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Kekulé erneuert Kritik an Drosten-Studie: “Die war nicht mehr zu retten”

  • Virologe Alexander Kekulé kritisiert die umstrittene Drosten-Studie.
  • Im Interview mit dem Deutschlandfunk bemängelt er falsche Begrifflichkeiten, die für Verwirrung gesorgt hätten.
  • An einen weiteren wissenschaftlichen Nutzen des Papiers glaubt er nicht mehr.
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Für seine Studie um die Infektionsgefahr von Kindern wurde der Charité-Chefvirologe Christian Drosten scharf kritisiert. Nun hat sein Virologenkollege Alexander Kekulé (61), Leiter des Instituts für medizinische Mikrobiologie der Uniklinik Halle, seine Kritik zu dem umstrittenen Papier erneuert.

Im Gespräch mit dem Deutschlandfunk nimmt er Anstoß an irreführenden Begrifflichkeiten, die medial hohe Wellen geschlagen hätten: “Da muss man erst mal sagen: Das ist ein Preprint, ein Vorabdruck, und keine Vorstudie. Das wird manchmal in den Medien so dargestellt, als wäre das eine Studie, die noch nicht fertig ist und quasi in einem Vorzustand zur Diskussion gestellt wird. Ich glaube auch, dass Christian Drosten das ein bisschen so gemacht hat.”

Darüber hinaus ärgere ihn, dass Drosten “trotz der Kritik, die da im Raum stand”, immer und überall gesagt habe, die Ergebnisse seien trotzdem richtig. Drosten habe selbst der “New York Times” gegenüber gesagt: “Wenn man das statistisch noch besser auswertet, kommt man zu genau dem gleichen Ergebnis.” Die Schlussfolgerung, Kinder seien ebenso infektiös wie Erwachsene, sei inzwischen von “fünf Statistikprofessoren” widerlegt worden.

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Kekulé: Drosten sollte seine Studie besser neu schreiben

Nachbesserungen an dem Papier würden laut Kekulé entsprechend nicht mehr helfen: “So wie sie dasteht, kann man sie nicht retten.” Einen Angriff auf einen Kollegen bedeute dies jedoch keineswegs. „Er ist ja ein extrem seriöser Wissenschaftler, der seine Arbeit sehr ernst nimmt und der weiß, dass wir alle in dieser Krise uns extrem Mühe geben, irgendwas dazu beizutragen. Das betrifft auch die Leute, die Herr Drosten kritisiert. Deshalb, meine ich, sollten wir lieber alle an einem Strang ziehen, und in diesem Sinne bin ich ganz sicher, dass er die Studie natürlich zurücknehmen wird und eine neue schreiben wird.“

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Auch andere Experten wie der Virologe Hendrik Streeck und der Statistiker Hendrik Liebl hatten zuvor Zweifel an der Aussagefähigkeit der Drosten-Studie geäußert. In einem Beitrag für den “Tagesspiegel” hatte Kekulé Drosten bereits vorgeworfen, schwerwiegende Fehler bei der Auswertung der Proben gemacht zu haben. Die mit Tupfern genommenen Probenmengen seien “nicht miteinander vergleichbar”, außerdem habe der Virologe der Charité unterschiedliche Analysegeräte verwendet. Hinzu käme, dass die verwendete statistische Methode nicht dafür geeignet sei herauszufinden, ob Kinder mehr oder weniger ansteckend sind als Erwachsene.

Drosten wiederum wehrte sich auf Twitter gegen die Vorwürfe und warf Kekulé Stimmungsmache vor. Von einem “Streit unter Virologen” will Kekulé gegenüber dem Deutschlandfunk allerdings nichts wissen.

RND/ma

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