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Forscher finden Hinweise auf Syphilis vor Kolumbus in Europa

  • Die gängige These lautete, dass Kolumbus und seine Crew Syphilis aus Amerika einschleppten, im Jahr 1493.
  • Doch neue Forschungen deuten darauf hin, dass es Syphilis-Erreger bereits vor Kolumbus' Entdeckung.
  • Es ist auch möglich, dass sich die Krankheit in Europa entwickelt hat.
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Zürich. Die Syphilis und ihre Schwesterkrankheiten könnten in Europa schon früher verbreitet gewesen sein als bislang gedacht. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Universität Zürich. Die These, dass Christoph Kolumbus und seine Mitfahrer die Syphilis 1493 aus Amerika nach Europa brachten, reicht aus Sicht der Forscher allein nicht mehr aus: In archäologischen menschlichen Überresten, von denen mindestens eine Probe wahrscheinlich aus der Zeit vor Kolumbus stammt, fanden sie unter anderem den Syphilis-Erreger – und ein bislang unbekanntes, verwandtes Bakterium.

Das Wachsmodell eines Syphilis-Kranken liegt im Deutschen Hygiene-Museum. Das Objekt gehört zu den ersten restaurierten Stücken eines 2009 erworbenen anatomischen Wachskabinettes mit 250 Exponaten. Die um 1900 in Dresden entstandenen Werke dienten einst der Gesundheitsaufklärung und wurden aus Sensationslust und Voyeurismus auf Jahrmärkten gezeigt. Die Syphilis war in Europa wohl schon deutlich früher verbreitet als bisher gedacht. Zu dem Schluss kommt eine Studie der Universität Zürich. © Quelle: Matthias Hiekel/dpa-Zentralbild/

Syphilis kann unbehandelt Schäden am Gehirn verursachen

Der Ursprung der bakteriellen Seuche, die nur beim Menschen vorkommt und sich vor allem vom späten 15. bis zum 18. Jahrhundert stark in Europa verbreitete, gilt noch als ungeklärt. Der Erreger Treponema pallidum hat mehrere Subspezies, die verschiedene Krankheiten verursachen: Treponema pallidum löst die beim Sex und durch Blut übertragbare Syphilis aus, die ohne Antibiotika Schäden des Gehirns und der Blutgefäße verursachen kann. Treponema pallidum pertenue, durch Hautkontakt übertragbar, löst dagegen die Frambösie aus, wegen der Form der Pusteln auch als Himbeerpocken bekannt.

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Erreger aus den Subtropen in europäischen Skeletten entdeckt

Die Forscher fanden in den DNA-Proben aus Finnland, Estland und den Niederlanden, die wahrscheinlich auf das frühe 15. bis 18. Jahrhundert zurückgehen, auch Frambösie-Erreger – heute kommt die Krankheit dagegen fast nur in den Tropen und Subtropen vor. Im Skelett aus den Niederlanden fanden die Forscher außerdem einen unbekannten Erreger aus derselben Familie. Diese Krankheit habe sich offenbar neben der Syphilis und der Frambösie entwickelt, existiere heute aber nicht mehr, hieß es.

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Kolumbus-Hypothese von Forschern widerlegt

Die Funde rücken nun die Geschichte von Treponema pallidum in ein deutlicheres Licht: Den Forschern zufolge gab es demnach schon bereits zum Ende des 15. Jahrhunderts eine große Vielfalt von Unterarten in Europa, was die klassische Kolumbus-Hypothese nicht erklären könne. Der Vorgänger aller modernen Formen müsse sich vor mindestens 2500 Jahren entwickelt haben und könne auch in Europa entstanden sein, hieß es.

RND/dpa

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