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Hannes Jaenicke über nachhaltigen Konsum: „Wir haben mehr Macht, als wir denken“

Schauspieler Hannes Jaenicke hofft, dass die Menschheit lehren aus der Corona-Krise zieht.

Schauspieler Hannes Jaenicke hofft, dass die Menschheit lehren aus der Corona-Krise zieht.

Hannover. Herr Jaenicke, wenn Sie sich die nahe Zukunft ausmalen könnten, wie sähe sie idealerweise aus?

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Der Idealfall wäre, dass wir aus der Corona-Krise lernen. Dass wir merken, was wir wirklich brauchen. Es sollte uns zu denken geben, dass wir in dem Moment, in dem wir nur noch das konsumiert haben, was wir wirklich brauchen, nämlich Lebensmittel, die Wirtschaft kollabiert ist. Das heißt doch, unser ganzes Wirtschaftssystem ist aufgebaut auf dem Konsum von Dingen, die wir eigentlich nicht brauchen. Daraus sollten wir gewisse Lehren ziehen.

Welche?

Im Idealfall geht es jetzt darum, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Es geht darum, ein für alle funktionierendes Gesundheits- und Pflegesystem zu etablieren, sozial miteinander umzugehen und aus solchen Krisen zu lernen. Und es geht um die Frage, welche Art von Konsum und welche Art von Wachstum wir in Zukunft benötigen. Wenn wir darauf intelligente Antworten finden, wäre viel gewonnen.

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Hannes Jaenicke über nachhaltige Wirtschaft: „Wachstum muss neu definiert werden.“

Wie Schauspieler Hannes Jaenicke sich eine nachhaltige Zukunft vorstellt, verrät er im RND-Interview zur Themenwoche „Wie wollen wir leben?“.

Wachstumsmodell sollte überdacht werden

Aber wer fordert, das Wachstumsmodell infrage zu stellen, wer fordert, weniger zu konsumieren, muss auch bedenken, dass viele Arbeitsplätze dadurch verloren gehen. Wie kommen wir aus diesem Dilemma heraus?

Wachstum muss neu definiert werden. Wir brauchen Wirtschaftswachstum, aber nicht das, was momentan angestrebt und gefördert wird.

Sondern?

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Wir benötigen dringend Wachstum im Bildungssektor. Wir benötigen Wachstum bei regenerativen Energien und Energieeffizienz. Wir benötigen Wachstum bei Ressourcenschonung. Wir benötigen Wachstum bei Kreislaufwirtschaft. Es gibt unzählige Branchen, die Jobs kreieren könnten und würden, wenn wir unser Wachstumsmodell überdenken würden. Momentan geht es doch nur darum, wieder mehr Autos, Textilien, Elektroartikel und andere Konsumgüter zu verkaufen.

Studie: Täglich werden 150 umweltrelevante Entscheidungen getroffen

Wo sehen Sie noch alternative Wachstumsbranchen?

Auch im Pflegebereich gibt es ein großes Wachstumspotential. Wir haben viel zu wenige Pflegekräfte, und zu viele Menschen in sozialen Berufen werden zu schlecht bezahlt. Es gibt also potenzielle Wachstumsbranchen, die arbeitsplatzintensiv wären – wenn es gewünscht wäre.

Liegt denn alles im Feld der Politik und Wirtschaft oder kann auch der Einzelne seinen Beitrag leisten?

Alle haben die Verantwortung. Der Einzelne darf sich da nicht bequem zurücknehmen. Die mächtigste Waffe des Konsumenten ist sein Geldbeutel. Es gab vor einigen Jahren eine großartige Studie der US-amerikanischen Unternehmensberatung Boston Consulting. Demnach trifft jeder Bewohner, jede Bewohnerin der industrialisierten Welt, also der G-18-Staaten, täglich 150 umweltrelevante Entscheidungen.

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Also: Wie lange läuft das Wasser unter der Dusche? Wie viel Wasser gebe ich in meinen Wasserkocher, um mir eine Tasse Tee zuzubereiten? Fahre ich mit dem Fahrrad oder mit dem Auto? Welche und wie viele Textilien kaufe ich? Wie viel Fleisch esse ich, wie hoch drehe ich die Heizung, brauche ich Aircondition? Die Liste unserer umweltrelevanten Entscheidungen ist lang – und zwar jeden Tag.

„Wir haben mehr Macht, als wir denken“

Können wir mit unserem Konsum wirklich die Wirtschaft beeinflussen?

Natürlich. Wir könnten die Wirtschaft mit unserem Geldbeutel vor uns hertreiben. Wenn wir aufhören würden, SUV zu kaufen, würde die Autoindustrie sofort aufhören, diese Autos zu produzieren. Wenn wir aufhören würden, billig produzierte Fast Fashion zu kaufen, würde sich die Textilindustrie schnell ändern und mit ihr die Baumwollproduktion, der Wasserkonsum in den produzierenden Ländern, die Arbeitsbedingungen in Bangladesh, Kambodscha, Vietnam. Wir haben eine unglaubliche Macht, wenn wir vor Inbetriebnahme des Geldbeutels unser Gehirn einschalten. Und das ist mein Appell an den Endverbraucher: bewusst, intelligent und nachhaltig zu konsumieren.

Das Gegenargument ist oft: Was nutzt es, wenn nur ich mein Leben ändere?

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In der Masse multiplizieren sich Dinge rasend schnell. Klar denken viele: Was bringt es, wenn nur ich die Heizung ein Grad herunterdrehe? Es gab mal eine Berechnung des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung: Wenn das jeder deutsche Haushalt machen würde, ginge ein ganzes Atomkraftwerk vom Netz. Dasselbe würde passieren, wenn wir alle unsere Stand-by-Geräte ausschalten würden, wenn sie nicht in Betrieb sind. Wir haben mehr Macht, als wir denken.

In unserer Serie „Wie wollen wir jetzt Leben?“ stellen wir Ihnen vom 7. bis zum 14. November Ideen für eine nachhaltige Welt vor.

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