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Experte: Bevölkerung muss mithelfen, gefährliche Mücken auszurotten

  • Exotische Krankheitserreger wie das West-Nil-Virus werden von Mücken übertragen, auch von Hausmücken – und die sind überall.
  • Um gefährliche Arten ausrotten zu können, sind Experten auch auf die Hilfe der Bevölkerung angewiesen.
  • Hilfreich ist es bereits, offene Wasserstellen, wie Vogeltränken, zu vermeiden.
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Karlsruhe/Speyer. Im Kampf gegen die Übertragung tropischer Viren durch Mücken hoffen Experten auch auf die Hilfe der Bevölkerung. Das betonte Norbert Becker von der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (Kabs) in Speyer. Anders als etwa die noch relativ seltene Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) sei die Hausmücke (Culex pipiens) überall. „Die kriegen wir nicht los, wir können sie nur eindämmen“, sagte Becker.

Brutstätten: Offene Wasserstellen verhindern

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Vor dem Hintergrund, dass in Deutschland von heimischen Mücken übertragene West-Nil-Virus-Infektionen nachgewiesen wurden, seien auch ganz konventionelle Methoden gefragt: Von der Regentonne über die Gießkanne zur Vogeltränke – offene Wasserstellen in Gärten seien Brutstätten für Haus- wie Tigermücken und müssten ausgetrocknet oder abgedeckt werden. Der Experte empfiehlt auch sogenannte BTI-Tabletten für Regenfässer. Der biologische Wirkstoff zerstört den Darm von Mückenlarven und tötet sie.

West-Nil-Virus bleibt oft unentdeckt

Besonders tückisch sei bei dem West-Nil-Virus, dass eine Infektion lange unbemerkt bleiben kann. Auch nach Angaben des Robert-Koch-Instituts entwickelt nur jeder fünfte Infizierte eine Krankheit mit Fieber und grippeähnlichen Beschwerden, die in der Regel von alleine wieder verschwindet. Richtig gefährlich ist das West-Nil-Virus nur, wenn sich aus der Infektion eine Enzephalitis (Entzündung des Gehirns) entwickelt. Experten zufolge passiert das aber nur in einem von 150 Fällen.

In Deutschland gibt es offenbar mehr Fälle von Infektionen mit dem West-Nil-Virus als bisher angenommen. Ein Anlass zur Sorge ist das nach Einschätzung von Experten aber nicht.

Mückenforscher sind gefragter denn je

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Um die genauen Übertragungswege festzustellen, sind nach Ansicht des professionellen Mückenjägers vom Oberrhein mehr Forschungen nötig – in jedem Fall aber eine sehr enge Zusammenarbeit zwischen Behörden und Mückenforschern. So gelte zum Beispiel die Rheinschnake für die Übertragung des West-Nil-Virus als unverdächtig, die Asiatische Buschmücke (Aedes japonicus) hingegen als Überträger.

Gefährliche Tigermücke mittlerweile heimisch

Und was ist mit der Tigermücke? Die zugereiste Stechmücke ist zwar nicht so häufig, kann Becker zufolge aber mehr als 20 Virenarten übertragen, darunter das Zika-, Dengue- und Chikungunya-Virus. Die vor allem in Italien schon weit verbreitete Mückenart, die vom Atem und Schweiß des Menschen angelockt werde, sei nach Anfängen in Südbaden inzwischen in mehreren Gebieten heimisch.

Um Brutstätten trockenzulegen, „gehen wir von Haus zu Haus“, sagt Becker. „Es ist wichtig, dass alle mitmachen. Ein oder zwei Grundstücke können ganze Gebiete verseuchen.“ Grund zur Panik gibt es nach seinen Worten zwar nicht. Aber gerade die Tigermücke müsse man im Auge behalten.

Bevölkerung kann helfen Tigermücke auszurotten

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Die Forscher tun dies schon seit Jahren. Sie wollen die Ausbreitung der Art auch mithilfe sterilisierter Männchen eindämmen. Einige 100.000 Exemplare haben sie zwischen April und Oktober ausgesetzt. „Es scheint sehr gut zu funktionieren“, meint Becker.

Die Experten gehen davon aus, dass die Tigermücke in Sinsheim (Rhein-Neckar-Kreis) ausgerottet ist und „fast“ in Heidelberg. Doch die Experten sind auf Hilfe der Bevölkerung angewiesen: „Wenn die Leute etwas Eigenartiges entdecken, sofort melden, sodass wir aktiv werden können“, appelliert Becker.

Pferdehalter sollten über Impfung nachdenken

Dazu sei es auch hilfreich, dass Pferdehalter insbesondere in Ostdeutschland über eine Impfung ihres Tieres gegen das West-Nil-Virus nachdenken. „Wenn es milde Winter gibt, dann überleben vielleicht auch mehr infizierte Mücken. Klar ist, dass sich die Nachweise häufen und die Gefahr nicht kleiner wird“, sagt Prof. Klaus Osterrieder, Leiter des Instituts für Virologie an der Freien Universität Berlin.

Als Schutz vor den Blutsaugern rät das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit dazu, Wasserbehälter abzudecken. Das reduziere die Vermehrung der Mücken. Empfehlenswert seien auch Mückenschutzmittel, die Insekten vom Pferd fernhalten.

RND/dpa