Forscher weisen Feinstaub in Plazenten nach

  • Eine Studie sorgt für Aufsehen; Sie weist nach, dass Feinstaub, der während der Schwangerschaft von der Mutter eingeatmet wurde, womöglich auch zum Fötus gelangt.
  • Belgische Forscher von der Hasselt Universität konnten nun Kohlenstoffpartikel in der Gebärmutter nachweisen.
  • Allerdings können die Erkenntnisse den gesundheitsschädlichen Einfluss der Feinpartikel auf die Entwicklung der Ungeborenen nicht erklären.
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Feinstaub aus Ruß und anderen Partikeln ist längst zu einem weltweiten Problem geworden, dem bis zu 4,5 Millionen Menschen jährlich zum Opfer fallen. Denn die winzigen Partikel dringen tief in die Lunge ein und können Krebs und Asthma, aber auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen. Studien belegen zudem, dass selbst Ungeborene durch die Belastung der Mutter beeinträchtigt werden: Sie werden früher geboren und leiden später häufiger unter Atemwegsproblemen.

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Schadstoffe bereits in der zwölften Schwangerschaftswoche

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Das elfköpfige Team mit Studienleiter Tim Nawrot von der belgischen Hasselt Universität hat nun das Plazentagewebe von zehn Müttern nach der Entbindung untersucht. Die Wohnorte der Mütter waren einer hohen Luftverschmutzung ausgesetzt. Das Gewebe wurde dann mit zehn Gebärmutterproben von Müttern, die in einem Gebiet mit geringerer Luftverschmutzung leben, verglichen. Die Wissenschaftler von der belgischen Hasselt Universität veröffentlichten ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Communications“. Das Ergebnis: Je stärker die Mutter während der Schwangerschaft der Luftverschmutzung ausgesetzt war, desto mehr Kohlenstoffpartikel fanden sich in den Plazenten. Zudem hätte ihre Studie bewiesen, so das Forscherteam, dass die Barriere der menschlichen Placenta für Partikel keine unüberwindbare Hürde darstellt.

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Feinstaub kann Wachstum beeinflussen

„Wir wissen seit Langem, dass Umwelteinflüsse wie zum Beispiel Luftverschmutzung oder natürlich auch Zigarettenrauch einen Einfluss auf das Wachstum des Fötus haben", sagt Torsten Plösch von der Universitätsfrauenklinik Groningen. „Wir wissen auch, dass dies Langzeiteffekte haben kann, die bis ins Erwachsenenalter nachweisbar sind. Allerdings wissen wir nicht, welche Einzelfaktoren hier eine Rolle spielen.“ Die Studie der belgischen Kollegen zeige nun erstmals, dass Kohlenstoffpartikel aus der Umwelt auch im realen Leben zumindest die fötale Seite der Plazenta erreichen könnten – nicht nur in Laborversuchen. „Damit erweitert sich die Liste der Schadstoffe, die potenziell den Fötus schädigen können.“ Etliche Studien hatten zuvor bereits ergeben, dass das Einatmen von Partikeln auch weit jenseits der Lunge für gesundheitliche Beeinträchtigungen sorgen kann.

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Wissenschaftler sieht Schwächen in der Studie

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Plösch benennt allerdings auch einen aus seiner Sicht kritischen Punkt der Studie. Sie zeige lediglich, „dass sich die Kohlenstoffpartikel in der gesamten Plazenta verteilen und damit potenziell den Fötus erreichen können. Dass dieses geschieht ist aber nur eine Vermutung.“ Um das herauszufinden, hätte man zum Beispiel Partikel im Nabelschnurblut messen können. Auch ist unklar, ob die Partikel Immunreaktionen ausgelöst haben. Ein direkter Nachweis für die Schädlichkeit der Feinpartikel ist die Studie daher nicht. Aber: „Es ist mindestens zu vermuten, dass es ein weiterer Faktor in der langen Reihe von Schadstoffen ist, die wir in der Schwangerschaft vermeiden sollten“, sagt Plösch.

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