Eisheilige 2019: Wann sie sind und was Sie beachten müssen

Mitte Mai ist der Zeitraum der Eisheiligen, auch strenge Herren oder Eismänner genannt. Alle Infos und meteorologische Hintergründe rund um das Wetterphänomen im Frühjahr.

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Hannover. Ob kalte Sophie, Schafskälte oder die Eisheiligen: Bauernregeln zufolge gibt es zahlreiche frostige Wetterphänomene im Frühjahr. Auch heute noch berücksichtigen viele die Weisheiten. Was genau sich hinter den bevorstehenden Maitagen verbirgt und was man auch als Hobbygärtner beachten sollte – wir haben Fakten rund um die Eisheiligen zusammengestellt.

Was verbirgt sich hinter den Eisheiligen?

Die Eisheiligen gehen auf jahrhundertealte Berichte von Bauern zurück: Sie haben die Wetter- und Witterungsverhältnisse beobachtet und die Erfahrung gemacht, dass es an den Namenstagen der Heiligen oft zu einer letzten Kaltluftfront und damit zu entsprechenden Nachtfrösten kam.

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Meteorologisch betrachtet hängt dieses Phänomen damit zusammen, dass sich das europäische Festland im Mai schnell erwärmt, während das Meer oft noch kalt bleibt: Es entstehen Tiefdruckgebiete. Die Luftmassen verschieben sich und die warmen Luftströmungen des Festlands ziehen nach Norden. Dadurch werden wiederum eiskalte Strömungen auf das Festland gedrückt. "Die Kältefront kommt aus Skandinavien und hat ihren Ursprung oft in der Polarluft", erklärt Diplom-Meteorologe Dominik Jung.

Eisheilige 2019: Wann sind die Eisheiligen?

Die bei Gärtnern gefürchteten Eisheiligen sind jedes Jahr an den gleichen Tagen. In Norddeutschland beginnen sie am elften und enden am 13. Mai. In Süddeutschland hingegen rechnet man den zwölften bis 14. Mai dazu. Dass die Eisheiligen im Süden Deutschlands einen Tag später beginnen als im nördlichen Teil, wird mit dem allmählichen Vorrücken der Kaltluft von Norden erklärt. Oft bezieht man auch den 15. Mai mit ein – den Namenstag der heiligen Sophie. Deshalb wird ein an diesem Tag spürbares Kältephänomen von vielen „kalte Sophie“ genannt.

„Die kalten Strömungen müssen aber nicht genau in diesem Zeitraum auf uns zukommen – verfrühte oder verspätete Eisheilige sind ebenso möglich“, so Experte Jung.

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Wer sind die Eisheiligen?

Die fünf Tage der Eisheiligen sind nach den Namenstagen von echten Heiligen benannt:

Mamertus (11. Mai): Mamertus, der erste Eisheilige, war im fünften Jahrhundert Bischof von Vienne bei Lyon und soll mehrere Wunder, zum Beispiel das Stoppen einer Feuersbrunst, vollbracht haben. Mamertus wurde bei Fiebererkrankungen, großen Dürren oder Erkrankungen der Brust um Beistand gebeten.

Pankratius (12. Mai): Sein Name bedeutet "Der Alles Besiegende". Der zweite Eisheilige zählt zu den ersten Märtyrern und wurde zu Beginn des vierten Jahrhunderts in Rom hingerichtet.

Servatius (13. Mai): Der damalige Bischof aus Belgien soll den Hunneneinfall in Europa vorhergesagt haben, der tatsächlich um 450 nach Christus stattfand. Der dritte Eisheilige wurde bei Frostschäden, Fußkrankheiten und Rattenplagen zur Hilfe gerufen.

Bonifatius von Tarsus (14. Mai): Sein Name bedeutet "Der gutes Geschick verheißende". Er hat sich spät dem Christentum angeschlossen, starb aber kurz darauf als Märtyrer.

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Sophia von Rom (15. Mai): Auch als "kalte Sophie" bekannt, wurde sie oft um Beistand bei Spätfrost und um eine gute Ernte gebeten. Sophia ist oftmals mit Trog und Schwert, aber auch mit einem Palmwedel und einem Buch auf Darstellungen zu sehen.

Wie können Pflanzen vor Frost geschützt werden?

Besonders wenn das Wetter mit Sonnenstrahlen und Vogelgezwitscher lockt, kann manch ein Gärtner es kaum abwarten, die Schaufel zu schwingen – also werden Blumen und Bäume schon vor den Eisheiligen gepflanzt. Das Risiko eines schädlichen Kältetiefs ist hoch. Einen kurzzeitigen Schutz bieten dann Vlies und Reisig. Auch spezielle Folien können die Pflanzen vor Nachtfrost bewahren. Eine zeitlich begrenzte Lösung – denn gerade in der Wachstumsphase brauchen Pflanzen viel Licht. Darüber hinaus kann sich schnell Feuchtigkeit unter der Plane sammeln, wodurch ein Luftstau entsteht.

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Die Eisheiligen in den vergangenen Jahren

Vergleicht man die vergangenen drei Jahre, erkennt man schnell: Ob es genau in dem Zeitraum der Eisheiligen zu einem Temperatursturz kommt, ist Zufall. „Am 15. Mai 2017 und 2018 lagen wir nachts bei etwa zehn Grad während es 2016 zu dieser Zeit sogar in tieferen Regionen Frost und Bodenfrost gab“, berichtet Jung. Ernstzunehmen sind die Eisheiligen dennoch. „Wenn man die Regel nicht als Gesetz, sondern als Warnung versteht, hat man sie bestens begriffen.“

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Die Eisheiligen 2019: Was erwartet uns?

„Das Auf und Ab im April ist prädestiniert dafür, dass es im Mai so weitergehen könnte. Das würde für einen Kältesturz zu den Eisheiligen sprechen“, meint Dominik Jung.

Auch Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst (DWD), geht davon aus, dass pünktlich zum letzten Tag der Eisheiligen, also zum Pfingstwochenende, ein Temperatursturz einsetzt, der es in sich hat. "Am Sonnabend erwarten wir nur noch zwölf bis 16 Grad. Die kältesten Tage werden Sonntag und Montag mit Temperaturen von maximal 14 Grad", sagt er. Selbst verspätete Eisheilige und damit Nachtfrost seien nicht auszuschließen. "Wir gehen derzeit für den 17. und 18. Mai von Tiefsttemperaturen zwischen 5 und 8 Grad aus. Mit viel Pech kann es da auch Bodenfrost geben."

Bauernregeln zu den Eisheiligen im Überblick

Ein paar Bauernregeln zu kennen und zu beherzigen, schadet grundsätzlich nicht. Die Weisheiten zu den Eisheiligen ähneln sich oft.

• Vor Bonifaz kein Sommer, nach der Sophie kein Frost. • Die kalte Sophie macht alles hie. • Wenn’s an Pankratius friert, so wird im Garten viel ruiniert. • Pankraz, Servaz, Bonifaz machen erst dem Sommer Platz. • Pflanze nie vor der kalten Sophie. • Pankraz und Servaz sind zwei böse Brüder, was der Frühling gebracht, zerstören sie wieder. • Vor Nachtfrost du nie sicher bist, bis Sophie vorüber ist. • Servaz muss vorüber sein, will man vor Nachtfrost sicher sein.

Eine Liste mit Bauernregeln für mehrere Monate finden Sie hier.

Nicht nur bei uns: Eisheilige in anderen Ländern

So geschätzt sie hierzulande auch sind – Eisheilige sind nicht nur ein Phänomen im deutschsprachigen Raum. Auch in anderen Ländern in Europa und selbst an der US Ostküste sind die Tage bekannt. In Frankreich zum Beispiel nennt man sie „Saints de glace“, in Polen „Zimni ogrodnicy“ und in England „Ice Saints“.

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Von RND / Jessica Orlowicz