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Virologe Hendrik Streeck: “Wir brauchen mehr Zeit”

  • Der Bonner Wissenschaftler arbeitet im Auftrag der Landesregierung Nordrhein-Westfalen an einer großen Studie im Kreis Heinsberg.
  • Viele erhoffen sich möglichst schnell Erkenntnisse, welche Maßnahmen zu Bekämpfung der Corona-Pandemie wann sinnvoll sind.
  • Ergebnisse sollen kurzfristig bekannt gegeben werden.
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Der Bonner Virologe Hendrik Streeck hat um mehr Zeit gebeten für sein aktuelles Forschungsprojekt im Kreis Heinsberg, der als Epizentrum des Coronavirus in gilt. “Wissenschaft braucht Zeit, Wissenschaft kann nicht getrieben werden”, sagte Streeck auf einer virtuellen Pressekonferenz am Dienstagmittag. Er verspüre aktuell viel Druck bei seiner Arbeit und habe große Sorge, etwas voreilig zu veröffentlichen, das man später zurücknehmen müsse.

“Wir arbeiten unter Hochdruck”, betonte der Virologe, der seit einigen Wochen mit seinem Team vor Ort ist. Einen Zeitplan könne er aber nicht darlegen. “Es kann sehr kurzfristig sein, dass wir Ergebnisse öffentlich machen.”

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Ein weiteres Problem sei, dass seine Worte mitunter anders interpretiert würden, als sie gemeint seien, sagte Streeck. “Es werden oft Schwarz-Weiß-Antworten von der Wissenschaft erwartet, das können wir aber besonders beim Thema Corona nicht leisten”, erklärte Streeck anhand eines Beispiels: Er habe etwa anfangs einmal gesagt, dass bislang keine Ansteckung mit Corona im öffentlichen Nahverkehr nachgewiesen werden konnte. Daraus könne man aber nicht ableiten: Die Nutzung des Nahverkehrs sei ungefährlich. “Es wird einem manchmal dann auch zu viel, weil man denkt: Das habe ich so nicht gesagt.”

Streeck, der seit Ausbruch des Coronavirus zu den meistzitierten Experten gehört und zusammen mit anderen Experten in Deutschland, wie etwa dem Virologen Christian Drosten, die Politik berät, will derzeit keine Empfehlungen zu möglichen Exit-Strategien abgeben. Im Ort Gangelt im Kreis Heinsberg, wo nach Karneval das Coronavirus ausgebrochen war, konzentriert sich sein Forscherteam vor allem auf die Menschen, die nicht infiziert sind. “Wir wissen, wie viele Beschwerden haben, im Krankenhaus liegen oder gar an Covid-19 verstorben sind. Wir wissen aber nicht, wie viele Infizierte herumlaufen und glauben, sie hätten bloß eine Allergie oder gar keine Symptome.”

Die Politik soll von Heinsberg lernen

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Die Dunkelziffer der Corona-Infizierten versucht das Team durch repräsentative und detaillierte Befragungen in Gangelt herauszufinden: Wer hat mit wem an Karneval gesprochen, zusammengesessen, getanzt? Was haben diese Personen anders gemacht? Regelmäßig soll außerdem bald die Bevölkerung in Gangelt umfangreich auf Covid-19 getestet werden, um zu sehen: Wie verhält sich die Infektionskette nach Lockerungen der Corona-Maßnahmen? Die Politik soll dadurch Entscheidungen über den künftigen Corona-Kurs treffen können.

In Gangelt selbst erlebe der Virologe Streeck sehr viel Unterstützung, sowohl aus der Kreisverwaltung als auch von den Bürgern: “Uns wird Kuchen gebacken, oder es werden Donuts von der Tankstelle vorbeigebracht”, sagt Streeck. “Die Menschen unterstützen unsere Studie und vertrauen uns, ohne das ginge es gar nicht.” Streeck und sein 40-köpfiges Forscherteam haben seit dem Wochenende noch einmal 20 Mitarbeiter hinzubekommen. Für ihre Arbeit nutzen sie die Räumlichkeiten einer Schule, Scanner wurden zum Teil aus der Stadtbücherei herbeigeholt. “Es ist nett, und ich freue mich schon auf Karneval 2021 in Gangelt”, sagt Streeck, “also hoffentlich.”

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