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Erderwärmung: Weltweit werden mehr umweltbelastende Klimaanlagen verkauft

  • Immer mehr Haushalte weltweit werden künftig mit Klimaanlagen ausgestattet sein.
  • Nicht nur als Reaktion auf die Erderwärmung, sondern auch wegen des steigenden Wohlstands in warmen Gegenden.
  • Forscher haben errechnet, wo der Bedarf am größten ist.
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Berkeley. Der weltweite Strombedarf für Klimaanlagen könnte in den kommenden Jahren deutlich steigen. Denn auch in tropischen Ländern mit niedrigem und mittlerem Durchschnittseinkommen steigt die Zahl verkaufter Klimaanlagen.

Wissenschaftler um Lucas Davis von der University of California in Berkeley (Kalifornien, USA) haben errechnet, wie groß der globale Bedarf an Raumkühlung aufgrund des Klimas in der jeweiligen Region ist. Wegen hoher Durchschnittstemperaturen und der großen Bevölkerung habe Indien den größten Bedarf, erläutern sie im Fachjournal “Nature Sustainability”.

Kohlendioxid: Klimaanlagen belasten die Umwelt

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Nach Angaben von Euromonitor International ist der Verkauf von Klimaanlagen in den vergangenen fünf Jahren in Thailand um 60 Prozent, in Indonesien um 129 Prozent und Vietnam sogar um 159 Prozent gestiegen. Dies seien einerseits gute Nachrichten, schreiben Davis und Kollegen: “Klimaanlagen entlasten an heißen Tagen, erhöhen den Komfort für den Menschen und steigern die Produktivität.”

Allerdings führe der erhöhte Strombedarf für die Anlagen auch zu einer höheren Umweltbelastung, da Elektrizität nach wie vor überwiegend aus fossilen Brennstoffen erzeugt werde. Dabei werden große Mengen des Treibhausgases Kohlendioxid (CO₂) in die Atmosphäre abgegeben.

Hoher Bedarf in Indien und China

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Die Forscher berechneten für ihre Prognose des Klimaanlagenbedarfs die sogenannten Kühlungsgradtage (cooling degree days) für 219 Staaten und 1692 Städte. Dazu verwendeten sie die täglichen Temperaturmessungen von mehr als 14.500 Wetterstationen über einen Zeitraum von zehn Jahren. Alle Tage mit einer mittleren Temperatur über 18,3 Grad in einem Gebiet wurden als Kühlungsgradtage gewertet. Auf die Bevölkerung in diesem Gebiet hochgerechnet ergab sich der potenzielle Bedarf an Raumkühlung.

Dieser ist demnach in Indien mit Abstand am größten: Er macht etwa 28 Prozent des weltweiten Bedarfs aus. Es folgen China (10 Prozent), Indonesien (6 Prozent) und Nigeria (5 Prozent). Diese vier Länder kommen zusammengenommen fast auf die Hälfte des errechneten weltweiten Raumkühlungsbedarfs. Unter den Städten liegt Mumbai (Indien) mit seinen 21 Millionen Einwohnern vorne, das allein etwa ein Viertel des Bedarfs der gesamten USA hat. Die einzige Stadt in einem Land mit hohem Durchschnittseinkommen unter den ersten zehn ist Tokio (Japan) mit 38 Millionen Einwohnern.

Statt Klimaanlage: Häuser besser isolieren

Die Forscher weisen aber auch auf Schwächen ihrer Berechnungen hin. So seien unterschiedliche Haushaltsgrößen, Gebäudegrößen, Bauweise und -material, Siedlungsformen und viele weitere wirtschaftliche, demografische und technologische Faktoren nicht berücksichtigt. Zudem gebe es Alternativen zu Klimaanlagen: “Eine bessere Isolierung der Häuser und die Verwendung von natürlichem Schatten, kühlenden Dächern und passiven Kühlsystemen sind energiesparende Kühlungsansätze.”

In Deutschland besitzen nach Schätzungen des Umweltbundesamtes derzeit etwa 3 Prozent der Haushalte eine Klimaanlage. Experten erwarten, dass im Zuge des Klimawandels zunehmend mehr Geräte eingesetzt werden. Die Internationale Energieagentur (IEA) hat ermittelt, dass bereits jetzt 10 Prozent des globalen Stromverbrauchs auf das Konto von Klimageräten und Ventilatoren zur Raumluftkühlung gehen.

Die Zukunft: Zwei Drittel aller Haushalte mit Klimaanlage

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Bis 2050 könnten rund zwei Drittel aller Haushalte weltweit mit Klimaanlagen ausgestattet sein, schätzt die IEA. Nicht nur als Reaktion auf die Erderwärmung, sondern auch wegen des steigenden Wohlstands in warmen Gegenden der Welt. Die wachsende Zahl von Geräten in Wohn- und Bürogebäuden wird laut IEA in den kommenden drei Jahrzehnten einer der Haupttreiber des globalen Stromverbrauchs sein.

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