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Gefährliche Goldjagd am Amazonas: Bergbau bedroht Lebensraum der Ureinwohner

  • Die Indigenen gelten als die Hüter des Waldes.
  • Allerdings dringen immer häufiger internationale Großkonzerne und illegale Goldschürfer in ihre Ländereien ein.
  • Der Bergbau gefährdet die Lebensgrundlage der Urvölker und die für das Weltklima so wichtigen Ökosysteme.
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Lima. Im Amazonasgebiet sind mehr als 20 Prozent der Ländereien indigener Gemeinschaften vom Bergbau bedroht. Der Bergbau – ob legal oder verboten – gefährde die Lebensgrundlage der Ureinwohner in mehr als 1000 Gebieten mit einer Gesamtfläche von 450.000 Quadratkilometern, heißt es in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des World Resources Institute. Goldschürfer und Bergleute sind demnach in 370 Gebiete eingedrungen. Mindestens 30 Flüsse sind mit giftigen Chemikalien wie Quecksilber verschmutzt.

"Im gesamten Amazonasgebiet geraten indigene Territorien durch legalen und illegalen Bergbau unter Druck", sagte Co-Autor Peter Veit. "Diese Aktivitäten gefährden die Fähigkeit der Gruppen, sich selbst zu schützen, Abholzung zu verhindern und Ökosysteme zu bewahren, die für das Wohlergehen des Planeten essenziell sind."

Gestiegener Goldpreis sorgt für illegale Jagd

Am Amazonas werden vor allem Kupfer, Zinn, Nickel, Eisenerz, Bauxit, Mangan und Gold abgebaut. Für viele Länder ist der Export ein wichtiger Devisenbringer. Zudem leben Hunderttausende vom Kleinbergbau auf eigene Rechnung. Der zuletzt stark gestiegene Goldpreis hat einen neuen Goldrausch entfacht. Schätzungen zufolge wurden zuletzt in Venezuela bis zu 90 Prozent, in Kolumbien rund 80 Prozent und in Bolivien etwa 30 Prozent des Goldes illegal geschürft.

Gold liegt in einer Pfanne, nachdem es in einer illegalen Mine im Amazonas-Regenwald im Gebiet Itaituba im Bundesstaat Para abgefackelt wurde, um das verbleibende Quecksilber zu beseitigen. © Quelle: Lucas Dumphreys/AP/dpa

Schutz von Wald und Völkern im Vordergrund

Zwar gebe es in allen Ländern des Amazonasbeckens in irgendeiner Art rechtlichen Schutz für die Lebensräume der Ureinwohner - allerdings würden die Gesetze oft nicht effektiv durchgesetzt, heißt es in dem Report. Zudem würden die Interessen von Unternehmen häufig über die von Ureinwohnern gestellt.

Wegen des großen Einflusses der Regenwälder auf das Weltklima hat der Schutz auch internationale Bedeutung. "Niemand beschützt die Wälder so gut wie wir", sagte Michael McGarrell vom Dachverband der indigenen Organisationen im Amazonasbecken. "Die indigenen Gemeinschaften sind die Geheimwaffe im Kampf gegen den Klimawandel".

Bergbau per se nicht schlecht – mehr Verantwortungsbewusstsein

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Dabei ist der Sprecher der indigenen Völker in Guyana gar nicht gegen jede Art von Bergbau. "Wir betreiben selbst seit Generationen Kleinbergbau, der der Umwelt kaum schadet. Viele Indigene in Guyana schürfen beispielsweise Gold in den Flüssen, um ihre Kinder in der Hauptstadt zur Schule schicken zu können", sagte McGarrell. "Wir sind nicht gegen Entwicklung. Aber wir brauchen einen verantwortungsbewussten Bergbau."

Immer wieder kommt es zu Gewalt gegen indigene Anführer und Umweltaktivisten. Nach Angaben der Nichtregierungsorganisation Global Witness wurden vergangenes Jahr weltweit 212 Umweltschützer getötet – mehr als zwei Drittel der Taten entfielen auf Lateinamerika. Die meisten Morde stehen in Zusammenhang mit Bergbau.

"Um die indigenen Gemeinschaften zu schützen, müssten die Regierungen ihren Umgang mit dem Bergbau radikal verändern", sagte der ehemalige peruanische Bergbauminister Eleodoro Mayorga Alba. Dazu müssten im Einklang mit internationalen Standards soziale und umweltpolitische Garantien geschaffen und durchgesetzt werden.

RND/dpa

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