• Startseite
  • Wissen
  • Igel im Herbst und Winter: Wann brauchen sie Hilfe und wann nicht?

Im Herbst und Winter: Wann Igel Hilfe brauchen – und wann nicht

  • Igel fressen sich im Herbst ihre Fettreserven an, um gut genährt in den Winterschlaf zu gehen.
  • Doch durch das Insektensterben und eine igelfeindliche Umgebung haben viele Tiere dabei Probleme.
  • Dennoch sollte man Igeln nur im Notfall helfen. Wann genau und wie – dazu hier alle Infos.
Katrin Schreiter
|
Anzeige
Anzeige

Berlin. Wie niedlich! Plötzlich tippelt ein Igel durch den Garten oder schnauft vor der Tür. Doch das heißt noch lange nicht, dass das Tier Hilfe benötigt. Igel gehören nach dem Bundesnaturschutzgesetz zu den besonders geschützten Tieren und – auch in Herbst und Winter.

Welche Tiere brauchen Hilfe?

Mitunter ist nicht so leicht zu erkennen, ob ein Igel Hilfe braucht. Der Verein Pro Igel gibt folgende Orientierung:

Anzeige

Hilfsbedürftig sind:

  • verwaiste Igelsäuglinge (geschlossene Augen und Ohren, tagsüber außerhalb des Nestes)
  • verletzte Igel
  • unterernährte Igel (Unterernährte Igel sind wurstförmig, haben eingefallene Flanken und eine deutliche Einbuchtung hinter dem Kopf. Gesunde, wohlgenährte Igel sind birnenförmig: vorne schmal und hinten dick.)
  • kranke Igel (Sie laufen oder liegen meist tagsüber herum, sind apathisch, mager und haben eingefallene Augen.)
  • Jungigel, die Anfang November weniger als 500 Gramm wiegen,
  • Igel, die nach Wintereinbruch noch aktiv sind (das heißt bei Dauerfrost und/oder Schnee, ebenfalls meist tagsüber unterwegs).
Anzeige

Um zu erkennen, ob ein Igel tatsächlich krank ist, nimmt man ihn mit Handschuhen oder einem Tuch vorsichtig auf und dreht ihn auf den Rücken: Wenn der Igel sich nicht zur Kugel zusammenrollt und sich der Igelbauch deutlich kalt anfühlt, braucht das Tier Hilfe.

Igeln helfen – aber wie?

Anzeige

Wer einen hilfsbedürftigen Igel gefunden hat, sollte sich unbedingt Rat bei Experten holen. Fachkundige Tipps und die Nummer einer Beratungshotline gibt es zum Beispiel auf der Webseite des Vereins Pro Igel. Häufig wissen auch Tierärztinnen und Tierärzte, der örtliche Tierschutzverein oder das Veterinäramt, wo in der Nähe eine Igelstation ist.

Tipps für die schnelle Hilfe für Igel

Nicht immer ist gleich ein Tierarzt, eine Tierärztin oder ein anderer Experte zur Stelle. Für die ersten Schritte beziehungsweise die Erste Hilfe empfiehlt der Verein Pro Igel:

  • Funddaten und Gewicht des Igels notieren.
  • Fliegeneier, Maden, Flöhe und Zecken entfernen.
Video
Igelhilfe im Winter – Aber richtig!
1:24 min
Sie haben einen Igel zur Winterzeit entdeckt und wollen helfen? Das müssen Sie beim Umgang mit den Tieren beachten.  © RND
  • Igel auf Verletzungen untersuchen.
  • Unterkühlte Igel wärmen: Den Igel dafür vorsichtig auf eine handwarme Wärmflasche setzen und beides in ein Handtuch einwickeln.
  • Füttern: Als Futter eignet sich zum Beispiel eine Mischung aus Katzenfutter, Igeltrockenfutter (im Handel erhältlich) und ungewürztem Rührei. Obst hingegen ist nicht geeignet. Zum Trinken nur Wasser anbieten, keinesfalls Milch! Igel können Laktose nicht verdauen. Sie bekommen von Milch Durchfall und können daran sterben.
  • Gehege mit Schlafhäuschen einrichten: Das Gehege muss mindestens zwei Quadratmeter groß sein und etwa 50 Zentimeter hohe Seitenwände aus Holz- oder Hartfaserplatten haben. Als Schlafhaus dient ein mit Papier ausgelegter Karton.
Anzeige

Willkommen im Garten!

Mit ein paar Überlegungen und Handgriffen kann jeder die Lebensbedingungen für Igel im eigenen Garten verbessern. Das beginnt bei der Gestaltung, bei der man vor allem auf einheimische Pflanzen setzt. Wichtig ist auch, giftfrei zu gärtnern und Unterschlupfmöglichkeiten zu schaffen, zum Beispiel durch Hohlräume in Holzstößen oder unter Gartenhäuschen.

Im Herbst empfiehlt es sich, einen Haufen trockenes Laub mit Ästen und einer Plastikplane abzudecken und die Ecken mit Steinen zu beschweren. Je größer der Laubhaufen, desto besser ist die Wärmedämmung im Winterquartier.

Mäusefalle und Müllsäcke

Auch Komposthaufen sind beliebte Igelschlafplätze. Den Haufen deshalb nur vorsichtig und nicht zwischen November und März umsetzen. Mäuse- und Rattenfallen sollten mindestens 50 Zentimeter hoch aufgestellt werden. Auch Laubsauger können Igeln gefährlich werden – denn sie saugen Kleinlebewesen (Igelnahrung) ein oder sogar kleine Jungtiere.

Achtung: Hungrige Igel wühlen gerne in Gelben Säcken und verfangen sich darin. Mülltüten deshalb möglichst erst am Morgen auf die Straße stellen oder an den Zaun hängen.

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen