Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Fund in 3000 Metern Tiefe

Wie eine Expedition Ernest Shackletons Schiff „Endurance“ in der Antarktis aufgespürt hat

Das Bild zeigt Reling, Steuerrad und Achterdeck des Schiffwracks „Endurance“.

Die erste Suche musste erfolglos abgebrochen werden, doch eine zweite Expedition in die Antarktis war nun erfolgreich: „Die Endurance ist gefunden“, schickte das Team am Mittwoch die Botschaft über Twitter in die Welt hinaus. Über 106 Jahre ist es her, dass das Schiff des berühmten Polarforschers Ernest Shackleton vom Eis der Antarktis zerquetscht wurde und sank. Bis heute war der genaue Aufenthaltsort des Schiffswracks ein Rätsel. Doch ein Expeditionsteam war nun erfolgreich: Sie fanden das Wrack in etwas über 3000 Meter Tiefe, rund vier Meilen von der Stelle entfernt, die der einstige Kapitän als Unglücksort festgehalten hatte.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Der britische Archäologe Mensun Bound, der die Suche leitete, sagte, das Filmmaterial zeige, dass das Schiff in äußerst gutem Zustand sei. „Wir sind überwältigt von unserem Glück, dass wir die Endurance gefunden und Bilder von ihr aufgenommen haben“, sagte er. „Das ist bei Weitem das schönste Schiffswrack aus Holz, das ich je gesehen habe.“ Es stehe aufrecht auf dem Meeresboden, sei intakt und in „brillantem“ Zustand. Man könne sogar den Namen „Endurance“ sehen, der am Heck, direkt unter der Reling, stehe. „Dies ist ein Meilenstein in der Polargeschichte.“

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, Inc., der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Antarktis: Frei von holzfressenden Mikroorganismen

Dan Snow, ein Historiker, der mit an Bord war, schrieb auf Twitter, dass das Wrack bereits am Samstag entdeckt worden sei, am 100. Jahrestag der Beerdigung von Shackleton. Auch er schwärmte über den guten Zustand des Wracks und erklärte: „Der antarktische Meeresboden hat keine holzfressenden Mikroorganismen, das Wasser hat die Klarheit von destilliertem Wasser.“ Das Team habe das Wrack in Super-High-Definition gefilmt, ohne etwas anzufassen oder an die Wasseroberfläche zu bringen. Stattdessen sei es mit modernsten Instrumenten vermessen und seine Position bestätigt worden.

Die „Endurance“ – das Schiff des Polarforschers Ernest Shackleton – war 1915 im Weddellmeer gesunken, nachdem es zehn Monate lang im Eis feststeckte. Eine erste Expedition, die das Wrack der „Endurance“ aufspüren wollte, scheiterte 2019. Doch der zweite Anlauf war nun von Erfolg gekrönt und hat Geschichte geschrieben.

Mehr als 100 Jahre nach dem Schiffbruch des britischen Expeditionsschiffs  „Endurance“ haben Forscher im antarktischen Weddellmeer dessen hölzernes Wrack gefunden.

Mehr als 100 Jahre nach dem Schiffbruch des britischen Expeditionsschiffs „Endurance“ haben Forscher im antarktischen Weddellmeer dessen hölzernes Wrack gefunden.

Gesamte Crew überlebte das Unglück

Der irisch-britische Shackleton selbst war ebenfalls in die Geschichtsbücher eingegangen, wobei ihm der ultimative Erfolg verwehrt blieb: den Südpol zu erreichen. Er kam ihm 1909 zwar so nah wie sonst nie jemand zuvor, doch 180 Kilometer davor mussten er und seine drei Begleiter dann schließlich doch noch umkehren.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Zwei Jahre später machte der norwegische Forscher Roald Amundsen seine Träume dann vollends zunichte. Auch Shackletons nächster Versuch, die Antarktis auf dem Landweg zu überqueren, war nicht von Erfolg gekrönt: Sein Schiff „Endurance“ wurde im Eis eingeschlossen und letztlich nach etwa zehn Monaten zerquetscht. Noch bevor es sank, konnte sich die Mannschaft auf Eisschollen retten. Im April 1916 machten sich die Männer in drei kleinen Booten auf nach Elephant Island, von wo sie nach dem insgesamt zweijährigen Martyrium gerettet wurden. Um zu überleben, ernährten sich die Männer von Pinguinen und verspeisten sogar die Hunde der Expedition. Letztendlich kehrten aber – wie durch ein Wunder – alle 28 Besatzungsmitglieder lebend zurück.

Erste Expedition endete mit Rückschlag

Die gesunkene „Endurance“ zu erreichen, geschweige denn ihren genauen Aufenthaltsort aufzuspüren, war keine einfache Aufgabe: Ein Großteil des Weddellmeeres kann mit bis zu drei Meter dickem Meereis bedeckt sein, das selbst für die stärksten Eisbrecher unpassierbar ist. Wie unberechenbar Meereis generell sein kann, wurde nicht zuletzt 2013/14 deutlich, als eine Expedition, die den Spuren des Polarforschers Sir Douglas Mawson folgte, im Eis der Antarktis steckenblieb und in einer groß angelegten, globalen Aktion gerettet werden musste.

Auch der Archäologe Mensun Bound erlebte am eigenen Leib, wie schnell das Eis Hoffnungen zerstören kann. Bei seinem ersten Versuch, die „Endurance“ zu finden, blieb ein autonomes Unterwasserfahrzeug (AUV) im Eis stecken. Die Expedition endete ohne Erfolg. Doch Bound ließ sich nicht ermutigen und hatte im zweiten Anlauf nun Erfolg.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Organisiert wurde die Expedition vom Falklands Maritime Heritage Trust, der 2019 bereits die erfolgreiche Suche nach dem Flaggschiff der 1914 in der Schlacht um die Falkland-Inseln versenkten deutschen Flotte organisiert hat. Die Forscher starteten an Bord des Forschungsschiffes SA Agulhas II im Februar 2022 von Kapstadt in Südafrika aus.

Mehr aus Wissen

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.