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  • Fastenzeit 2021: Kirchen setzen auf Whatsapp, Zoom und E-Mail

Fasten: Tägliche Impulse per Whatsapp erreichen auch ältere Kirchenmitglieder

  • Seit Mitte Februar läuft die Fastenzeit – 40 Tage lang bis Ostern.
  • Gesprächskreise und gemeinsame Aktionen können in diesem Jahr jedoch nicht stattfinden. Die Kirchen setzen deshalb verstärkt auf die Kommunikation per Zoom, Whatsapp oder E-Mail.
  • Das schließt ältere Gemeindeglieder nicht aus, denn die meisten sind bereits seit Pandemiebeginn digital gut vernetzt.
Katrin Schreiter
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Hannover. „Spielraum! Sieben Wochen ohne Blockaden“ – so lautet das Motto der diesjährigen Fastenaktion der Evangelischen Kirche in Deutschland. Doch die größte Blockade in diesem Jahr scheint der Corona-Lockdown zu sein, der es verhindert, dass sich Fastengruppen und Gesprächskreise treffen können.

Digitaler Austausch über Handy und PC

„Ja, die Kontaktbeschränkungen sind eine große Herausforderung“, bestätigt Pastorin Svenja Kluth aus Moisburg (Landkreis Harburg in Niedersachsen). Täglich sendet die 33-Jährige Fastenimpulse per Whatsapp und Threema, erreicht damit rund 650 ihrer 1100 Gemeindeglieder. „Auch zahlreiche ältere“, weiß die junge Frau, die sich darüber nicht wundert. Viele Senioren würden schon seit einiger Zeit ihr Smartphone oder ihren Computer dafür nutzen, mit den Kindern und Enkeln Kontakt zu halten – zum Beispiel über Facetime oder Whatsapp.

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„Letztes Jahr habe ich noch bei einigen geholfen, den Nachrichtendienst auf dem Handy einzurichten“, erinnert sich Kluth. In diesem Jahr scheinen Alt und Jung gut für den digitalen Austausch gerüstet zu sein. „Vor allem auf meine Videobotschaften gibt es häufig Reaktionen“, freut sich die Pastorin. „Weil das persönlicher rüberkommt“ und fast wie ein direkter Kontakt sei.

Weniger Bereitschaft zum Fasten

Ein generelles Problem in diesem Jahr sei allerdings die Bereitschaft zum Fasten. „Die Leute sind fastenmüde. Sie sagen ‚Wir verzichten schon das ganze Jahr unfreiwillig auf vieles‘“, erzählt Kluth, die dieses Jahr rund 100 Anmeldungen weniger hat als 2010. „Aber das Fasten soll ja keine Selbstgeißelung sein, sondern dabei helfen, die Blockaden im Kopf zu lösen, Freiraum zu schaffen.“ Dazu gehöre, sich Gedanken für die Zeit nach dem Lockdown zu machen und dabei ganz bewusst Verantwortung für heute und auch für morgen zu übernehmen.

Die ausgetretenen Pfade verlassen – das sei schon immer ein Aspekt des jährlichen Fastens gewesen, sagt Arndt Brummer, Geschäftsführer der Aktion „Sieben Wochen ohne“. „Viele Türen sind zu. Aber andere sind weit offen.“ Dabei gelte es, Absolutes zu relativieren. Aussagen wie „So ist das!“ oder „Das geht gar nicht!“ sollten infrage gestellt werden. „Gibt es andere Wege als die üblichen? Welchen Spielraum haben wir zurzeit?“

Nach Spielraum werde auch in der katholischen Kirche gesucht. „Es geht! Anders.“ Mit diesem Fastenmotto will das katholische Hilfswerk Misereor zu einer Neuausrichtung der Lebensweise einladen. „Durch den Lockdown denken noch mehr Menschen darüber nach, wie sie leben, was sie wirklich brauchen“, sagt Franz Gulde, Leiter der Abteilung Bildung und Pastoralarbeit bei Misereor. „Und sie merken dabei, dass ihnen zum Beispiel gar nichts fehlt, wenn sie zurzeit nicht so viel konsumieren können.“

Digitales Fasten sei derzeit allerdings nicht angesagt, weil auch die katholische Kirche ihre Botschaften häufig über Bildschirme und per Handys überbringt. „Es gibt zum Beispiel einen digitalen Stammtisch aber auch digitale Aufrufe zu Spendenaktionen“, erzählt Gulde. Die Kommunikation würde die Älteren dabei nicht ausschließen. „Vor allem, wer Enkel hat, ist heutzutage gut vernetzt.“

Freiheiten zurückgewinnen

Auch wenn viele Katholiken momentan bereits durch die Corona-Regelungen auf vieles verzichten würden, sei die Fastenbereitschaft nur geringfügig zurückgegangen. „Der freiwillige Verzicht macht den Unterschied aus“, sagt Gulde. Das Fasten könne helfen, Freiheiten zurückzugewinnen und sich neue Ziele zu setzen – vor allem für die Zeit nach dem Lockdown.

„Dabei ist wichtig, sich ganz bewusst zu machen, welche Verantwortung man hat: für die eigene Lebenssituation und für die Menschen in anderen Ländern“, mahnt der Misereor-Mitarbeiter, denn er befürchtet: „Je länger der Lockdown dauert, desto stärker wird das Bedürfnis der Menschen werden, wieder in das alte Leben zurückzukehren.“

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