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Hilfe für HIV-Patienten: Neues Verfahren misst inaktive Erreger im Körper

  • HIV-Patienten tragen inaktive Erreger in sich, die sich nach einem Therapiestopp wieder vermehren können.
  • Diese HIV-Reservoire sind die größte Hürde für eine Heilung.
  • Ein neues Verfahren kann nun ihre Verbreitung bestimmen.
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Auf dem Weg zu einer HIV-Heilung gelten inaktive Erreger in Zellen von Patienten als größte Hürde. Bislang war es aber schwierig und ungemein aufwendig, zu ermitteln, wie verbreitet diese sogenannten HIV-Reservoire im Körper sind. Ein neues Verfahren ermöglicht nun mit relativ geringem Aufwand eine recht zuverlässige Schätzung. US-Forscher haben den Ansatz im vergangenen Jahr erstmals vorgestellt und nun in einer Studie an 400 US-Patienten getestet. Die Resultate stellt das Team um Robert Siciliano von der Johns Hopkins University in Baltimore in den “Proceedings” der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften (”PNAS”) vor.

Forscher entwickeln Verfahren zur Reservoir-Bestimmung

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Bei HIV-Patienten kann eine sogenannte antivirale Therapie die Zahl der Viren im Blut unter die Nachweisgrenze drücken. Allerdings verbergen sich in den CD4-Zellen des Immunsystems – dem Hauptziel des Aids-Erregers – auch inaktive Proviren, die von den Medikamenten nicht erreicht werden. Wird die antivirale Therapie abgesetzt, können diese Proviren wieder aktiv werden und sich vermehren – die Infektion flammt wieder auf.

Bislang war es schwierig, das Ausmaß dieser Reservoire zu bestimmen – auch weil die weitaus meisten Proviren nicht vermehrungsfähig sind. Das Team um Siciliano hatte im vergangenen Jahr im Fachblatt “Nature” das IPDA-Verfahren (Intact Proviral DNA Assay) vorgestellt, um die Reservoire zu quantifizieren. Dabei werden in Blutproben mithilfe von Nanotechnologie einzelne CD4-Helferzellen per PCR-Verfahren auf charakteristische Erbgutsequenzen der Proviren analysiert – und auch auf typische Erbgutdefekte der Erreger wie etwa bestimmte Mutationen.

Illustration von HI-Viren im menschlichen Blut.
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Heilungsansätze lassen sich besser bewerten

Dieses Verfahren testeten die Forscher nun an 400 Teilnehmern aus verschiedenen Teilen der USA, die repräsentativ für die HIV-Patienten in dem Land seien. Die Resultate zeigen demnach, dass in den CD4-Zellen defekte Proviren etwa 12,5-mal häufiger sind als intakte Varianten. Intakte Proviren sind aber um mehr als das 50-Fache häufiger als bisher oft vermutet: Demnach sind bei einem Menschen unter antiviraler Therapie im Mittel 54 von einer Million CD4-Zellen mit solchen Proviren infiziert. Allerdings schwanke der Wert zwischen verschiedenen Menschen stark – die Gründe dafür sind bislang noch nicht geklärt.

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“Zuverlässige Messungen in Reservoiren sind essenziell, um Heilungsansätze bewerten zu können”, schreibt das Team. Die Studie liefere zu dieser Frage erstmals einen Richtwert. Nun könne man gezielt prüfen, wie sich verschiedene Therapien auf die Größe der Reservoire auswirkten.

Verfahren ist nicht bei jedem Patienten anwendbar

Das Verfahren sei ein riesiger Durchbruch, um sich den Reservoiren anzunähern, sagt Maximilian Münchhoff vom Nationalen Referenzzentrum für Retroviren am Max-von-Pettenkofer-Institut der Universität München. Die in “PNAS” publizierten Resultate seien “gut und wichtig”, betont der Experte.

Allerdings enthalte die Studie eine große Schwäche: Denn das Team habe das Verfahren nur an Patienten aus Nordamerika getestet, wo – ebenso wie in Europa – die Variante HIV-1 Subtyp B vorherrsche. Unklar sei jedoch, ob es sich in dieser Form auch auf andere Subtypen anwenden lasse, die etwa in Afrika und Asien dominieren.

Für diesen Einwand könnte das Teilresultat sprechen, dass das Verfahren bei etwa 6 Prozent der Teilnehmer versagte – offensichtlich weil das PCR-Verfahren nicht auf die Erbgutsequenzen dieser Patienten reagierte. “Bei HIV-Kohorten aus anderen Weltregionen könnte dieser Prozentsatz möglicherweise deutlich höher sein”, vermutet Münchhoff. Dennoch, so der Virologe, liefere der IPDA-Test stabile Resultate bei sehr hoher Aussagekraft. “Wir etablieren das Verfahren auch bei uns.”

RND/dpa

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