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  • Illegales Töten von Wölfen in Deutschland: Naturschützer sehen Verantwortung bei Politik

Naturschützer: Wölfe werden vermehrt illegal getötet

  • Allein in diesem Jahr wurden in Deutschland elf Wölfe illegal getötet - das sind bereits mehr als im gesamten letzten Jahr.
  • Naturschützerinnen und -schützer sehen die Politik in der Mitverantwortung, da es an Unterstützung für Nutztierhalterinnen und -halter fehle.
  • Nicht nur Wölfe sind davon betroffen, sondern auch Luchse oder Greifvögel sind Opfer illegaler Tötungen.
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Berlin. In Deutschland werden nach Angaben des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) immer mehr Wölfe illegal getötet. Mit dem Fund von drei erschossenen Tieren Ende September in Mecklenburg-Vorpommern sei für das Jahr 2021 bereits jetzt ein Höchststand erreicht, teilte der Umweltschutzverband mit. Insgesamt seien dieses Jahr elf Wölfe gefunden worden, die ohne rechtliche Genehmigung getötet worden seien. 2020 waren es nach Nabu-Angaben acht illegale Tötungen, 2019 und 2018 jeweils neun. Dazu komme eine vermutlich hohe Dunkelziffer.

„Jede dieser Tötungen ist eine Straftat und muss strafrechtlich verfolgt werden“, sagte Nabu-Fachbereichsleiter Ralf Schulte. Naturschützerinnen und Naturschützer sähen die Politik in Mitverantwortung an Abschüssen ohne Genehmigung. Sie müsse den Fokus auf Unterstützung der Nutztierhalterinnen und -halter beim Herdenschutz legen, anstatt die Bejagung von Wölfen zu diskutieren.

Tötungsfälle werden kaum aufgeklärt

Seit Rückkehr der Wölfe nach Deutschland im Jahr 2000 wurden nach Nabu-Angaben insgesamt 64 Tiere illegal getötet. Kaum einer dieser Fälle habe aufgeklärt werden können. Denn den Bundesländern fehle es an Fachstellen für Artenschutzkriminalität. Nicht nur Wölfe seien betroffen, auch Luchse würden immer wieder getötet aufgefunden, ebenso etliche Greifvögel.

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Nach jüngsten Daten der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf für das Monitoringjahr 2019/20 wurden in Deutschland 128 Rudel, 39 Wolfspaare und 9 territoriale Einzeltiere nachgewiesen. 2020 registrierte die Stelle bundesweit 942 Übergriffe von Wölfen auf Nutztiere, die meisten in Niedersachsen und Brandenburg. Die Höhe der Fördermittel der Bundesländer für Herdenschutzmaßnahmen lag im vergangenen Jahr bei rund 9,5 Millionen Euro, die Höhe der Schadensausgleichzahlungen betrug rund 800.000 Euro.

Jagdverband: Wölfe nur als „bedingt geschützt“ einstufen

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Der Deutsche Jagdverband fordert eine Statusänderung beim Wolf von „streng geschützt“ zu „bedingt geschützt“. Das bedeute noch lange nicht, dass jeder Jäger oder jede Jägerin Wölfe jagen dürfe. Der Verband verurteile das illegale Töten von Wölfen aufs Schärfste, teilte ein Sprecher am Samstag mit. „Die Behörden sind aufgefordert, die Fälle möglichst umfassend zu untersuchen.“ Gleichzeitig müssten Sorgen und Ängste ernstgenommen werden.

RND/dpa

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