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Schulfrei bei hohen Temperaturen

Hitzefrei an Schulen: Wann dürfen Schüler zu Hause bleiben?

Hitzefrei an Schulen: Wann dürfen Schüler zu Hause bleiben?

Temperaturen von teils über 40 Grad werden in dieser Woche in Deutschland erwartet. Bei solchen Temperaturen raten Expertinnen und Experten sich vor der Hitze zu schützen. Das heißt: Viel trinken, mit Sonnenschutzmitteln eincremen und möglichst im Haus bleiben. Letzteres ist aber nicht immer so einfach: Wie Arbeitnehmende oftmals dennoch den Weg zur Arbeit antreten müssen, bekommen auch Schülerinnen und Schüler in Deutschland nicht immer automatisch Hitzefrei. Wieso gibt es das hierzulande so selten? Und welche Temperaturen müssen erreicht werden, dass der Unterricht ausfällt? Ein Überblick.

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Hitzefrei: Kein bundesweites Hitzefreigesetz

In Deutschland gibt es kein bundesweites Hitzefreigesetz: Die Bundesländer können eigenständig entscheiden, ob und wann es in Schulen Hitzefrei gibt. Nur vereinzelt folgt man dabei Richtwerten.

Grundsätzlich gäbe es heutzutage, selbst bei drückender Schwüle und hochsommerlichen Temperaturen, immer seltener Hitzefrei, so Michael Gomolzig vom Verband Bildung und Erziehung (VBE) in Baden-Württemberg. Verlässlichen Grund- oder Ganztagsschulen fehle der Spielraum: Entließen Schulleiter die Schüler wegen schwüler, drückender Hitze früher als nach Stundenplan, rufe garantiert eine aufge­brachte Mutter oder ein aufgebrachter Vater in der Schule an und beschwere sich darüber, dass schon wieder Un­terricht ausfalle, erklärt Gomolzig.

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Lasse der Rektor die Schüler jedoch bis zur letzten Stunde über ihren Büchern schwitzen, müsse er sich von anderen Eltern vorwerfen lassen, dass er kein Herz für Kinder habe. Fakt ist: Für Familien, in denen beide Elternteile berufstätig sind oder bei Alleinerziehenden wäre bei einem vorzeitigen Schulschluss die Beaufsichtigung der Kinder nicht gewährleistet.

Wann es Hitzefrei gibt, hängt vom Bundesland ab

Ob oder wann es Hitzefrei gibt, liegt zwar bei der Schulleitung – in einigen Bundesländern gibt es aber Richtlinien, denen man folgt.

Brandenburg: Für Grundschulen und die Sekundarstufe I, also die Klassenstufen eins bis zehn, gilt in Brandenburg laut dem Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (MBJS): “Werden um 10 Uhr 25 Grad Außentemperatur im Schatten oder um 11 Uhr an einem für die Raumlufttemperatur innerhalb des Gebäudes repräsentativen Ort 25 Grad Celsius gemessen, soll nicht länger als bis 12 Uhr unterrichtet werden, sofern in der Zwischenzeit keine wesentliche Abkühlung eingetreten ist.” Für Schüler der Sekundarstufe II, des zweiten Bildungsweges und der Fachschulen werde der Unterricht in der Regel dem Stundenplan entsprechend fortgesetzt.

Bremen: In Bremen kann ab einem Richtwert von mindestens 25 Grad im Schulgebäude der Unterricht beendet werden. Dabei darf die Temperatur allerdings nicht in einem Raum gemessen werden, der direkter Sonnenstrahlung ausgesetzt ist. Ausgenommen ist der Schwimmunterricht.

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Nordrhein-Westfalen: In Nordrhein-Westfalen gilt der Richtwert einer Raumtemperatur von mehr als 27 Grad Celsius. Die Schulleitung darf aber bereits ab 25 Grad die Schülerinnen und Schüler nach Hause schicken. Bei unter 25 Grad ist Hitzefrei in Nordrhein-Westfalen nicht zulässig.

Mecklenburg-Vorpommern: Hier sollen die Unterrichtsstunden nur im Notfall ausfallen – also, wenn die Wärme und Luftfeuchtigkeit nicht mehr zumutbar sind. Die Schulleitung prüft daher zunächst, ob der Unterricht in den Schulräumen durch hohe Temperaturen so stark beeinträchtigt ist, dass ein konzentriertes Arbeiten kaum möglich ist, heißt es beim Ministerium für Bildung und Kindertagesförderung. Der Unterricht sollte zudem zu einer Zeit beendet werden, die dem Schluss der dritten oder vierten Unterrichtsstunde entspricht.

Saarland: Das saarländische Ministerium für Bildung und Kultur legt zwar fest, dass die schulische Betreuung an besonders heißen Tagen gewährleistet sein muss, allerdings muss jede Schule für das Wohl der Schüler und Lehrkräfte sorgen. Ist das Klassenzimmer zum Beispiel überhitzt, können stattdessen Ausflüge gemacht werden. Und: Ist die Außentemperatur bis 10 Uhr bereits bei 23 Grad im Schatten, dürfen in der Sekundarstufe I keine Klassenarbeiten mehr geschrieben werden. Auch Hausaufgaben für den nächsten Tag werden nicht erteilt.

Sachsen-Anhalt: In Sachsen-Anhalt gilt für die Sekundarstufe I: An Tagen, an denen um elf Uhr im Unterrichtsraum 26 Grad Celsius oder mehr erreicht werden, kann der Unterricht beendet werden. Auch eine Einbeziehung der Jahrgänge 11 und 12 sei in Ausnahmefällen möglich.

11 Tipps gegen Hitze

So können Sie dafür sorgen, große Hitze im Alltag zu überstehen.

Hitzefrei: Meistens entscheidet die Schulleitung

In den meisten Fällen entscheidet die Schulleitung, wann oder ob es Hitzefrei gibt. Das gilt für Baden-Württemberg, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen. In Bayern trifft das Ministerium die Entscheidung darüber, ob Schüler frühzeitig nach Hause gehen können, von der Situation abhängig: Kann der Unterricht zum Beispiel an kühlere Orte verlegt werden?

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In Berlin wird härter durchgegriffen. Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie macht deutlich: „Schule ist Pflicht. Und der Ausfall oder das Versäumen von Unterricht muss die Ausnahme sein. Darum gibt es kein ‚Hitzefrei‘ ab einer bestimmten Temperatur mehr, sondern der Unterricht soll den Witterungsverhältnissen angepasst stattfinden.“

Kriegen Eltern eine Freistellung, wenn Kinder Hitzefrei haben?

Kriegen Kinder der Sekundarstufe I Hitzefrei, können Eltern, ähnlich wie bei Kinderkrankentagen, freigestellt werden, sofern sie keine andere Betreuung für den Nachwuchs finden. Grundsätzlich muss ein Arbeitnehmer die Fehlzeit dann aber nicht bezahlen – es sei denn, der Fall ist im Arbeitsvertrag als Sonderurlaub geregelt.

Hitzefrei im Büro und in der Ausbildung?

Was für Schülerinnen und Schüler gilt, sollte auch für Beschäftigte und Auszubildende gelten – oder? Fehlanzeige. Hitzefrei wie an Schulen gibt es nicht. Allerdings regelt die sogenannte Arbeitsstättenverordnung, was Arbeitgeber zur Raumtemperatur beachten müssen. So wird der Mindestwert der Lufttemperatur an dem Grad der Arbeitsschwere gemessen: Je schwerer die auszuführende Arbeit, desto niedriger der Mindestwert der Raumtemperatur. Die Schwere der Arbeit wird dabei an der meistgenutzten Körperhaltung und den vorrangigen Bewegungen gemessen.

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Doch ab wie viel Grad ist Arbeit unzumutbar? Wenn die Temperatur auf über 30 Grad steigt, greift das Arbeitsschutzgesetz. In diesem Fall muss die Temperatur am Arbeitsplatz “durch effektive Maßnahmen gesenkt werden”. Erst wenn die 35-Grad-Grenze überschritten wird, gilt ein Raum nicht mehr als Arbeitsraum.

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