Artensterben begünstigt Krankheitserreger

Schrumpfende Lebensräume und zurückgehende Artenvielfalt, unter anderem bedingt durch den Klimawandel sowie Umweltzerstörungen, verursachen größere Bestände besonders anpassungsfähiger Arten in einem Habitat. Sie können sich besser ausbreiten, weil andere Arten schwinden.

Vor allem Arten, die als Reservoir für zoonotische Erreger gelten – beispielsweise Fledermäuse und Nagetiere – überlebten teilweise sogar besser, wenn ihre natürlichen Lebensräume gestört werden. Krankheitserreger könnten sich dann auch leichter unter Menschen ausbreiten, erklärt WWF-Artenschutz-Experte Arnulf Köhncke in einem RND-Interview.

Größeres Leiden für Allergiker

Allergiker werden länger und vermehrt zu leiden haben. “Im Vergleich zu früheren Jahren haben sich die Pollensaison und damit auch die Beschwerdeperiode der Betroffenen verlängert”, schreibt das Umweltbundesministerium auf seiner Homepage. “Ursache ist der durch die Klimaerwärmung bedingte frühere Blühbeginn der Vegetation sowie längere Pollenflugzeiten.”

Meteorologen in Berlin berichteten in der letzten Saison bereits von blühenden Purpur-Erlen im Dezember. Pollenflug ist nun während des ganzen Jahres möglich, betroffen sind vor allem Menschen mit mehreren Sensibilisierungen, zum Beispiel auf Hasel und auf Birke. Für eine Verlängerung der Pollensaison sorgt laut Umweltbundesministerium auch das sogenannte Traubenkraut (Ambrosia).

In den letzten Jahren konnte sich die aus Nordamerika stammende Pflanze in weiten Teilen Deutschlands ausbreiten. Ihre Samen waren besonders vor einigen Jahren noch verstärkt in importiertem Vogelfutter enthalten. Sie blüht im Spätsommer, nach dem die Blütezeit des gemeinen Beifuß weitgehend abgeschlossen ist. Ihre Pollen zählen zu den stärksten Allergie-Auslösern.

Schlechte Luft bei zu wenig Klimaschutz

“Luftverschmutzung kann Herz-, Kreislauf- und Atemwegserkrankungen sowie Krebs verursachen und ist in der EU die häufigste umweltbedingte Ursache für einen frühzeitigen Tod”, schreibt das Europäische Parlament auf seiner Homepage. Und laut der Weltgesundheitsorganisation können Feinstaubpartikel bis tief in die Lungenwege vordringen und in den Blutkreislauf gelangen. Die Auswirkungen: Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und der Atemwege.

Der Hunger nimmt zu

Die Auswirkungen des Klimawandels tragen laut Welthungerhilfe zu einem anhaltend hohen Maß an Hunger und Ernährungs-Unsicherheit auf der ganzen Welt bei. Extremwetter führe gerade in armen Ländern zu weniger Ernte und teurer Nahrung, warnt die Organisation im Welthunger-Index 2019.

Seit den Anfängen der 1990er Jahre habe sich die Anzahl der Extremwetterereignisse, wie etwa Stürme, Dürren, Brände und Überflutungen, verdoppelt. “Dies führt zu geringeren Ernteerträgen der wichtigsten Nutzpflanzen und trägt zu höheren Lebensmittelpreisen und Einkommensverlusten bei”, heißt es im Bericht. Die Katastrophen treffen einkommensschwache Menschen unverhältnismäßig stark und verminderten deren Zugang zu Nahrung.



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