Handlettering: Die Kunst, Worte zu malen

  • Auf der Grußkarte oder auf der Getränkekarte im Café: Kunstvoll gemalte Wörter begegnen einem inzwischen überall.
  • Handlettering heißt der Trend, Wörter einzigartig gestaltet zu schreiben.
  • Illustratorin Ludmila Blum hat die Wortmalerei zu ihrem Beruf gemacht – und gibt Anfängern Tipps.
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Hannover. Die Aufträge für Ludmila Blum sind ganz verschieden. Handlettering-Lehrbücher für Anfänger, Motivationssprüche für ein Bullet-Journal, eine Trauerkarte im Großformat, ein Geburtstagsgutschein, das neue Firmenlogo. Hauptsache, die Worte fallen ins Auge dank Farbgebung, Form und Anordnung auf dem Papier.

Handlettering: Schöne Worte für verschiedene Anlässe

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Die 37-Jährige hat Medieninformatik studiert und als Softwareentwicklerin gearbeitet. Dann kamen die Kinder und mit ihnen mehr Zeit, sich den schönen Dingen des Lebens zu widmen. Ludmilla Blum startete einen Kreativblog und begann, Stempelsprüche nachzumalen. Das Wort Handlettering war ihr da noch gar kein Begriff. Dann entdeckte sie auf Instagram eine ganze Community. „Das hat mich unglaublich inspiriert, seitdem lässt mich das nicht mehr los“, sagt Blum. Das war vor vier Jahren. Heute ist sie Handlettering-Profi, malt Worte für verschiedene Anlässe.

Ludmila Blum ist Handlettering-Profi und malt schöne Worte für verschiedene Anlässe.

Handlettering: Freies, grafisches Gestalten

Handlettering grenzt sich von der Kalligrafie ab, wo es mehr um eine gleichmäßige und schöne Schrift geht. Da soll jeder Buchstabe gleich aussehen, ebenmäßig. „Handlettering ist ein wenig freier und grafischer“, erklärt Blum. Die Schrift müsse nicht zwangsweise schön sein. „Für mich geht es um das grafische Gestalten einer Botschaft.“

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Schriftart und Bildkomposition müssten zu dem passen, was inhaltlich gesagt wird. Ein sarkastischer Spruch könne ein bisschen wild geschrieben sein. Für einen Liebesspruch eigneten sich hingegen geschwungene Buchstaben.

Handlettering: Üben, üben, üben

Viel Equipment brauchen Anfänger nicht. Ein Fineliner, ein Bleistift und ein Stück Papier reichen aus. Fortgeschrittene schaffen sich einen Brushpen an. Wegen seiner flexiblen Spitze variiert bei diesem Stift die Strichstärke, je nachdem, wie viel Druck man ausübt. Und dann heißt es üben mithilfe von Beispielalphabeten und Vorlagen. Anfängern empfiehlt sie, einen Spruch über einen Übezeitraum immer wieder zu malen. „Dadurch können Sie Ihren Erfolg sehen.“

Die Inspiration kommt beim Malen

Inspiration bekommt die Künstlerin bei Instagram und in Lehrbüchern. Nach dem Anfertigen einer Bleistiftskizze malt sie einfach drauflos. „Es ist nicht so, dass ich das fertige Bild schon im Kopf habe“, sagt Blum. Stattdessen wird experimentiert, wie die Schrift wirkt, welche Wörter größer als andere gemalt werden, welche Wirkung Schnörkel, Sterne, 3-D-Effekte, Schatten, Tröpfchen auf den einzelnen Buchstaben haben.

Die erlernte Handschrift spielt beim Lettern keine Rolle. „Sie schreiben ja nicht, sondern malen“, erklärt Blum. Mit der Zeit lerne man, wie die Bögen und Striche schön gleichmäßig gemalt werden. Geduldig müsse man sein, gerade am Anfang. Das Ausmalen einzelner Buchstaben kann lange dauern. Mal fünf Minuten, dann wieder vier Stunden sitzt Blum an einem Lettering-Prozess – je nachdem, wie der Auftrag lautet.

„Der große Handlettering Workshop“ (2018) von Ludmila Blum: Mit Anleitungsbuch, Übungsbuch und Brushpen für 19.99 Euro im Frech-Verlag erschienen.
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„Handlettering ist Entspannung pur“, sagt die Wortmalerin. „Es ist eine tolle Methode, um alles um sich herum zu vergessen.“ Mit dem Ergebnis könne sie Freunden eine Freude machen. „Eine E-Mail ist schnell geschrieben, aber wer bekommt heute noch eine handgemalte Geburtstagskarte?“, betont die Künstlerin.

Handlettering: Tipps vom Profi

Einen ersten Spruch lettern? Gebraucht werden Papier, Fineliner und Bleistift. Der Beispielspruch kann auch abgepaust werden – und mit Ideen ergänzt.

Ein Handlettering-Anfänger braucht einen Fineliner, Papier und einen Bleistift.
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Und so geht's: Zunächst werden die wichtigen Wörter ausgewählt. Was soll groß, was kleiner gemalt werden? Hilfreich ist es, den Text aufzuschreiben. Dann den Spruch laut vorlesen und auf die eigene Betonung achten. Da fällt die Auswahl intuitiv leichter. Dann die Wörter in verschiedenen Varianten auf dem Papier mit Bleistift skizzieren. Zeit zum ausprobieren, wie die Wörter in unterschiedlicher Schrift neben- und untereinander aussehen. Die wichtigen Wörter sollten deutlich größer gestaltet werden, damit sie sich vom Rest des Textes abheben. Als nächster Schritt wird mit Bleistift ein schlichtes Buchstabenskelett des Textes in Originalgröße aufgemalt, darum die geschwungenen Buchstabenkörper angeordnet. Mit den großen Wörtern sollte begonnen werden. Zum Schluss die Reinzeichnung mit Finelinern oder Filzstiften ausarbeiten.

Tipp: Wer dünnes Papier benutzt, kann die Reinzeichnung auf einem neuen sauberen Blatt beginnen. Die Skizze kann unter dieses Papier gelegt werden, es scheint dann als Vorlage durch. Die Bleistiftskizze muss hinterher praktischerweise nicht wegradiert werden.

Anfänger-Tipp: Entscheidend ist die Komposition

Wichtig ist, dass Anfänger bei der Komposition eines Spruches ein Bewusstsein für den Zusammenhang zwischen Optik und Inhalt berücksichtigen. Entscheidend ist die Kombination von Schriftarten. Die serifenbehafteten und serifenlosen Schriften, die Schreib- und Druckschrift und die „Faux Calligraphy“ lassen sich wunderbar miteinander kombinieren, sofern die eine besonders üppig, die andere kleiner und zurückhaltender gestaltet wird. Denn es gilt: Weniger ist manchmal mehr. Beispielalphabete der verschiedenen Arten zum Nachmalen sind im Internet und in Übungsbüchern zu finden.

Handlettering: Entscheidend ist die Kombination von Schriftarten.

Und so geht's: Wer wichtige Wörter mit einer Serifenschrift und zusätzlicher Dekoration lettert, braucht einen ruhigen Ausgleich. Dafür eignen sich Buchstaben mit einer geringen Strichstärke ideal (wie im Beispiel "mein" und "nicht"). Diese können in Schreib- oder Druckschrift gestaltet sein und sollten eine deutlich kleinere Schriftgröße aufweisen. Wer mit "Faux Calligraphy" (wie die Wörter "Ziel" und "glücklich" im Beispiel) arbeitet, imitiert einen Effekt, der dem Schreiben mit einer Spitzfeder ähnelt. Da der Schreibschrift mit der Verdickung der Buchstaben an einigen Stellen ein hoher Kontrast gegeben wird, erhalten die derart geletterten Wörter die größte Aufmerksamkeit.

Tipp: Bei der Auswahl der Schriftfamilien sowie der zugehörigen Dekoration und der Gestaltung des Hintergrundes sollte die Aussage des Letterings bedacht werden. Eine verspielte Schreibschrift in Pink hat eine ganz andere Wirkung als eine grau in grau geletterte Sans-Serif-Schriftart.

Mehr Infos zum Thema finden Sie im Buch “Der große Handlettering Workshop” von Ludmila Blum.

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