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Hauptsache, sanft: Was saubere und gepflegte Hände wirklich ausmacht

  • Gepflegte Hände sind schon lange ein Schönheitsideal – und ein wichtiger Bestandteil unseres Erscheinungsbildes.
  • Regelmäßiges Händewaschen dient zwar dem Infektionsschutz, doch saubere sind nicht automatisch auch gepflegte Hände.
  • Gerade in Corona-Zeiten sollte man daher auf pH-neutrale Seife und reichhaltige Handcremes setzen, empfehlen Experten.
Kerstin Hergt
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Hannover. Lady Mary Wortley Montagu liebte das Reisen. Ihre Eindrücke, die sie von ihren Touren quer durch Europa bis nach Konstantinopel gewann, hielt sie in illustren Tagebucheinträgen und Briefen an prominente Persönlichkeiten fest. Doch nicht nur ihr literarisches Talent machte die britische Adlige im 18. Jahrhundert zum Mittelpunkt der Londoner Gesellschaft. Ihren Ruf als Frau von Welt begründete auch die Tatsache, dass sie den Staub all der entlegenen Straßen und Wege, die sie passiert hatte, gern zur Schau trug.

In Bill Brysons Buch “Eine kurze Geschichte der alltäglichen Dinge” findet sich im Abschnitt über Hygiene folgende Anekdote über Lady Mary: Als sie einer Bekannten die Hand schüttelt, empört sich diese über die vor Schmutz starrenden Hände der Lady. Darauf soll die Kosmopolitin fröhlich geantwortet haben: “Oje, was würden Sie wohl sagen, wenn Sie meine Füße sähen?”.

Corona-Pandemie: Nicht jeder nimmt es mit der Handhygiene so genau

Körperpflege mittels Wasser und Seife war zu dieser Zeit alles andere als en vogue in der westlichen Welt. Doch entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass sich ausgerechnet jene vor Dreck unter den Fingernägeln strotzende Lady Mary vehement für die Pockenschutzimpfung in England einsetzte. Heute würde sie vermutlich ein werbewirksames Video davon posten, wie sie ihre schwarzen Finger gründlich unterm Wasserhahn reinigt.

Die von der Corona-Pandemie ausgelöste Flut an Werbespots und Aufrufen in Medien und sozialen Netzwerken, sich täglich mehrmals und ausgiebig die Hände zu waschen, legt eins nahe: dass es auch heute immer noch Menschen gibt, die es zumindest mit der Handhygiene nicht so genau nehmen – oder andererseits aus falsch verstandener Übervorsicht Seife durch Desinfektionsmittel ersetzen. Richtiges Händewaschen will gelernt sein, richtige Pflege aber auch. Denn Hände sind ein wichtiger Bestandteil unseres Erscheinungsbildes. Sie verraten einiges über unsere Persönlichkeit.

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Um eine zweite Ansteckungswelle in Deutschland zu vermeiden, sind einige Verhaltens- und Hygieneregeln zu beachten.  © RND

Eleonora Duse machte gepflegte Hände zum Schönheitsideal

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Mit ihren 27 Knochen, 33 Muskeln und annähernd 17.000 Fühlkörperchen ist die menschliche Hand bauplantechnisch geradezu ein Hightechinstrument. Schon allein deshalb sollte ihr stets besondere Aufmerksamkeit zukommen. Sauberkeit allein reicht dabei nicht. Gepflegte, ausdrucksvolle Hände sind spätestens seit Eleonora Duse auch ein Schönheitsideal.

Die Ende des 19. Jahrhunderts gefeierte Theaterdiva, auch bekannt als “die Dame mit den schönen Händen”, reduzierte ihre Gestik oftmals auf die Bewegung ihrer schlanken Finger. Ihre linke Hand ließ sie in Gips verewigen. Man kann sie heute noch als Kunstobjekt der Sammlung des National Trust im britischen Kent bewundern. Ob und wie die Duse ihre Hände pflegte, darüber ist nichts bekannt. Doch dürften sie allein deshalb schon lange jung und zart ausgesehen haben, weil die Schauspielerin einerseits keine harte Arbeit mit ihren Händen verrichten musste und andererseits – wie damals üblich – in der Öffentlichkeit Handschuhe trug. Somit waren die Hände auch eher gefeit vor Altersflecken, die vor allem durch Sonneneinstrahlung entstehen.

Tatsächlich lässt sich das wahre Alter einer Frau heute am ehesten an den Händen ablesen. Die Haut dort ist besonders dünn und wird mit den Jahren faltig. Straffungen sind mangels Volumen kompliziert. Möglich sind jedoch Unterspritzungen von Fett oder Hyaluronsäure. Alters- und Pigmentflecken lassen sich durch Lasertechnik entfernen. Doch können dabei Narben zurückbleiben.

Zu häufiges Händewaschen kann Schutzmantel der Haut zerstören

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Ohne Nebenwirkungen für die Hände ist auch das Waschen und Desinfizieren nicht. So warnt die Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung, dass zu häufiges Händewaschen, vor allem bei hohen Wassertemperaturen oder mit scharfen Reinigungsmitteln, die Haut strapaziere und den Säureschutzmantel zerstören könne. Dadurch trocknet die Haut aus und es kann zu Rissen und Irritationen kommen. Raue, strapazierte Hände erleichtern wiederum Bakterien, Viren und Schadstoffen das Eindringen. Für den Erhalt der Geschmeidigkeit raten Dermatologen daher dazu, pH-neutrale Waschsubstanzen und feuchtigkeitsspendende Cremes zu benutzen. Gerade häufiges Desinfizieren erfordert auch häufiges Eincremen.

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Handcremes im Test: Jury rät zu Naturkosmetik

Die Auswahl an Handcremes ist schier unermesslich. Zuweilen helfen auch einfache Hausmittel: ein Bad in Olivenöl oder ein Peeling aus Zucker und Babyöl. Handelsübliche Handcremes sind jedoch praktischer – und in der Regel genauso wirksam wie bewährte Hausmittel. Das hat die Zeitschrift “Öko-Test” im vergangenen Herbst beim Test von 50 Handcremes aus Supermärkten, Drogerien, Reformhäusern und Bioläden festgestellt. Die Hälfte schnitt mit “sehr gut” ab.

Allerdings bemängelte die Jury, dass Produkte einiger namhafter Hersteller problematische Inhaltsstoffe enthielten. So etwa mineralölbasierte Fette und Wachse, die sich nicht gut in die Haut integrieren, synthetische Polymere, die die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen, sowie der möglicherweise fortpflanzungsschädigende Duftstoff Lilial. Meist sei die Naturkosmetik die beste Wahl, raten die Tester. Vor allem Produkte mit Mandelöl, Bienenwachs, Sanddorn oder Sheabutter bekamen Bestnoten.

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Cremen können wir also getrost selbst. Maniküre überlassen wir mittlerweile den Profis in den zahlreichen Nagelstudios. Schon in der Antike galt Nagelpflege als große Kunst. Hier waren es vor allem die Männer, die ihre Nägel färbten und Feinschliff mittels Porzellanpulver betrieben. Im 16. Jahrhundert galten lackierte Nägel dagegen als Zeichen dafür, mit dem Bösen im Bunde zu sein. In jedem Fall hat man zu allen Zeiten seinem Gegenüber stets auf die Finger geschaut. Es lohnt sich, es auch bei sich selbst öfter mal zu tun.

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