Kein Ende in Sicht: Heuschrecken bedrohen Ostafrika und Pakistan

  • Die Regierungen von Somalia und Pakistan haben aufgrund der anhaltenden Heuschreckenplage den Notstand ausgerufen.
  • Die Schwärme zerstören die Lebens- und Nahrungsgrundlagen zahlreicher Einwohner.
  • Ein Ende der Plage ist noch nicht in Sicht: Die neue Brut der Heuschrecken schlüpft erst noch.
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Aachen. Die Heuschreckenplage in Ostafrika ist nach Ansicht von Martin Bröckelmann-Simon, Geschäftsführer des bischöflichen Hilfswerks Misereor, für das ohnehin geschwächte Somalia eine besonders große Bedrohung. "Das kommt jetzt noch in ein Fass hinein, das schon am Überlaufen ist", sagte Bröckelmann-Simon. Das Land am Horn von Afrika habe mit dem historischen Erbe eines 30 Jahre andauernden Krieges zu kämpfen, mit schwierigen Clan-Strukturen, ausländischem Ringen um Einfluss und Ressourcen und stehe wegen des Klimawandels extrem unter Druck, erklärte er. "Und jetzt auch noch die Heuschrecken."

Heuschrecken zerstören Ernte und Viehfutter

Erst am Wochenende rief die somalische Regierung wegen der Heuschrecken den Notstand aus. Die Schwärme der Wüstenheuschrecken seien außergewöhnlich groß und zerstörten große Teile der Ernte und Viehfutter, begründete das Landwirtschaftsministerium den Schritt. Dadurch sei die Nahrungsversorgung für Menschen und Tiere in Gefahr. Deshalb müsse jetzt dringend gehandelt werden.

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Inzwischen ist die Heuschreckenplage auch in Vorderasien angekommen: Am vergangenen Wochenende rief Pakistan ebenfalls den Notstand aus. Die Heuschreckenschwärme waren im vergangenen Juni aus dem westlichen Nachbarland Iran nach Pakistan eingedrungen und hatten sich zuerst im Südwesten des Landes über Baumwolle, Weizen, Mais und anderes Getreide hergemacht. Von der südlichen Provinz Sindh zogen sie bis in die nordwestliche Provinz Khyber Pakhtunkhwa.

Heuschrecken: Schlechte Prognosen für das Frühjahr

„Wir stehen der schlimmsten Heuschreckenplage in mehr als zwei Jahrzehnten gegenüber und haben entschieden, den nationalen Notstand zu erklären“, sagte Informationsminister Imran Khan am vergangenen Samstag. „Ich habe Zweifel, dass wir unser Ziel für die Weizenproduktion von 27 Millionen Tonnen dieses Jahr erreichen können“, sagte der Farmer Nisar Khaskhali, Mitglied der Landwirtschaftskammer in Sindh.

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"Niemand weiß, was in ein, zwei Monaten geschieht, wenn die neue Brut schlüpft", mahnte Bröckelmann-Simon, der am Wochenende von einer Reise in die Region zurückkehrte. Sollten die derzeitigen Wetterbedingungen anhalten, "dann geht es im März, April richtig zur Sache", betonte er. "Dann wird sich das Problem vervielfachen." Die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) warnt davor, dass sich die riesigen Schwärme ohne Eingreifen der internationalen Gemeinschaft bis Juni um das 500-fache vermehren könnten und die Ernährungssicherheit der gesamten Region gefährdet sein könnte.

Ohne ein Eingreifen der internationalen Gemeinschaft könnte sich die Heuschrecken-Population bis Juni um das 500-fache vergrößern. © Quelle: Ben Curtis/AP/dpa
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Somalia: Hälfte der Einwohner kämpft bereits mit Nahrungsmangel

Eine flächendeckende Prävention oder Bekämpfung der Heuschrecken hält Bröckelmann-Simon in Somalia allerdings aufgrund der Sicherheitslage für kaum machbar. Doch auf regionaler oder lokaler Ebene könnten die Menschen im Kampf gegen die Plage gestärkt werden. In Somalia sei bereits jetzt die Hälfte der zwölf Millionen Einwohner von Nahrungsmangel bedroht, sagte der Geschäftsführer des katholischen Hilfswerks. Zudem flüchten schätzungsweise rund 3,4 Millionen Somalier innerhalb ihres Landes vor Dürre, Überschwemmungen und Gewalt.

"Die große Sorge richtet sich im Moment auch auf Kenia", sagte Bröckelmann-Simon. Dort liege derzeit der Schwerpunkt der Plage. Mit ihrer aktuellen Ausrüstung könnten die Kenianer die Schwärme nicht wirkungsvoll bekämpfen und seien deshalb auf internationale Hilfe angewiesen. Die FAO hat zur Unterstützung der drei am stärksten betroffenen Länder Somalia, Äthiopien und Kenia beim Einsatz gegen die Heuschreckenschwärme aus der Luft 70 Millionen Dollar veranschlagt.

Heuschrecken legen bis zu 150 Kilometer pro Tag zurück

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Die Schwärme aus Hunderten Millionen Heuschrecken legen FAO-Angaben zufolge bis zu 150 Kilometer pro Tag zurück und zerstören dabei ganze Landstriche. Wenn ihnen nicht Einhalt geboten werde, drohen sie sich als nächstes im Südsudan und in Uganda auszubreiten. Die FAO hatte bereits vor rund zwei Wochen vor einer Heuschreckenplage in Ostafrika gewarnt.

Die Heuschrecken machen sich an den Baumwollplantagen der pakistanischen Bauern zu schaffen. © Quelle: Amber Martin/dpa

Überschwemmungen schaffen beste Brutbedingungen für Heuschrecken

Auslöser der Plage ist der sogenannte Indische-Ozean-Dipol. Dieser entsteht, wenn es zu großen Temperaturunterschieden zwischen dem westlichem und dem östlichem Rand des Ozeans kommt. Die feucht-warmen und trocken-kühlen Winde sorgen für einen über tausende Kilometer reichenden Kreislauf, der unter anderem die Buschbrände in Australien verstärkt hat. Zudem verursachte der Dipol Starkregen und Überschwemmungen in Ostafrika – und damit beste Brutbedingungen für die Heuschrecken.

RND/lb/epd

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