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Elektroschrott: Bonus für reparierte Altgeräte zieht – Antragsflut in Thüringen, auch andere Bundesländer zeigen Interesse

  • Vom Bügeleisen bis zum Handy: Deutschland „produziert“ jedes Jahr 1,6 Millionen Tonnen E-Schrott.
  • Thüringen zeigt seit Kurzem, wie man E-Schrott vermeiden kann. Wer seine kaputten Geräte reparieren lässt, statt sie wegzuwerfen, erhält eine Bonuszahlung.
  • Die Verbraucherzentrale Thüringen spricht von einer „Antragsflut“. Vor allem defekte Handys erhalten so eine zweite Chance.
Katrin Schreiter
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Erfurt. In Deutschland fällt pro Jahr so viel Elektroschrott an wie in keinem anderen EU-Land. Nach einer Studie des Elektroschrott-Monitors 2020 steuern die Deutschen insgesamt 1,6 Millionen Tonnen zum weltweiten E-Schrott bei, macht 19,4 Kilogramm pro Einwohner.

Eine einfache Strategie gegen diese Verschwendung ist das Reparieren. In Thüringen bekommt man dafür seit Mitte Juni auf Antrag eine finanzielle Unterstützung: und zwar 50 Prozent des Rechnungsbetrages. Dabei beträgt die Obergrenze 100 Euro pro Person und Jahr.

„Das Interesse ist vom ersten Tag der Aktion an sehr groß“, freut sich Stefan Eisentraut von der Verbraucherzentrale Thüringen – er spricht von einer Antragsflut. „Die Kombination aus grünem Gewissen und finanziellem Vorteil funktioniert.“ Vor allem defekte Handys hätten seitdem von ihren Besitzern eine zweite Chance erhalten.

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Andere Bundesländer fragen nach

Mittlerweile haben sich auch andere Bundesländer in Thüringen nach dem Projekt erkundigt: So habe es bereits Nachfragen aus Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg gegeben, bestätigt Tom Wetzling, Pressesprecher des Thüringer Umweltministeriums, das das Projekt initiiert hat und die Gelder zur Verfügung stellt. „Lob und Interesse gab es auch aus dem nationalen Rat für Nachhaltige Entwicklung.“ Nun werde das Projekt im Bund-Länder-Erfahrungsaustausch zur Bildung für Nachhaltige Entwicklung vorgestellt.

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„Elektroschrott ist ein großes Thema“, sagt Stefan Eisentraut von der Verbraucherzentrale Thüringen. „Wenn er nicht fachgerecht entsorgt wird, können gesundheitsschädigende Schadstoffe wie zum Beispiel Quecksilber freigesetzt werden.“ Außerdem würden große Mengen wertvoller und knapper werdender Metalle unwiederbringlich verloren gehen.

Umwelt schonen, Kosten sparen

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Das Thüringer Projekt will vor dem Entsorgen ansetzen. Eisentraut: „Elektroschrott vermeiden, indem man kaputte Geräte repariert und somit länger nutzt.“ Das helfe, die Umwelt zu schonen und Rohstoffe zu sparen.

Richtig entsorgen

Und wenn die Altgeräte nicht mehr zu reparieren sind? „Händler müssen ausgediente Elektrogeräte seit 2016 zurücknehmen“, erklärt der Experte von der Verbraucherzentrale Thüringen. „Das gilt übrigens auch für Onlineshops.

Das Wichtigste in Kürze zum Thema entsorgen:

Elektroschrott bei Händlern abgeben: Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von mehr als 400 Quadratmetern müssen Altgeräte kostenfrei zurücknehmen.

Geräte mit einer Kantenlänge unter 25 Zentimetern (Jede Seite des Geräts darf nicht länger sein) müssen immer zurückgenommen werden – unabhängig davon, ob es in dem bestimmten Laden gekauft wurde oder dort nun ein neues Gerät gekauft wird. Die Geschäfte können dafür Sammeltonnen aufstellen.

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Für größere Geräte gilt das Prinzip alt gegen neu: Wird ein Gerät gekauft, muss ein Gerät der gleichen Kategorie (zum Beispiel Fernseher gegen Fernseher) kostenfrei zurückgenommen werden. Das gilt auch, wenn das Gerät nach Hause geliefert wird. In diesem Fall muss dem Händler beim Abschluss des Kaufvertrages mitgeteilt werden, ob ein Altgerät bei Auslieferung mitgegeben wird. Dieser Service muss beim stationären Handel immer kostenlos sein.

Rückgabe beim Onlinehändler: Auch für den Onlinehandel gilt die Rücknahmepflicht, sofern die Lagerfläche für Elektrogeräte mehr als 400 Quadratmeter beträgt. Der Onlinehändler muss beim Kauf eines Gerätes mitteilen, wo ein entsprechendes Alt-Gerät in zumutbarer Entfernung zurückgegeben werden kann oder die kostenlose Rücksendung anbieten. Im Gegensatz zum stationären Handel kann der Onlinehandel selbst entscheiden, welche Form der Rücknahme er anbietet.

Kommunale Sammelstellen: Für die Sammlung von Elektro-Altgeräten müssen Kommunen Sammelstellen – meist sind es Recyclinghöfe – zur Verfügung stellen. Dort können alle Altgeräte kostenlos abgeben werden. Für eine Abholung von zu Hause kann die Kommune allerdings Gebühren verlangen.

Was zählt zu Elektroschrott?

Funktioniert mit Strom: Bis auf wenige Ausnahmen fallen alle Geräte, die Strom – ob aus der Steckdose, dem Telefonkabel oder einer Batterie – für ihre Funktion benötigen, unter das „Elektro- und Elektronikgerätegesetz“. Neu dabei sind zum Beispiel Pedelecs bis maximal 25 km/h, Photovoltaikmodule, Nachtspeicheröfen und Leuchten.

Elektrische oder elektronische Bestandteile: Seit 2018 gehören auch Produkte zum Elektroschrott, wenn sie fest verbaute elektrische oder elektronische Bestandteile enthalten: Schuhe mit beleuchteter Sohle, Rucksäcke mit fest vernähter Beleuchtung, Badezimmerschränke mit fest eingebautem beleuchteten Spiegel, ein elektrisch verstellbarer Fernsehsessel oder ein Tresor mit elektrischem Schloss.

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Stromdurchleitende Elemente: Seit 2019 zählen auch sogenannte passive Geräte zu den Elektro- oder Elektronikgeräten – und damit am Ende zu Elektroschrott. Dazu gehören beispielsweise Stecker und Steckerleisten, Adapter, Kabeltrommeln, Audio- und Verlängerungskabel, Außen- und Zimmerantennen, Steck- und Telefondosen sowie Telefonbuchsen.

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