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Forscherinnen untersuchen Gorillas: Macht der Mensch die Affen krank?

  • Zwischen verschiedenen Gorillagruppen breiten sich Infektionskrankheiten nur selten aus.
  • Doch ist ein Mitglied infiziert, breitet sich der Erreger rapide aus, das haben Forscherinnen nun herausgefunden.
  • Sorgen bereitet den Expertinnen der Kontakt mit Menschen.
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Husten und Erkältungen verbreiten sich schnell innerhalb von Gruppen von Berggorillas – aber weniger zwischen benachbarten Gruppen. Grund dafür ist wahrscheinlich, dass die Tiere diverser Trupps genügend Abstand voneinander halten, wie Forschende im Fachblatt „Scientific Reports“ berichten. Dass sich die Affen überhaupt infizieren, hat den Autorinnen zufolge eine wahrscheinliche Ursache: der Mensch.

Affen können sich aufgrund der engen Verwandtschaft mit vielen Krankheiten anstecken, die auch den Menschen befallen. Doch gerade Atemwegsinfekte, die bei Menschen relativ leicht verlaufen, stellen für Menschenaffen wie Gorillas und Schimpansen ein potenziell tödliches Risiko dar, da ihr Immunsystem die Grippe- oder Erkältungserreger nicht kennt.

Krankheit infiziert in drei Tagen fast die ganze Gorillagruppe

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Wissenschaftlerinnen des Dian Fossey Gorilla Fund in Ruanda untersuchten nun im Vulkannationalpark eine Population von Berggorillas (Gorilla beringei beringei). Dort konzentrierten sie sich auf 15 Ausbrüche von Atemwegserkrankungen zwischen 2004 und 2020. Demnach ermöglichten der enge Kontakt und die starken sozialen Beziehungen innerhalb einer Gruppe die rasche Ausbreitung von Infektionen zwischen den Mitgliedern. Bei einem der Ausbrüche dauerte es drei Tage, bis 45 der 46 Gorillas zu husten begannen.

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Allerdings stellten die Wissenschaftlerinnen fest, dass sich Infektionen zwischen benachbarten Gruppen kaum verbreiteten. „Die Ausbrüche, die wir untersuchten, schienen alle innerhalb einer einzigen Gruppe zu bleiben und sich nicht über die gesamte Population auszubreiten“, wird Co-Autorin Yvonne Mushimiyimana in einer Mitteilung zitiert. „Gorillagruppen interagieren relativ selten, und wenn, dann halten sie eher Abstand und nähern sich nur vereinzelt bis auf die entscheidende Distanz von ein bis zwei Metern.“ Diese Zurückhaltung gegenüber benachbarten Gruppen könnte dazu beitragen, die breitere Population zu schützen, indem sie weitere Übertragungen einschränkt.

Forschung: Menschliche Viren sind Ursprung für Gorillainfektionen

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Doch wie stecken sich die Tiere überhaupt an? Andere Studien an wildlebenden Affen haben gezeigt, dass Atemwegsinfektionen fast ausschließlich durch Krankheitserreger menschlichen Ursprungs verursacht werden. Diesen Übertragungsweg nehmen die Autorinnen auch für die Gorillas an: „Unsere beste Vermutung ist, dass diese Infektionen bei Berggorillas vom Menschen stammen“, erklärt Erstautorin Robin Morrison.

Daher sei es wichtig, den Kontakt wild lebender Menschenaffen zu Menschen zu minimieren – sei es in Forschung und Artenschutz oder im Tourismus: „Impfungen, das Tragen von Masken und die Einhaltung eines angemessenen Abstands sind inmitten einer globalen Pandemie wichtiger denn je“, betont sie. Erst kürzlich hatte eine Studie davor gewarnt, dass Touristen Berggorillas mit dem Coronavirus infizieren könnten. Eine Analyse von mehr als 1000 Instagram-Postings belegte, dass die meisten Gorillatouristen für ein Selfie nicht den empfohlenen Abstand einhielten, sondern den Tieren ohne Maske zu nahe kamen.

Corona-Pandemie unterstreicht Bedeutung der Affenforschung

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Die Wissenschaftlerinnen hoffen, dass ihre Untersuchung dazu beiträgt, Schutzstrategien zu entwickeln. „Wenn wir besser verstehen, wie sich Krankheiten in der Vergangenheit verbreitet haben, können wir uns besser auf künftige Ausbrüche vorbereiten und darauf reagieren“, so Morrison. Tara Stoinski, wissenschaftliche Leiterin des Fossey Fund, ergänzt: „Obwohl die Forschungsarbeiten lange vor dem Auftreten von Covid-19 abgeschlossen wurden, macht die aktuelle Pandemie deutlich, dass es wichtiger denn je ist, die Übertragungswege von Krankheiten zwischen Mensch und Affe zu minimieren, die eine Gefahr für wild lebende Menschenaffen und Menschen gleichermaßen darstellen.“

Dieses Risiko betrifft allerdings nicht nur Tiere in freier Natur: Im Januar wurden acht Gorillas im Zoo von San Diego positiv auf Sars-CoV-2 getestet, der Silberrücken der Gruppe entwickelte eine Lungenentzündung und Herzerkrankung.

RND/dpa

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