Kinder essen mehr nach Lebensmittelwerbung

Werbung für kalorienreiche Nahrungsmittel, die an Kinder gerichtet ist, lässt diese auch mehr essen. Das ergab eine australische Studie. Demnach sorgt schon eine kurze Werbeeinwirkung dafür, dass Kinder messbar mehr Kalorien pro Tag zu sich nehmen.

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Berlin. Kindgerechte Werbung für ungesunde Lebensmittel wirkt sich unmittelbar auf das Essverhalten der Kinder aus. Das ergab ein Experiment der Universitäten Sydney, Liverpool und Wollongong. Dafür wurden 160 Kinder eines Feriencamps zufällig in vier Gruppen eingeteilt. Gruppe 1 sah täglich einen 10-minütigen Film mit Werbeunterbrechungen für ungesunde Produkte wie Frühstücksflocken, ein Burger-Menü oder Schokoladencreme. Gruppe 2 spielte zusätzlich noch ein kurzes Computerspiel mit ähnlicher Werbung. Gruppe 3 und 4 sahen auch den Film oder spielten das Computerspiel, allerdings lief dazwischen Werbung für andere Produkte (Non-Food). Gemessen wurde dann, wie viel die Kinder bei Frühstück und Mittag sowie in einer Snackpause direkt nach dem Film/Spiel essen.

Werbung verführt dazu, mehr zu essen

Dabei wurden nicht einmal die beworbenen Produkte angeboten: Die Werbung verführte die Kinder offenbar generell dazu, mehr zu essen. Bietet man den Kindern genau den beworbenen Snack an, fällt der Effekt noch dramatischer aus – das zeigt eine Studie aus den USA mit 60 Vorschulkindern. Sie konsumierten mit Snack-Werbung 30 Prozent mehr Kalorien als ohne.

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Die Studien bestätigen die Befunde vieler anderer Untersuchungen mit Kindern, die ebenfalls einen erhöhten Nahrungsmittelkonsum nach Werbung feststellen. „Wissenschaftlich ist hinreichend erwiesen, wie schädlich Snack-Werbung für Kinder ist“, sagt Prof. Dr. med. Hans Hauner, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Diabetes Stiftung, „es ist deshalb nicht zu erklären, dass wir das als Gesellschaft immer noch zulassen“. Die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) fordert deshalb die Bundesregierung auf, Werbung für ungesunde Produkte für Kinder generell zu verbieten.

Jedes siebte Kind in Deutschland ist zu dick

Denn in Deutschland ist nach der Langzeitstudie KiGGS (Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland) des Robert Koch-Instituts jedes siebte Kind zu dick. Gut 15,4 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen drei und 17 Jahren sind übergewichtig, rund 5,9 Prozent sogar adipös (fettleibig).

Konsum kann auch positiv beeinflusst werden

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Umgekehrt, auch das zeigen Studien, kann der Lebensmittelkonsum durch verständlichere Nährwertinformationen auch positiv beeinflusst werden. Die Experten begrüßen daher die Ankündigung des Herstellers Danone, ab 2019 das fünfstufige Ampelsystem "Nutri-Score" auch in Deutschland einzuführen. Mehrere Studien in Online- und realen Supermärkten haben gezeigt, dass sich dadurch die Nährwertqualität des eingekauften Warenkorbs um 6 bis 9 Prozent verbessert – auch bei Personen mit geringem Einkommen. "Die Ergebnisse zeigen, dass die derzeitige Kennzeichnung in Deutschland, kleingedruckt und auf der Rückseite der Verpackung, nicht ausreicht", sagt DANK-Sprecherin Barbara Bitzer, die auch Geschäftsführerin der Deutschen Diabetes Gesellschaft ist: "Verbraucher haben das Recht auf verständlichere Informationen – dann treffen sie auch gesündere Kaufentscheidungen." Die DANK fordert ein verpflichtendes Ampelsystem in Deutschland. Dies wird, ebenso wie ein Verbot der Werbung für dick machende Produkte, die sich an Kinder richtet, auch von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlen.

Von RND/dk