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Unternehmen muss 53.000 Dollar zahlen

Umweltbilanz „aufgehübscht“: erste Strafe für Greenwashing in Australien

Überschwemmung in Melbourne.

Überschwemmung in Melbourne.

In Australien hat eine Aufsichtsbehörde erstmals eine Strafe für Greenwashing verhängt. Mit Greenwashing wird die Praxis eines Unternehmens beschrieben, sein Engagement im Namen der Umwelt positiver darzustellen als dieses in Wirklichkeit ist. In der EU ist Greenwashing bisher nicht strafbar, doch neue EU-Vorgaben könnten dies bald ändern. Australien ist mit dem aktuellen Fall Vorreiter.

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Dabei geht es um den Energieanbieter Tlou Energy. Gegen diesen hat die australische Wertpapier- und Investitionskommission Asic eine Geldstrafe über 53.000 Australische Dollar verhängt, umgerechnet sind das rund 34.000 Euro. Die Behörde störte sich an mehreren Börsenmitteilungen von Tlou, die sie für entweder sachlich falsch hielt oder denen eine angemessene Grundlage fehlte: So behauptete das Energieunternehmen, dass sein Strom CO₂-neutral sei, dass es eine Umweltzulassung habe und dass es bestimmte Strommengen aus Solarenergie erzeuge. Ihre Stromerzeugung aus Erdgas beschrieb die Firma als emissionsarm, und betonte, es sei ebenso wichtig, „saubere Energie“ aus erneuerbaren Quellen zu produzieren wie ein Gasprojekt weiterzuentwickeln.

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Die Firma bezahlte die Strafe, machte in einer öffentlichen Erklärung jedoch deutlich, dass sie ihrer Meinung nach nicht gegen die gesetzlichen Bestimmungen verstoßen habe. Beweise für diese Behauptung lieferte das Unternehmen allerdings nicht.

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Finanzprodukte im Visier

Tlou ist nicht das einzige Unternehmen, das in das Visier der australischen Aufsichtsbehörde geraten ist. Laut der stellvertretenden Vorsitzenden von Asic, Sarah Court, untersucht die Behörde derzeit eine Reihe von börsennotierten Unternehmen, Pensionfonds und verwaltete Investmentfonds, die sich womöglich fälschlicherweise ein „grünes“ Image geben. Asic, das bereits im Juni ein Informationsblatt an australische Unternehmen ausgegeben hatte, überwache den Markt inzwischen „aktiv auf mögliches Greenwashing“, so Court.

Ein besonderes Augenmerk will die Behörde dabei auf Finanzprodukte legen. Nachhaltige Anlagen sollten sogenannten ESG-Kriterien und damit ökologischen, sozialen und ethischen Gesichtspunkten folgen. Sollten dabei falsche Angaben gemacht werden, so will die australische Behörde dies künftig ahnden – mit Geldstrafen wie im Fall von Tlou oder auch vor Gericht. Dass eine stärkere Regulierung und Überwachung notwendig sind, dies hatte der Asic-Vorsitzende Joe Longo bereits Anfang Oktober vor dem Wirtschaftsausschuss im australischen Parlament deutlich gemacht. Damals warnte Longo eindrücklich davor, dass Greenwashing „immer häufiger“ werde. Es bestehe inzwischen die Gefahr, dass umweltbewusste Verbraucher zum Kauf von Produkten bewegt würden, die sie ansonsten wahrscheinlich gemieden hätten.

Firmen setzen auf „dubiose CO₂-Kompensationen“

Auch eine Analyse der Umweltorganisation Greenpeace aus dem vergangenen Jahr zeichnete kein positives Bild der australischen Industrielandschaft. Zwar hätten sich etliche große Unternehmen in Australien Netto-Null-Ziele gesetzt, hieß es darin, vieles davon sei aber eher Greenwashing. So würden nur wenige Firmen ihre Kohlenutzung tatsächlich beenden wollen. Stattdessen würden sie sich häufig auf „dubiose CO₂-Kompensationen“ verlassen.

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Inselbewohner gewinnen Klimaklage gegen Australien

Laut dem UN-Ausschuss für Menschenrechte hat Australien die Bewohner der Torres-Strait-Inseln nicht ausreichend vor den Folgen des Klimawandels geschützt.

Der Bericht prangerte in erster Linie Unternehmen mit hohen Emissionen an wie das Öl- und Gasunternehmen Woodside, die Fluglinie Qantas und den Energieanbieter AGL. Sie alle hätten sich Netto-Null-Ziele gesetzt, ohne fossilen Brennstoffen den Rücken zu kehren. Von insgesamt 80 australischen Unternehmen, die zu den größten Emittenten des Landes gehören, hatten sich zum Zeitpunkt der Analyse (September 2021) gerade mal 16 dazu verpflichtet, ihre Betriebe zu 100 Prozent auf erneuerbaren Strom umzustellen. Positiv hob Greenpeace die Supermarktketten Woolworths und Coles sowie den Telekommunikationsanbieter Telstra hervor, die bereits bis 2025 komplett auf erneuerbare Energien umschwenken wollen.

Laut Nikola Čašule, Leiterin des Bereichs Forschung bei Greenpeace Australia Pacific, verzögert das Greenwashing von Unternehmen echte Fortschritte bei der Emissionsreduzierung. Zwar seien der Schutz und die Wiederherstellung von Wäldern „enorm wichtig“, doch landbasierte CO₂-Kompensationen wie Baumpflanzprogramme könnten nicht den Klimaschaden reparieren, der durch die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas verursacht werde. Sowohl die Internationale Energieagentur wie auch die Vereinten Nationen haben bereits gewarnt, dass Australien bis 2030 aus der Kohle aussteigen müsse, um extreme klimatische und wirtschaftliche Folgen zu vermeiden.

Greenwashing bremst echte Fortschritte aus

Die extremen klimatischen Folgen des Klimawandels hat Australien in den vergangenen Jahren bereits zu spüren bekommen: 2019/20 verwüsteten verheerende Buschfeuer den Osten des Landes. Anfang des Jahres erlebte das Great Barrier Reef die sechste Massenbleiche seiner Korallen seit 1998. Gleichzeitig versanken große Teile der Ostküste unter Wassermassen. Doch trotz der spürbaren Klimakonsequenzen hat sich das Land lange gescheut, ehrgeizigere Emissionsziele zu verfolgen. Die frühere australische Regierung boykottierte den globalen Kampf gegen den Klimawandel sogar jahrelang und verzögerte es, ein Nullemissionsziel bis 2050 zu setzen (letzteres geschah letztendlich 2021).

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Die im Mai neu gewählte Labor-Regierung unter Anthony Albanese hat zudem ein Klimagesetz in die Gänge gebracht, das die Senkung der CO₂-Emissionen um 43 Prozent bis 2030 gesetzlich verankert. Doch mit dem Ausstieg aus der Kohle tun sich auch die Sozialdemokraten noch immer schwer. Erst im Juli sagte Albanese, dass ein Stopp von fossilen Brennstoffprojekten „verheerende Auswirkungen auf die australische Wirtschaft“ hätte.

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