Ungewöhnlicher Trend: Experten warnen vor beheizbarer Kleidung

  • Ob Socken, Pullover oder sogar Unterwäsche: Beheizbare Kleidung verspricht bei eisigen Temperaturen warm zu halten.
  • Gerade bei Menschen, die privat oder beruflich viel Zeit in der Kälte verbringen, kommt da Freude auf.
  • Verbraucherschützer warnen allerdings vor den enthaltenen Lithium-Ionen-Akkus.
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Hannover. Die meisten bislang hergestellten Handwärmer oder Einlegesohlen funktionierten mit Kohlepulvergemischen, die beim Kontakt mit Sauerstoff Wärme erzeugen. Wärmespender dieser Art sind jedoch oft nur einmalig nutzbar. Eine Besserung sollen Handschuhe, Jacken und Co. bieten, in die kleine Heizelemente eingesetzt werden. Die dünnen Drähte und Platten sind sehr flexibel und werden von Lithium-Ionen-Akkus aufgeladen und damit erhitzt. Je nach Einsatzort und Gebrauch versprechen Hersteller eine Laufzeit von bis zu zehn Stunden. Wie stark die Kleidung erwärmt wird, lässt sich in den meisten Fällen per Knopfdruck regulieren. Bei neueren Modellen kommen sogar Handyapps zum Einsatz.

Beheizbare Kleidung: Schon der Waschgang kann zur Herausforderung werden

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Schon bei herkömmlicher Funktionskleidung zerstört ein Waschgang oft Schutzschichten. Bei beheizbarer Kleidung ist das nicht einfacher. „Wenn man Glück hat, lassen sich die Heizplatten rausnehmen. Sind sie allerdings eingenäht, bleibt nur, das Kleidungsstück nicht zu waschen oder zu hoffen, dass der Akku einem Waschgang standhält“, erklärt Tristan Jorde von der Verbraucherzentrale Hamburg.

Experten warnen vor den verwendeten Akkus

Der Experte warnt vor der vermeintlichen Innovation. Lithium-Ionen-Akkus, die beispielsweise auch bei Handys verwendet werden, hätten einerseits eine hohe Energiedichte, seien andererseits jedoch sehr kälteempfindlich. Mit der Körpertemperatur gäben Verbraucher zwar etwas Wärme an den Akku ab – bei einem Konzept wie beheizbarer Kleidung scheint das Jorde nach allerdings fragwürdig.

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„Außerdem problematisch ist das Aufladen der Akkus. Sie dürfen weder überladen noch entladen werden“, erklärt Jorde. Im schlimmsten Fall ginge der Akku nicht nur kaputt, sondern blähe sich bei einer Überladung auf. „Das kann bei einer hochenergetischen Lithium-Zelle in Extremfällen sogar zu einem Brand oder einer Explosion führen.“ Wer den Akku hingegen während des Sommers nicht regelmäßig auflädt, müsse mit Defekten rechnen. Der beheizbare Pulli könnte schon im nächsten Winter nicht mehr funktionieren.

Verbraucherschützer warnt vor Schäden für Träger und Umwelt

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Der menschliche Körper hat bei Kälte ein gewisses Maß an Regulierungsfähigkeit. „Diese Fähigkeit kann man verlieren, wenn schon bei Temperaturen über null Grad die Fernbedienung für die beheizbare Jacke gezückt wird“, meint Jorde. „Verlässt man sich außerdem auf die Technik und es kommt wirklich zu einem Ausfall der beheizbaren Kleidung, friert man erst recht, denn meistens ist der Grundstoff relativ dünn.“

Auch die Umwelt leidet unter beheizbarer Kleidung: Das in den Akkus enthaltene Lithium-Kobalthid ist ein begrenzter Rohstoff, der unter problematischen Bedingungen gewonnen wird. „Zudem müssen bei der Entsorgung die Elektronikteile von der Kleidung getrennt werden. Das ist bei dünnen Schuhsohlen zum Beispiel gar nicht so einfach“, so der Experte.

„Beheizbare Kleidung ist außer bei Extremfällen nicht sinnvoll“, meint Tristan Jorde. „Alle Probleme, die wir ohnehin bei Elektronik dieser Art haben, spiegeln sich hier wider.“ Als Extremfälle gelten zum Beispiel bisher unbekannte, starke Kältesituationen oder bestimmte Krankheiten.

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