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Gefährliche Fischernetze: Störgeräusche könnten Schweinswale vertreiben

  • Oft landen Schweinswale versehentlich als Beifang in den Netzen von Fischern.
  • Ein bestimmtes Gerät könnte britischen Forschern zufolge dabei helfen, die Tiere mit akustischen Signalen zu vertreiben.
  • Der Einsatz sogenannter Pinger ist allerdings umstritten.
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Akustische Warngeräte an Fischernetzen können helfen, den unerwünschten Beifang von Schweinswalen zu verhindern. Die sogenannten Pinger vertreiben die Tiere, ohne sie nachhaltig bei der Futtersuche zu stören oder anderweitig zu beeinträchtigen, berichten britische Wissenschaftler im Fachmagazin “Frontiers in Marine Science".

“Die Ergebnisse der Forschung zeigen, dass es eine praktische Lösung gibt, die zugleich effektiv ist und das Verhalten der Tiere nicht verändert oder stört - ein positives Ergebnis für Artenschutz und Fischer gleichermaßen”, sagt Studienleiterin Lucy Omeyer von der University of Exeter (Großbritannien) laut Mitteilung ihrer Universität.

Schweinswale könnten sich an das Geräusch gewöhnen

Die Nützlichkeit von Pingern beim Schutz von Schweinswalen (Phocoena phocoena) wird seit einigen Jahren mit wissenschaftlicher Begleitung erprobt. Die kleinen Wale, die auch in Nord- und Ostsee vorkommen, können die Netze im Meer mit ihrem Echoortungssystem nicht wahrnehmen und sich deshalb leicht darin verheddern. Die Tiere sterben dann. Um das zu verhindern, werden die Pinger an den Netzen angebracht. Sie senden ein Störgeräusch aus, das die Tiere vertreibt. In einigen Ländern ist der Einsatz der Geräte in der Fischerei bereits vorgeschrieben, in der EU etwa auf Booten größer als 12 Meter.

Unumstritten ist der Einsatz der Pinger allerdings nicht. Einige Experten fürchten, dass die Tiere dauerhaft aus ihren Jagdgebieten vertrieben werden, andere, dass sie von ihnen geradezu angelockt werden, weil sie lernen, dass dort reichlich Beute wartet. Darüber hinaus gibt es die Befürchtung, dass sich die Tiere an die Geräusche gewöhnen, der abschreckende Effekt also nur kurz anhält.

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Die Pinger werden an den Netzen angebracht und sollen mit Störgeräuschen die Tiere daran hindern, in die Nähe der Netze zu kommen. © Quelle: Fishtek Marine

Zahl der verendeten Tiere ist in den letzten Jahren gestiegen

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Hinweise auf solche Auswirkungen fanden die Wissenschaftler um Omeyer in ihrer Studie nicht. Sie hatten den Nutzen der Pinger insgesamt acht Monate lang vor der Küste Cornwalls untersucht, ein wichtiger Lebensraum für Schweinswale und gleichzeitig ein stark befischtes Gebiet. Dort werden unter anderem Ring- und Stellnetze ausgebracht, in denen immer wieder Tiere verenden. Die Zahl der an den Stränden tot gefundenen Tiere habe sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten erhöht, schreiben die Forscher. 2018 hätten ein Drittel der tot gefunden Tiere Anzeichen dafür gezeigt, dass sie sich zuvor in Netzen verfangen hatten oder als Beifang geendet waren.

Die Forscher setzten für die Studie Pinger und zwei akustische Logger ins Wasser - einen in direkter Nähe zum Pinger, einen 100 Meter davon entfernt. Die Logger registrierten die Anwesenheit von Schweinswalen anhand der Klick-Laute, die sie aussenden. Dann schalteten die Wissenschaftler die Pinger abwechselnd ein und aus, insgesamt acht Monate lang zeichneten sie Daten auf.

Studie geht von positiver Wirkung durch Pinger aus

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Die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Schweinswal in der Nähe des Pingers aufhielt, war um 37 Prozent geringer, wenn dieser an war, zeigte die Auswertung. 100 Meter davon entfernt waren es nur noch 9 Prozent. Die Tiere kehrten schnell zurück, wenn die Geräte ausgeschaltet waren, was gegen eine dauerhafte Vertreibung aus ihrem Lebensraum spreche. Eine Gewöhnung trat im Verlauf der acht Monate ebenfalls nicht ein.

“Unsere Ergebnisse legen nahe, dass die Pinger den Beifang von Schweinswalen in Stellnetzen ohne negative Konsequenzen reduzieren könnte”, sagte Omeyer. “Wir fanden keine Hinweise darauf, dass die Pinger bei langfristigem Einsatz ihre Wirkung verlieren oder das Verhalten der Schweinswale beeinträchtigen.”

RND/dpa

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