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Bericht des Weltklimarats: die allerletzte Warnung

  • Der IPCC-Bericht ist eine Dokumentation der menschlichen Schande.
  • Doch die Wucht der schlechten Nachrichten ist keine Ausrede für das Nichtstun.
  • Im Gegenteil: Jedes Zehntel Erderwärmung, das wir verhindern können, ist ein Gewinn, kommentiert Anna Schughart.
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Auf gute Nachrichten durfte niemand hoffen. Dass der Weltklimarat (IPCC) im ersten Teil seines 6. Sachstandsberichts keine beruhigenden Worte finden, keine beschwichtigenden Botschaften parat haben würde, war schon vor der Veröffentlichung klar. Spätestens nach diesem Horrorsommer, der Flutkatastrophe im Westen Deutschlands, der unmenschlichen Hitze in Nordamerika oder den verheerenden Bränden im Süden Europas, darf sich niemand täuschen: Was wir Menschen diesem Planeten, den Pflanzen, den Tieren und letztlich vor allem auch uns antun, ist beispiellos.

Der IPCC-Bericht ist eine Dokumentation der menschlichen Schande. Denn der Klimawandel ist menschengemacht, daran gibt es keinen Zweifel. Abholzungen, Tierhaltung, Umweltverschmutzung und die Emission von Treibhausgasen haben entscheidende Dynamiken dieser Erde aus dem Gleichgewicht gebracht. Wir müssen uns endgültig von der Illusion verabschieden, dass man den Klimawandel noch „verhindern“ könnte. Extremwetter, ein steigender Meeresspiegel, Hitze und Dürre, Starkregen und Überschwemmungen, schmelzende Gletscher – das wird unsere Zukunft sein. Die offene Frage lautet: Wie extrem wird diese Zukunft sein?

Wir haben es selbst in der Hand

Es ist unglaublich schwer, angesichts dieser niederschmetternden Realität so etwas wie Zuversicht zu spüren – von Optimismus ganz zu schweigen. Viele Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, Klimaaktivisten und -aktivistinnen und Menschen, die sich mit den Folgen des Klimawandels befassen, kennen das bereits. Sie müssen auch gegen die eigene Angst kämpfen. Gegen das Gefühl der Lähmung oder gar die Annahme, dass nun eh schon alles zu spät ist. Dass es sich nicht mehr lohnen würde, ganz entschieden zu handeln.

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Denn das ist falsch. Und auch das zeigt der Bericht des Klimarates, das machen die Expertinnen und Experten ganz deutlich: Je größer die Erderwärmung, desto extremer die Auswirkungen. Es macht einen enormen Unterschied, wie schnell wir die CO₂-Neutralität erreichen. Jedes Zehntel Erderwärmung, das wir verhindern können, ist ein Gewinn.

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Und umgekehrt trägt jede Tonne CO₂, die wir emittieren, zur Erderwärmung bei. In all den Modellen und Prognosen ist daher das Verhalten der Menschen stets der größte Unsicherheitsfaktor. Wir selbst haben es in der Hand, in welcher Welt wir, unsere Kinder und Enkelkinder leben werden.

Es war der letzte Warnschuss

Wenn sich die Staaten dieser Welt also Ende Oktober im schottischen Glasgow zur 26. UN-Klimakonferenz treffen, dürfen sie kein anderes Ziel haben, als die Folgen des Klimawandels so gering wie noch möglich zu halten. Der erste Teil des IPCC-Berichts kommt diesbezüglich gerade noch rechtzeitig. Jahrelang haben sich Politiker und Politikerinnen wenig um die Berichte des Weltklimarats geschert, der im Grunde schon seit den 90er-Jahren warnt und immer wieder warnt. Damit muss nun endgültig Schluss sein. Es war der letzte Warnschuss.

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Der IPCC-Bericht ist damit aber auch eine Aufforderung an jeden Einzelnen und jede Einzelne. Die Wucht der schlechten Nachrichten ist kein Freifahrtschein für Lethargie. Das Argument, man selbst könne ja nicht viel ausrichten, ist falsch. Wenn jede Tonne CO₂ zählt, dann zählen auch unsere Entscheidungen – beim Einkaufen, beim Reisen, beim Hausbau, dem Weg zur Arbeit oder bei der Bundestagswahl. Man kann das als Verzicht verkaufen, als Einschnitt in die eigene persönliche Freiheit. Oder man betrachtet es als das, was es wirklich ist: ein aktives und bitter nötiges Engagement für die Zukunft.

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