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Jupiter holt im Wettspurt Saturn ein: Sonne, Mond und Sterne im Dezember 2020

  • Im Sternbild Steinbock wird der Riesenplanet Jupiter den Saturn einholen.
  • Zudem tauchen die Sternschnuppen des Geminidenstroms auf.
  • Und an Heiligabend passiert der Mond seinen erdfernsten Bahnpunkt, wo ihn diesmal 405.010 Kilometer von uns trennen.
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Stuttgart. Kurz vor Weihnachten erreicht das Rennen zweier Planeten seinen Höhepunkt: Jupiter setzt zum Endspurt an. In den letzten Monaten konnte man beobachten, wie der Riesenplanet Saturn verfolgt. Immer näher rückt Jupiter an den Ringplaneten heran. Am 21. Dezember ist es schließlich soweit: Jupiter holt Saturn im Sternbild Steinbock ein. Nur in einem winzigen Abstand von einem Fünftel Vollmond-Durchmesser zieht er südlich am Ringplaneten vorbei. Beide Planeten sehen dann aus wie ein heller Doppelstern.

Große Konjunktion: Wenn sich Jupiter und Saturn begegnen

Allerdings kann man das Planetenpaar nur kurz in der fortgeschrittenen Abenddämmerung tief am Südwesthimmel sehen. Jupiter ist der hellere Planet, Saturn zeigt sich in einem fahlen, gelblichen Licht und ist merklich lichtschwächer. Gegen halb sieben Uhr abends versinken beide unter dem Südwesthorizont. Zu den beiden Riesenplaneten gesellt sich am 17. die schmale Sichel des zunehmenden Mondes, ein netter Himmelsanblick gegen 18 Uhr.

Eine Begegnung der Planeten Jupiter und Saturn wird große Konjunktion genannt. Da Jupiter in zwölf Jahren und Saturn in knapp dreißig Jahren die Sonne umrunden, kommt es alle zwanzig Jahre zu einem Rendezvous. Zuletzt begegneten Jupiter und Saturn einander Ende Mai 2000 im Sternbild Stier. Allerdings war jenes Treffen längst nicht so spektakulär wie in diesem Jahr, denn beide blieben damals zwei Vollmond-Durchmesser voneinander getrennt. Auch die nächste große Konjunktion am 31. Oktober 2040 im Sternbild Jungfrau wird nicht so eng ausfallen wie diesmal. Erst am 15. Mai 2080 wird wieder eine so nahe Begegnung von Jupiter und Saturn wie in diesem Jahr erfolgen.

Extremste Annäherung der Riesenplaneten ist am 9. März 4523 zu erwarten

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Eine noch engere Begegnung der beiden Riesenplaneten fand im Jahre 424 vor Chr. statt. Zu Weihnachten 2874, nämlich am 25. Dezember, wird erneut eine auffällig enge Konjunktion eintreten. Jupiter wird in nur einem Fünfzehntel Vollmond-Durchmesser an Saturn vorbeiziehen. Die extremste Annäherung beider Riesenplaneten ist am 9. März 4523 zu erwarten. Für das bloße Auge werden Jupiter und Saturn dann für eine Stunde wie ein einziges, helles Gestirn aussehen.

Finden Oppositionen von Jupiter und Saturn fast gleichzeitig statt, stehen sie also von der Erde aus betrachtet gemeinsam der Sonne gegenüber, spricht man von einer dreifachen großen Konjunktion. Dies ist ein sehr seltenes Ereignis: Im 20. Jahrhundert kam es zweimal zu einer solchen „größten Konjunktion“ – jeweils um den Jahreswechsel 1940/1941 sowie 1980/1981. Die letzte davor fand 1682 statt. Wer keine der beiden letzten dreifachen Konjunktionen verfolgt hat, wird in seinem Leben keine Gelegenheit mehr dazu erhalten. Die nächste dreifache Begegnung findet erst 2238/2239 statt. Dann werden Jupiter und Saturn bei ihrer Schleifenbewegung zur Oppositionszeit dreimal aneinander vorbeilaufen.

Mars beherrscht den Nachthimmel

Schon Johannes Kepler hat vermutet, dass die dreifache Konjunktion von Jupiter und Saturn im Jahre 7 vor Chr. als „Stern von Bethlehem“ zu deuten ist. Damals erschien eine Delegation von Tempelpriestern aus Babylon in Jerusalem, um dem vermeintlich neugeborenen König der Juden ihre Aufwartung zu machen. Sie waren der Ansicht, dass die Stadtgottheit von Babylon, repräsentiert durch Jupiter, dreimal den König der Juden, nämlich Saturn, in dessen Land Palästina besucht. Sie sahen dies als Zeichen an, dass ein Thronfolger geboren wurde.

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Mars beherrscht nach wie vor den Nachthimmel. Allerdings nimmt seine Helligkeit bis Jahresende um fast eine Größenklasse ab, denn die Erde entfernt sich von dem gelbroten Planeten. Zum Jahresende ist Mars bereits 134 Millionen Kilometer entfernt – mehr als doppelt so weit wie Anfang Oktober, als die Erde Mars auf der Innenbahn überholte. Dennoch bleibt der äußere Nachbarplanet ein auffälliges Gestirn. Vom Morgenhimmel zieht sich Mars zurück. In der Nacht vom 23. auf den 24. passiert der zunehmende Mond den rötlichen Planeten ein wenig südlich.

Sternschnuppen des Geminidenstroms tauchen im Dezember auf

Venus kann noch am Morgenhimmel gesehen werden. Sie ist aber längst nicht mehr so auffällig wie in den Sommermonaten und zu Herbstbeginn. Sie geht immer später auf. Am 24. wandert sie nördlich an Antares, dem roten Riesenstern im Skorpion vorbei. Geht Venus Anfang Dezember noch kurz vor halb sechs Uhr morgens auf, so erfolgt ihr Aufgang zu Silvester erst gegen sieben Uhr. Im Fernrohr zeigte sie sich klein und rundlich. Von einer Sichelgestalt ist nichts mehr zu bemerken. Merkur hat seine günstige Morgensichtbarkeit von November beendet. Der flinke Planet zeigt sich nicht, er bleibt in den Strahlen der Sonne verborgen.

Vom 6. bis 16. Dezember tauchen die Sternschnuppen des Geminidenstroms auf. Die Meteore scheinen aus dem Sternbild Zwillinge zu kommen und flitzen in alle Himmelsrichtungen, ein rein perspektivischer Effekt. Die meisten Geminiden sind mit einer stündlichen Rate von bis zu 120 in der Nacht vom 13. auf 14. zu erwarten. Da ein Beobachter nur rund ein Fünftel des Sternenzelts gleichzeitig beobachten kann, muss man im Schnitt zwei bis drei Minuten warten, um eine Geminide zu erblicken.

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405.010 Kilometer: Mond passiert seinen erdfernsten Bahnpunkt

Spät abends am 12. befindet sich der Mond mit 361.770 Kilometer in Erdnähe. Die Neumond-Phase tritt am 14. um 17:17 Uhr ein. Da der Mond am gleichen Tag die Erdbahn-Ebene von Nord nach Süd kreuzt, fällt sein Schatten auf den Erdglobus. Es ereignet sich eine totale Sonnenfinsternis, die aber fast auf der gesamten Nordhalbkugel der Erde unbeobachtbar bleibt. Die Totalitätszone verläuft fast ausschließlich über Wasser. Sie zieht sich vom Südpazifik über die Südspitze Südamerikas und endet im Südatlantik kurz vor der Küste Namibias. Die maximale Dauer der totalen Verfinsterung erreicht zwei Minuten und zehn Sekunden.

Am 24. passiert der Mond seinen erdfernsten Bahnpunkt, wo ihn diesmal 405.010 Kilometer von uns trennen. Der Vollmond leuchtet in der Nacht vom 29. auf 30. im Sternbild Zwillinge, wobei er gegen Mitternacht die höchste Vollmond-Position des ganzen Jahres einnimmt. Der exakte Vollmond wird um 4:28 Uhr erreicht.

Leitsternbild des Winterhimmels: Orion dominiert den Südosthimmel

Die Herbst-Sternbilder sind alle nach Westen gerückt. Hoch im Westen steht das Pegasusquadrat, das Leitsternbild des Herbstes. Im Südwesten nehmen die unscheinbaren Fische ihren Platz ein, in denen der helle Mars strahlt. Fast senkrecht über unseren Köpfen erblickt man den Perseus. Zwischen ihm und dem Pegasusquadrat spannt sich die Sternenkette der Andromeda.

Am Osthimmel sind die Winter-Sternbilder aufmarschiert. Das Wintersechseck ist nun komplett. Es setzt sich aus der gelben Kapella im Fuhrmann an der Spitze, dem roten Stierauge Aldebaran, dem blau-weißen Rigel im Orion, dem hell funkelnden Sirius im Großen Hund, Prokyon im Kleinen Hund und Pollux in den Zwillingen zusammen. Unübersehbar dominiert der Orion den Südosthimmel – das Leitsternbild des Winterhimmels.

Am 18. wechselt die Sonne um 2 Uhr morgens aus dem Schlangenträger in das Sternbild Schütze. Drei Tage später passiert sie am 21. um 11:02 Uhr den tiefsten Punkt ihrer Jahresbahn, der astronomische Winter hält seinen Einzug. Der Winterpunkt markiert den Beginn des Tierkreiszeichen Steinbock, weshalb man auch vom Wendekreis des Steinbocks spricht. Der 21. Dezember ist der kürzeste Tag des Jahres.

RND/dpa

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