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Böllerverbote: Das sollten Sie über Feuerwerkskörper wissen

  • Immerhin 5000 Tonnen Feinstaub werden alljährlich in der Silvesternacht freigesetzt.
  • Das entspricht etwa 16 Prozent der jährlich durch den Verkehr entstehenden Feinstaubmenge.
  • Das hat Folgen für die Umwelt und die Gesundheit.
Michèle Förster
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Gerade erst hat die Deutsche Umwelthilfe die Bundesregierung aufgefordert, das Feuerwerk in der Silvesternacht in besonders mit Feinstaub belasteten Städten zu verbieten. Der Verein setzt sich wegen der großen Belastung für Mensch, Tier und Umwelt bereits seit einigen Jahren gegen die Schwarzpulverböllerei ein.

Rückhalt gibt es auch aus der Bevölkerung, wie aktuelle Umfragewerte von YouGov und Statista zeigen. 86 Prozent der Deutschen sind der Meinung, dass Silvesterknaller zu viel Müll verursachen, 60 Prozent finden sogar, dass es in Großstädten nur offizielle, zentrale Feuerwerke geben sollte. Die Deutsche Umwelthilfe möchte privates Feuerwerk weitestgehend einschränken und plädiert stattdessen für eine saubere Alternative aus Laser- und Lichtshows.

Am Neujahrstag ist die Konzentration von Feinstaub in manchen Städten so hoch wie sonst im ganzen Jahr nicht. © Quelle: Umweltbundesamt
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Wie umweltschädlich sind Feuerwerkskörper?

Jedes Jahr werden in Deutschland zum Jahreswechsel Feuerwerkskörper im Wert von bis zu 150 Millionen Euro angezündet. Nach wenigen Stunden ist das farbenfrohe Spektakel vorbei, zurück bleiben nur Berge von Müll und Rauchschwaden in der Luft. Und genau da liegt das Problem: Immerhin 5000 Tonnen Feinstaub werden alljährlich in der Silvesternacht freigesetzt. Das entspricht etwa 16 Prozent der jährlich durch den Verkehr entstehenden Feinstaubmenge, wie das Umweltbundesamt (Uba) bilanziert hat.

Ein weiteres Problem sind die großen Abfallmengen, die nach dem Silvesterabend zum Teil in der Umwelt liegen bleiben. Vor allem Verpackungsmaterial und Raketenhüllen sind schwer abbaubar. Zusätzlich enthält jede Rakete Chemikalien. Neben dem Schwarzpulver, das als Treibladung dient, sind zum Beispiel Phosphor oder Schwefel als Brennmaterialien enthalten. Für die verschiedenen Farbeffekte sorgen beispielsweise Kupfer, Calcium oder Barium.

Hat das gesundheitliche Folgen?

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Das Einatmen von Feinstaub ist alles andere als ungefährlich, so das Uba. Demnach reichen die Auswirkungen von vorübergehenden Beeinträchtigungen der Atemwege bis hin zu anhaltenden Atemwegserkrankungen und Herz-Kreislauf-Problemen. Dazu kommen unzählige Verletzungen durch Feuerwerkskörper, die jedes Jahr in den Notaufnahmen der Krankenhäuser behandelt werden müssen. Auch bei der Produktion der Feuerwerkskörper etwa in China oder Indien gibt es nicht selten teilweise schwere Unfälle. Dazu kommen Kinderarbeit und miserable Arbeitsbedingungen, wie unter anderem das Hilfswerk „Jugend eine Welt“ berichtet.

Wo ist die Feinstaubbelastung am höchsten?

Per Antrag fordert die Deutsche Umwelthilfe die Bundesregierung aktuell auf, ein Feuerwerksverbot für 98 mit Feinstaub hoch belastete Orte auszusprechen. Diese deutschen Städte hätten den von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als unschädlich angesehenen Jahresdurchschnittswert von 20 µg/m³ Feinstaub bereits überschritten. Der Grenzwert der EU liegt mit 25 µg/m³ zwar noch darüber, doch selbst diesen Wert überschreiten laut Umwelthilfe einige Städte.

„In den 98 am stärksten belasteten Städten haben wir formale Anträge gestellt und hoffen, dass möglichst viele bereits zum kommenden Jahreswechsel innerstädtische Böllerverbote beschließen und sich damit für die saubere Luft und für ihre Bürgerinnen und Bürger entscheiden", sagte Jürgen Resch, der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, bei der Präsentation des Antrags in Berlin.

Himmelslaternen: Unterschätzte Gefahr

Bei Himmelslaternen sind weniger Feinstaubpartikel oder Emissionen zu erwarten, als bei klassischem Feuerwerk. Jedoch ist das Steigenlassen in Deutschland nur unter strikten Vorschriften und mit Ausnahmegenehmigung erlaubt. In der Silvesternacht zum Jahreswechsel 2019/20 sollen Himmelslaternen die Brandursache für ein Großfeuer im Krefelder Zoo gewesen sein, bei dem dort alle Affen im Affenhaus ums Leben kamen. Himmelslaternen hätten in der Nähe des Zoos nicht steigen gelassen werden dürfen. Sie haben eine offene Feuerquelle, sind leicht entflammbar und können nicht gesteuert werden.

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Wie kann man sich für ein Verbot einsetzen?

Aus diesem Grund hat der Verein gemeinsam mit Andrea Glomba eine Onlinepetition gestartet, in der die Bürger dazu aufgerufen werden, für ein Böllerverbot in ihrer Gemeinde auch selbst aktiv zu werden. „Silvester muss kein gefährliches, umweltbelastendes Fest sein“, meint die Aktivistin. „Gemeinsam können wir der Politik klarmachen: Es wird Zeit für zeitgemäße und sichere Alternativen.“

Wo gelten bereits Verbote?

Seit dem letzten Jahreswechsel gelten in einigen Innenstädten in Deutschland bereits Pyroverbote. So sollen beispielsweise in Goslar, Tübingen, Konstanz, Bremen oder Ravensburg historische Gebäude und der Altstadtkern vor Bränden geschützt werden. Gleiches gilt für Hildesheim, Lüneburg, Celle, Wolfenbüttel und Hameln.

In Hannover wurden Verbote in bestimmten Bereichen der Innenstadt verhängt, weil es dort in der Vergangenheit immer wieder zu gefährlichen Situationen gekommen war, bei denen Böller auf Zuschauergruppen geworfen wurden. Aus demselben Grund hat auch Göttingen böllerfreie Bereiche eingerichtet. Bestimmte Zonen, in denen Feuerwerk komplett untersagt ist, gibt es darüber hinaus in Straubing, Düsseldorf, Dortmund, Nürnberg, München, Bamberg, Würzburg oder Landshut.

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