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Fünf Fragen an Esa-Astronaut Matthias Maurer: „Den ersten Blick auf die Erde werde ich nie vergessen“

Matthias Maurer blickt aus der Cupola, dem Weltraumfenster der ISS, auf die Erde: „Das war schon ein Gefühl mit ganz viel Gänsehaut.“

Herr Maurer, der Flug ins All war für Sie ein lang gehegter Traum. Den haben Sie sich jetzt erfüllt. Seit rund drei Monaten leben Sie auf der Internationalen Raumstation. Gab es etwas, dass Sie überrascht hat? Das vielleicht so gar nicht Ihrem Traum entsprach?

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Die Hälfte meiner Mission ist um und ich fühle mich pudelwohl hier oben. Ich genieße jede Minute und jeden Sonnenauf- und Sonnenuntergang. Das Arbeitspensum ist schon sehr intensiv und die sechs Monate sind eine gute Zeitspanne, um viel Wissenschaft zu betreiben und gleichzeitig die Station fit für die Zukunft zu halten. Die ISS ist eine wunderbare Plattform für Experimente in der Schwerelosigkeit, und das sowohl für Grundlagenexperimente als auch für Technologiedemonstrationen. Und natürlich als Vorbereitung auf die zukünftige Exploration.

Was mich am Anfang ein bisschen überrascht hat – und auch jetzt noch ein bisschen staunen lässt –, ist, wieviel Unterstützung wir doch von den Kontrollzentren auf dem Boden brauchen. Ich dachte eigentlich, dass die Astronautinnen und Astronauten ein bisschen autarker arbeiten könnten.

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Das mag jetzt vielleicht nicht so wesentlich erscheinen, aber wenn wir Richtung Exploration denken, Flüge Richtung Mond, Richtung Mars, dann muss natürlich die Besatzung an Bord eines Raumschiffs mit vielen Problemen alleine klarkommen können. Und das heißt, wir brauchen die ganze Expertise, die heute in den Flugkontrollzentren auf dem Boden ist – also in Houston, in Huntsville, aber auch in München und Tsukuba in Japan und auch in Moskau. Dieses Wissen müssen wir in Zukunft mit an Bord haben. Deswegen sind natürlich auch Grundlagenexperimente wie Künstliche Intelligenz und Unterstützungssysteme wie Cimon (der weltweit erste fliegende und autonom agierende KI-Astronautenassistent vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Anm. d. Red.) natürlich ganz wichtig und die Voraussetzung dafür, dass wir den nächsten Schritt ins Weltall schaffen können.

Der Start Ihrer Mission hat sich Ende vergangenen Jahres mehrmals verzögert. Wie froh waren Sie, als Sie endlich auf der ISS angekommen sind?

Meine Mission hat sich ja schon mehrfach verzögert. Ich habe mich 2008 als Astronaut bei der Esa beworben, und der ganze Anlauf zu der Karriere als Astronaut war ein bisschen länger. Demzufolge war es für mich jetzt kein größeres Ding, als sich unser Start im Herbst letzten Jahres ein paar Mal verzögert hat. Denn ich wusste, irgendwann werde ich es schaffen, dann werden wir da hochfliegen und dann geht mein Traum in Erfüllung. Ich glaube, die Erleichterung, dass mein Traum dann auch wirklich in Erfüllung gegangen ist, hat man mir im Gesicht angesehen, als wir hier oben auf der ISS angekommen sind. Meine Freunde haben mir nachher berichtet: „Zum Glück hast du Ohren, ansonsten wäre dein Kopf ein Halbkreis gewesen, so hast du gegrinst.“ Das ist für mich einfach ein unbeschreibliches Gefühl gewesen. Ich war total froh und das bin ich auch heute noch. Ich kann es eigentlich gar nicht fassen, hier oben in der Schwerelosigkeit mit 28.000 Stundenkilometern in 400 Kilometern Höhe um die Erde zu sausen. Das ist schon etwas Unglaubliches.

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Sie haben in unserem Gespräch vor Ihrem Abflug erzählt, dass Sie nach Ihrer Ankunft auf der ISS umgehend in die Cupola schweben und von dort einen Blick auf die Erde werfen wollen. Was haben Sie von dort als erstes gesehen – und was ging Ihnen in diesem Moment durch den Kopf?

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Als wir hier oben angekommen sind, gab es direkt recht viel zu tun. Und dann war auch gleich eine Konferenz angesetzt, bei der wir zum Boden berichten sollten, dass wir gut angekommen sind. Wir haben etwas früher angedockt als geplant. Von daher hatte ich eine Viertelstunde Pause, bevor es losging und ich habe diese Zeit natürlich sofort genutzt, um in die Cupola zu schweben und dort die Fensterläden aufzuklappen und runterzuschauen. Diesen ersten Blick auf die Erde werde ich, glaube ich, nie vergessen. Dieser Anblick eines komplett schwarzen Universums, dann eines extrem blau leuchtenden Planeten mit weißen Wolken und dazwischen diese ganz, ganz dünne Atmosphäre. Dieser Blick, dass nicht der Himmel blau ist, sondern die Erde blau ist und der Himmel schwarz, das war einfach die allererste große Erkenntnis. Ich weiß nicht, welches Land oder was da genau zu sehen war, aber ich habe mich am Anfang sogar ein bisschen erschrocken, als ich heruntergeschaut habe. Erschrocken darüber, dass ich nun wirklich im All bin und so weit weg von der Erde. Das war schon ein Gefühl mit ganz viel Gänsehaut.

Etliche Menschen auf der Erde verfolgen mit, was Sie auf der ISS gerade tun. Was macht es mit Ihnen, zu wissen, dass Ihre Mission solche Aufmerksamkeit erhält?

Ich freue mich sehr darüber, dass die Menschen mitfiebern und Interesse an meiner Arbeit haben. Ich denke, sehr viele Menschen haben den Traum, vielleicht selbst einmal zu erleben, wie es wäre, wenn sie Astronautin oder Astronaut wären und wie sie das schaffen würden. Die gute Nachricht ist natürlich: Es würde jeder schaffen, Astronaut zu sein. Eigentlich ist jeder eine Astronautin oder ein Astronaut, denn die Erde ist auch ein Raumschiff. Ein größeres Raumschiff als die Internationale Raumstation und von daher weiß man eigentlich, dass Erdenbürgerin und Erdenbürger zu sein so kompliziert ist, wie Astronautin oder Astronaut zu sein.

Eigentlich ist jeder eine Astronautin oder ein Astronaut, denn die Erde ist auch ein Raumschiff.

Kompliziert ist es nur, Astronautin oder Astronaut zu werden. Ich habe sehr viel Glück gehabt, dass ich von der Esa ausgewählt wurde und dieses Glück möchte ich gerne teilen und weitergeben. Deswegen versuche ich, mittels der sozialen Medien intensiv darüber zu berichten, was ich hier oben mache, wie ich es mache und natürlich auch, wie ich mich dabei fühle und was mir leicht oder was mir schwer fällt. Da gab es natürlich auch schon einige Überraschungen, insbesondere die ersten zwei Wochen waren natürlich sehr intensiv. Das ist die Zeit, in der sich der Körper an die Schwerelosigkeit gewöhnt und anpasst. Da war ich dann froh, dass ich viele Leute vom Kontrollzentrum hatte, die mir über die Schultern geschaut haben, um mich dann auch bei der Arbeit zu unterstützen. In den ersten zwei Wochen war das Gehirn schon stark damit beschäftigt, sich an diese neue Umgebung zu gewöhnen. Dadurch hatte ich dann ein paar Gehirnzellen weniger für die Arbeit zur Verfügung, als das normalerweise der Fall ist. Das war auch eine interessante Erfahrung.

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Sie werden noch drei weitere Monate auf der ISS bleiben. Was steht in der zweiten Halbzeit noch auf Ihrer To-Do-Liste? Und macht sich doch schon etwas Vorfreude auf die Rückkehr zur Erde breit?

Ganz im Gegenteil! Eigentlich macht sich schon ein bisschen Wehmut breit, weil es mir hier oben richtig gut gefällt. Wir sind ein tolles Team, wir haben jeden Tag viel Spaß. Natürlich machen wir auch viele Experimente und als Wissenschaftler freue ich mich natürlich, dass das alles so gut funktioniert. Ein paar Experimente sind leider – und das ist völlig normal – nicht so glatt gelaufen und ich hoffe, dass wir diese Experimente noch mittels Upload von Software nachbessern können, sodass wir sie auf jeden Fall noch während der Mission nachholen und durchführen können.

Dann hoffe ich natürlich immer noch darauf, einen so genannten Weltraumspaziergang durchführen zu dürfen. Das ist alles noch nicht in trockenen Tüchern, also da gibt es noch ein paar Fragezeichen. Daher bleibt es spannend bis zum letzten Tag. Und ich möchte natürlich noch sehr, sehr viele Bilder und Videos von der Erde aufnehmen, um auch eine wirklich lange Erinnerung an diese schöne Reise zu haben. Natürlich habe ich schon viele Bilder und auch Videos gemacht, aber jetzt in der Winterzeit war anfangs sehr viel Nebel über Europa. Teilweise waren die Orbits auch so, dass ich während der Arbeitszeit über Deutschland geflogen bin und nicht rausschauen konnte oder nur mitten in der Nacht. Das heißt, ich habe noch gar nicht so viel von Europa bei Tag gesehen und das wäre natürlich schade, wenn ich da nicht mit schönen Bildern nach Hause komme. Es gibt noch recht viel zu tun und ich freue mich auf jeden Fall, dass ich noch drei Monate vor mir habe. Und wenn sich die Rückkehr ein bisschen verzögern würde, dann wäre das auch nicht schlimm. Darüber würde ich mich eher freuen.

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