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Frühgeborene sind häufiger krank als sogenannte Reifgeborene

  • Frühgeborene – insbesondere extrem unreife Frühgeborene – leben später auch als Erwachsene häufiger mit Begleiterkrankungen.
  • Zudem haben sie auch öfters einen niedrigeren sozioökonomischen Status als Reifgeborene.
  • Das zeigt eine umfassende Auswertung von Gesundheitsdaten aus Schweden, die Wissenschaftler im Fachjournal „JAMA“ veröffentlichen.
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Das zeigt eine umfassende Auswertung von Gesundheitsdaten aus Schweden, die Wissenschaftler im Fachjournal „JAMA“ veröffentlichen. Um den Gesundheitsstatus Frühgeborener mit dem von Reifgeborenen im Erwachsenenalter zu vergleichen, analysierten die Autoren um den Familienmediziner Casey Crump Registerdaten von 2.566.699 Schweden, die zwischen 1973 und 1997 geboren wurden und bei denen Daten zur Geburt, Überleben und Krankenbehandlungen bis Ende 2015 verfügbar waren. Im Vergleich zu Reifgeborenen (63 Prozent) leben von den extrem Frühgeborenen – Geburt nach 22 bis 27 Schwangerschaftswochen – im Erwachsenenalter nur 22 Prozent ohne ernstere Begleiterkrankungen. Auch Bildungsniveau, Beschäftigungsrate und Einkommen bleiben in dieser Gruppe deutlich niedriger. Je näher der Zeitpunkt der Geburt an das normale Schwangerschaftsende heranrückt, desto geringer werden die Auswirkungen.

In Deutschland wäre die Studie wohl am Datenschutz gescheitert

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Professor Dr. Christoph Bührer, Neonatologe an der Berliner Charité, kommentierte die Studie gegenüber dem „Science Media Center Germany“: „Die Studie zeigt, dass man durch Verknüpfung von routinemäßig erhobenen Gesundheits- und Sozialdaten, wie sie Krankenkassen, Arbeitsämter und die Finanzämter führen, Fragen zu langfristigen Folgen beantworten kann, die sich anders nicht bearbeiten ließen. Solche Verknüpfungen sind populationsbezogen, das heißt, sie erlauben Aussagen über alle Einwohner eines Landes und nicht nur ausgewählte Studienpatienten.“

Bührer erläutert, dass derlei Erhebungen bei uns schwierig seien. „In Skandinavien ist es völlig in Ordnung, Gesundheitsdaten (in diesem Fall Frühgeburtlichkeit) mit Sozialdaten (wie etwa Arbeitslosigkeit und Einkommen) zu verknüpfen. In Deutschland und vielen anderen Ländern scheitert so etwas in der Regel an Datenschutzbedenken – dabei gilt die europäische Datenschutz-Grundverordnung in Schweden genauso wie in Deutschland.“

Medizin bietet immer höhere Überlebenschancen

Frühgeborene haben durch den medizinischen Fortschritt immer höhere Überlebenschancen; ihre weitere Entwicklung ist jedoch nicht selten mit geistigen oder körperlichen Beeinträchtigungen verbunden, die bis ins Erwachsenenalter andauern. Unter diesem Gesichtspunkt stellt sich die Frage, inwiefern der Behandlung extremer Frühchen ethisch und medizinisch Grenzen gesetzt sind. Die deutsche Leitlinie zum Umgang mit extrem Frühgeborenen ist abgelaufen und wird derzeit auf Basis aktueller Daten überarbeitet. Demnach ist interessant, inwieweit auch Langzeitdaten – wie aus der vorliegenden Studie – in die Empfehlungen eingehen. Bührer sieht allerdings keine Schlussfolgerungen, die sich aus den Studienergebnissen in Bezug auf die ethische Bewertung konsequent lebenserhaltender Maßnahmen bei extrem Frühgeborenen ziehen ließen: „Die gemeinsame Darstellung der Frühgeborenen zwischen 22 und 27 Wochen verhindert das.“

RND/dpa

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