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Steigende Lebensmittelpreise

Weizenexport: Hat der Krieg in der Ukraine Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit in der Welt?

In vielen Getreidesorten steckt Gluten.

Wegen des Krieges in der Ukraine steigen die Preise für Lebensmittel an – auch für Getreide.

Weltweit steigen wegen des Krieges in der Ukraine die Preise für Lebensmittel. Gerade in ärmeren Gegenden der Welt könnte der Krieg nun Millionen Menschen in den Hunger treiben – schließlich gelten Russland und die Ukraine als wichtige Exporteure für Getreide. Das Gebiet gilt als Kornkammer Europas.

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Von den Exporten der beiden Länder sind viele Staaten abhängig – gemeinsam verantworten sie etwa ein Drittel der globalen Weizenexporte. „Wenn diese Mengen wegen des Krieges wegfallen, dann führt das zu extremer Knappheit auf den internationalen Märkten und zu starken Preisanstiegen“, erläutert Matin Qaim, Professor für Agrarökonomie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn dem Science Media Center (SMC). Länder im mittleren Osten, in Nordafrika und andere Teile Afrikas seien Hauptimporteure von Getreide aus Russland und der Ukraine. „Also Regionen, in denen ohnehin Hunger verbreitet ist und viele Menschen arm sind.“

Wenn der Krieg in der Ukraine weiter anhält, könnten Lebensmittelexporte noch weiter einbrechen. Laut Lisa Biber-Freudenberger, Juniorprofessorin für nachhaltige Entwicklung an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, seien steigende Nahrungspreise ein Effekt des Krieges in der Ukraine, der Hungerkrisen noch verschärfen könne. „Nicht nur die Nahrungspreise, sondern auch Energie- und Futtermittelpreise steigen angesichts der Krise“, sagt Biber-Freudenberger dem SMC.

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Situation könnte sich zuspitzen

Qaim zufolge sei die Situation auf den Weltagrarmärkten schon vor dem Krieg in der Ukraine angespannt gewesen – die Preise für Getreide, Ölsaaten und andere Lebensmittel seien höher als in den letztens 20 Jahren. „Grund hierfür waren eine weiter steigende Weltnachfrage, hohe Energie- und Transportkosten, hohe Preise für Düngemittel und schlechte Ernten in einigen Regionen, die durch klimawandelbedingte Wetterextreme verursacht wurden, erklärt Qaim weiter. Die internationalen Preise für Weizen und andere Lebensmittel seien seit Ausbruch des Krieges in der Ukraine um weitere 50 Prozent gestiegen, „und sie steigen noch weiter“, so der Agrarökonom.

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Die sprunghaft ansteigenden Preise für Grundnahrungsmittel würden dann vor allem für ärmere Menschen zum Problem. Qaim zufolge könnte die Situation sich noch zuspitzen. Im Sommer und Herbst würden die größten Mengen aus der Schwarzmeer-Region geerntet und exportiert werden. „Sollten diese Mengen im laufenden Jahr komplett fehlen, könnte die Zahl der hungernden Menschen kurzfristig um über 100 Millionen ansteigen“, schätzt der Professor für Agrarökonomie.

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Nahrungsexporte aus Russland zulassen

Die steigenden Preise betreffen aber nicht nur ärmere Länder. Auch in Europa bemerkten Verbraucherinnen und Verbraucher bereits die steigenden Kosten für Lebensmittel. „Insgesamt ist Europa aber weniger stark auf Lebensmittelimporte aus Russland und der Ukraine angewiesen. Von leeren Regalen in Europa ist also nicht auszugehen“, sagt Qaim.

Dem Professor für Agrarökonomie zufolge können große Hungerkrisen durch den Krieg in der Ukraine nur abgewendet werden, indem Nahrungsexporte aus Russland aus den Handelsembargos ausgeklammert werden. Qaim schlägt außerdem vor, in Europa und anderen Teilen den Welt „möglichst viel Getreide und Ölsaaten zu produzieren und möglichst wenig in die Verwendung außerhalb des unmittelbaren Lebensmittelbereichs fließen zu lassen“.

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