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Imker in Sorge: Asiatische Hornissen bedrohen deutsche Bienen

  • Die aus Südostasien stammende Vespa velutina breitet sich immer weiter in Europa aus.
  • In Frankreich haben die Insekten mit den knallgelben Beinen schon Schaden angerichtet. Nun gibt es auch in Deutschland neue Funde.
  • Unter Imkern löst der Import aus Fernost Sorge aus – denn Bienen stehen auf dem Speiseplan der Hornisse mit den knallgelben Füßen ganz oben.
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Hannover. Die Biene, das wissen wir, hat es hierzulande schwer. Die Zahl der Bienenvölker sinkt dramatisch, etwa die Hälfte der über 700 in Deutschland lebenden Wildbienenarten ist bedroht. Vor allem die industrielle Landwirtschaft, Monokulturen und der Einsatz von Pestiziden, aber auch Varroa-Milben und die Klimaerwärmung machen den Bestäubern zunehmend zu schaffen. Und jetzt gibt es auch noch einen geflügelten Feind aus Fernost, gegen den die europäische Biene keine Chance hat: die Asiatische Hornisse. Bereits 2014 tauchte die Vespa velutina in Karlsruhe auf. Vor einigen Tagen wurde sie erstmals in Hessen nachgewiesen.

Ein Imker aus Lorsch an der Bergstraße habe die Asiatische Hornisse entdeckt und fotografiert, teilte das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) in Wiesbaden mit: „Damit findet eine weitere, bisher in Hessen nicht vorkommende Art ausreichende Lebensbedingungen vor, um hier Populationen zu gründen.“ Nun geht unter Imkern die Angst um. Denn die schwarz-gelbe Hornissenart ernährt sich hauptsächlich von Bienen – bis zu 85 Prozent ihrer Nahrung bestehen aus dem Lieblingsinsekt der Deutschen.

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Angriff erfolgt am Bienenstockloch

„Regelmäßig kann die Jagd auf Honigbienen am Bienenstand beobachtet werden“, erklärt das Landesamt. Dabei zeigt die Asiatische Hornisse ein ungewöhnlich aggressives Jagdverhalten. So lauert sie im Schwebeflug vor Fluglöchern der Stöcke und stürzt sich dann auf heimkehrende Bienen. Es heißt, dass der Angreifer aus Asien sogar rückwärts fliegen kann. Die Völker der Asiatischen Hornisse beherbergen zwischen ein- und zweitausend Tiere und damit gut doppelt so viele wie ihre europäische Verwandtschaft. Auch das könne sie dem Landesamt zufolge zu „einer Gefährdung der einheimischen Wespen- und Bienenarten“ machen. Zudem gilt die Vespa velutina als äußerst robust und sei auch bei niedrigen Temperaturen im November noch sehr aktiv, berichtet die Nabu-Expertin Melanie von Orlow dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.

Andere europäische Länder haben ihre Erfahrungen damit schon gemacht. Denn in Spanien und Frankreich treibt die Vespa velutina schon seit einigen Jahren ihr Unwesen. Im Südwesten Frankreichs seien Völker dieser Hornisse inzwischen in sechs Departements nachgewiesen worden, wie der Nabu mitteilt. Französische Imker berichteten in der Vergangenheit, dass täglich gut zehn der invasiven Hornissen vor ihren Bienenstöcken patrouillierten, um Bienen zu töten. Einigen Imkern blieb nur der Rückzug – sie brachten ihre Schützlinge an weit entfernten Orten in Sicherheit.

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Hornisse mit Importware eingeschleppt

Die Einwanderung von Vespa velutina sei inzwischen unumkehrbar, meint von Orlow. Es bleibe nur die Möglichkeit, abzuwarten und zu beobachten, inwieweit diese Art Einfluss auf die heimische Fauna haben wird. In Frankreich und Spanien versucht man der Asiatischen Hornisse unter anderem durch groß angelegte Fangaktionen mit beköderten Flaschen beizukommen. „In Deutschland wäre ein solches Vorgehen nicht gestattet, da in den Flaschen auch unzählige heimische und bedrohte Insekten ums Leben kommen“, sagt von Orlow.

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Und wie gelangen die schwarzen Räuber mit den gelben Füßen nach Europa? „Die Asiatische Hornisse wurde vermutlich mit asiatischen Importwaren eingeschleppt“, so die Nabu-Expertin. Im Zuge des Klimawandels würden die Winter milder, so dass auch exotische Arten in Europa stabile Populationen bilden könnten. „Die Ausbreitung der Asiatischen Hornisse zeigt, dass sie mit dem europäischen Klima gut zurechtkommt und hier nur geringen Druck durch Fressfeinde oder Konkurrenten erfährt.“ Nach Angaben des französischen Imkerverbandes UNAF dringt die Hornisse jährlich 100 bis 150 Kilometer weiter vor.

Landwirt in Spanien stirbt nach Stichen

Hornissen zählen zur Familie der Wespen und sind entgegen dem Volksglauben nicht gefährlicher als Wespen. Das gilt auch für die „Gelbfüße“ aus Asien. „Die Stiche sind nicht gefährlicher als die einheimischer Wespenarten“, sagt Nabu-Expertin von Orlow. Genau wie bei der europäischen Hornisse können die giftigen Stiche nach bisherigen Erkenntnissen nur bei einem allergischen Schock lebensgefährlich werden. Außerdem baut die eingeflogene Hornisse aus Asien ihre Nester vorzugsweise in Baumwipfeln in mehr als zehn Metern Höhe. Einheimische Hornissen nisten lieber in Bodennähe.

Dass sie dennoch für Menschen gefährlich werden können, zeigt ein aktueller Fall aus Spanien: Auf dem Festland im Nordwesten haben Asiatische Hornissen einen Landwirt totgestochen. Der 67-Jährige starb nach Berichten der spanischen Medien am 18. Oktober bei Lugo in der Region Galicien. Ein Schwarm hatte ihn massiv angegriffen, als er mit seinem Traktor unterwegs war. Der Mann hatte noch zu fliehen versucht, war aber dann zusammengebrochen. Noch sei unklar, ob er allergisch gegen solche Stiche war oder nicht.

RND

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