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Evolution: Vormenschen stillten ihren Nachwuchs ähnlich wie heutige Menschen

Über die Essgewohnheiten menschlicher Vorfahren ist bisher wenig bekannt. Eine Untersuchung von zwei Millionen Jahre alten Zähnen liefert nun wertvolle Erkenntnisse.

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New York/Frankfurt. Bereits vor mehr als zwei Millionen Jahren stillten Vormenschen ihren Nachwuchs relativ ähnlich wie heutige Menschen. Das schließt ein internationales Forscherteam aus der Analyse von Zähnen des damals lebenden Australopithecus africanus.

Das Team um Renaud Joannes-Boyau von der australischen Southern Cross University in Lismore stellt seine Ergebnisse in der Fachzeitschrift "Nature" vor. "Zum ersten Mal haben wir neue Erkenntnisse, wie unsere Vorfahren ihre Jungen erzogen haben und wie sich Mütter beim Stillen auf saisonale Nahrungsengpässe eingestellt haben", wird Erstautor Joannes-Boyau in einer Mitteilung zur Studie zitiert.

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Zwei Millionen Jahre alte Zähne

Der Australopithecus africanus lebte vor etwa zwei bis drei Millionen Jahren in Südafrika. Zum Vergleich: Die ältesten bekannten Überreste des modernen Menschen (Homo sapiens) sind etwa 300 000 Jahre alt. Die Studie deutet darauf hin, dass der Australopithecus sowohl menschliche als auch affenähnliche Eigenschaften hatte. Den Studie zufolge lief der Vormensch auf zwei Beinen, konnte jedoch auch klettern.

Die Forscher analysierten nun insgesamt vier Zähne von zwei Australopithecus-Individuen, deren Alter auf 2,1 bis 2,6 Millionen Jahre datiert wird. "Zähne sind so faszinierend, weil sie als Fossilien bestehen bleiben und häufig nahezu unverändert sind, wenn wir sie finden", sagt Christine Austin, Assistenz-Professorin für Umweltmedizin und Volksgesundheit an der Mount Sinai Hochschule in New York City.

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„Vergleichbar mit modernen Menschen“

Auf diese Wiese konnten die Forscher die Essgewohnheiten von menschlichen Vorfahren vor mehreren Jahrmillionen untersuchen. Dabei achteten sie vor allem auf die Konzentrationen des Elements Barium (Ba), das auch in Muttermilch enthalten ist und Rückschlüsse darauf zulässt, wie lange ein Säugetier gestillt wurde. Die Wissenschaftler verdampften mikroskopisch kleine Teile der Zähne und untersuchten das Gas auf Inhaltsstoffe. Die Ergebnisse verglichen sie mit Werten von heute lebenden Säugetieren.

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Die Untersuchung ergab, dass die Mütter ihre Babys nur das erste Jahr nach der Geburt dauerhaft stillten. Das sei mit modernen Menschen vergleichbar, schreiben die Forscher. Bei Nahrungsknappheit erhielten Nachkommen aber auch später noch Muttermilch.

Mütter stillten ihre Kinder auch bei Nahrungsknappheit

"Beispielsweise in der saisonalen Trockenzeit griffen die Australopithecus-Mütter über mehrere Jahre wiederkehrend auf Muttermilch zurück, um den Hunger ihres Nachwuchses zu stillen", sagt der an der Studie beteiligte Paläoanthropologe Ottmar Kullmer vom Frankfurter Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum. Damit ähnelten die aufrechtgehenden Vormenschen etwa Orang-Utans, die ihren Nachwuchs bis zu neun Jahre säugen.

Die längere Stillzeit wirkte sich den Forschern zufolge auch auf die Anzahl der Kinder des Australopithecus aus. Durch die jahrelange enge Bindung zwischen Mutter und Nachwuchs sei die Kinderzahl niedrig geblieben.

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Wichtige Erkenntnisse der Evolution

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Aus evolutionärer Perspektive sind das wichtige Erkenntnisse. Laut Austin haben Menschen deutlich kürzere Stillzeiten als Menschenaffen. „Wir wissen immer noch nicht, warum oder wann es diese Veränderung gab“, sagt Austin. Auch die Auswirkungen von modernen Veränderungen durch Landwirtschaft und Industrialisierung auf die Gesundheit der Mütter und ihrer Kinder seien noch unklar.

Das Stillen ist jedoch ein bedeutender Aspekt der menschlichen Entwicklung. Die Dauer des Stillens sowie der Zeitpunkt, zu dem feste Nahrungsmittel in die Ernährung integriert werden, haben laut der Forscher großen Einfluss auf die Gesundheit der Menschen. Trotzdem sind viele Aspekte bis heute unbekannt. „Wenn man sich anschaut, wie sich die Nahrungsaufnahme durch Stillen über die Zeit hinweg verändert hat, bringt das auch wichtige Erkenntnisse über die besten Praktiken für moderne Menschen“, so Austin.

Von RND/dpa