Erstmals Galaxie mit drei schwarzen Löchern entdeckt

  • Deutsche Forscher sind erstmalig auf eine Galaxie gestoßen, die gleich drei supermassereiche schwarze Löcher enthält.
  • Die überraschende Entdeckung könnte dabei helfen, ein astrophysikalisches Dilemma zu lösen.
  • Große Galaxien könnten aus der Verschmelzung kleinerer Galaxien entstanden sein.
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Göttingen/Potsdam. Astronomen haben erstmals eine Galaxie mit drei supermassereichen schwarzen Löchern im Kern entdeckt. Die drei Schwergewichte besitzen jeweils eine Masse von mehr als 90 Millionen Sonnen, wie das internationale Entdeckerteam im Fachblatt „Astronomy & Astrophysics“ berichtet. Die Beobachtung zeige, dass die größten Galaxien im Universum durch das gleichzeitige Verschmelzen mehrerer kleinerer Galaxien entstanden sein könnten, teilten die Universität Göttingen und das Leibniz-Institut für Astrophysik in Potsdam (AIP) mit, unter deren Leitung die Beobachtung stattgefunden hatte.

„Normal“ ist ein supermassereiches schwarzes Loch

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Jede größere Galaxie besitzt in der Regel ein supermassereiches schwarzes Loch im Zentrum. Die Wissenschaftler hatten die irregulär geformte Galaxie mit der Katalognummer NGC 6240 untersucht. Bislang nahmen Astronomen an, dass in ihr gegenwärtig zwei Galaxien verschmelzen. Entsprechend sollten sich dort zwei große schwarze Löcher finden. Durch hochauflösende Beobachtungen an der Europäischen Südsternwarte in Chile konnte das Team um Wolfram Kollatschny von der Universität Göttingen jedoch zeigen, dass NGC 6240 statt zwei sogar drei supermassereiche schwarze Löcher besitzt, die alle nicht weiter als 3000 Lichtjahre voneinander entfernt sind. Das ist weniger als ein Prozent der Ausdehnung der gesamten Galaxie.

„Eine derartige Konzentration von drei supermassereichen schwarzen Löchern wurde im Universum bisher noch nie entdeckt“, betonte Co-Autor Peter Weilbacher vom AIP in der Mitteilung. „Der vorliegende Fall liefert Hinweise auf die simultane Verschmelzung von ursprünglich drei Galaxien mitsamt ihren zentralen schwarzen Löchern.“

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NGC 6240: Beobachtung könnte einen großen Fortschritt bedeuten

Die Beobachtung könnte Astronomen aus einem Dilemma helfen, denn nach den gängigen Vorstellungen von der Galaxienentwicklung ist das Universum für die Entstehung der größten Galaxien eigentlich noch gar nicht alt genug. „Wenn es jedoch auch zu simultanen Verschmelzungsprozessen mehrerer Galaxien kam, konnten sich die größten Galaxien mit ihren zentralen supermassereichen schwarzen Löchern wesentlich schneller entwickeln“, erläuterte Weilbacher. „Unsere Beobachtungen liefern den ersten Hinweis auf dieses Szenario.“

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Im Fall von NGC 6240 ist die Verschmelzung der Galaxien noch nicht abgeschlossen, und auch die zentralen schwarzen Löcher werden sich in wenigen Millionen Jahren vereinen und dabei starke Gravitationswellen erzeugen.

RND/dpa

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